Ballkultur

Deadlinedaygeschwängerte Kulturpessimismusattacken

Bild: Aufkleber mit dem Text: Glotze aus, Stadion an

Der (für deutsche Verhältnisse) dieses Mal recht ausufernd genutzte »Deadline-Day«, also der letzte Tag der sommerlichen Transferperiode, hat nicht nur einige teure Spielerwechsel mit erstaunlichen Ablösen gebracht, sondern auch eine publizierte Flut von kulturpessimistischen Betrachtungen über die Schlechtigkeit des Profifußballs als solchen.

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Die Hopps der Anderen.

Zwei schöne gebloggte Groundhopps, zum Zeitvertreib in der grässlichen fußballfreien Länderspielpause:

»Die schottische Furche« war bei TSV Havelse vs. TSV Schilksee in der Regionalliga Nord unterwegs:

»Für ermäßigte 5€ betritt man die Pforten des Wilhelm-Langrehr-Stadions. Kein VW-Continental-Ergo-Stadion, keine Sparkassen-TUI-Haribo-Arena. Ja, liebe Kinder, so etwas gibt es noch.«

Und die »Lost Boyos«, kürzlich in Karlsruhe unterwegs gewesen, sind zum englischen Pokalknaller zwischen Brighouse Town (achtklassig) und Atherton Collieries (neuntklassig) gehoppt. Wie stets bei den Boyos ein langer Bericht mit viel Bier:

»Clearly, the beer hit me hard though as I was a bit confused to where I was when I first woke up on the Sunday morning.«

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Ballkultur

Fußlümmelei

Ein schönes »Langstück« (oder »Longread«, wie man heutzutage Texte nennt, die keine Info-Happen sind) bei 120minuten über die Entwicklung des Fußballs in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts: »Von der Fußlümmelei zum Massenphänomen«.

Karlsruhe war damals eine Metropole der »Fußlümmelei« mit den beiden (einzigen) Deutschen Meisterschaften 1909 für den FC Phönix (einer der beiden Vereine die 1952 zum Karlsruher SC fusionierten) und 1910 für den Karlsruher FV. Ein fußballhistorisches Erbe, das seitens der Stadt aber nicht gepflegt wird. Viel mehr werden die historischen Stätten abgerissen, überbaut und ein paar lieblose Gedenktafeln aufgestellt.

2006 hatte ich kurz vor dem Abriss in meinem alten Blog dem alten KFV-Stadion einen Besuch abgestattet.

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Spielbetrieb

Auf in die Champions League! Aber nicht alle…

Die Würfel sind gefallen, die Play-Offs sind beendet und die Gruppenphase der Champions League wurde ausgelost!

Gladbacher Todesgruppe

Borussia wird in Gruppe D auf Juventus Turin, Manchester City und (schon wieder) auf den FC Sevilla treffen. Stellenweise ist deshalb auf Twitter und in den üblichen Foren ein garstiges Gejammer über die Grausamkeit dieser Gruppenauslosung zu lesen. Seitenwahl gibt gewohnt informativ einen Überblick und kommt zu dem Schluss:

»Zum jetzigen Zeitpunkt ist es jedenfalls viel zu früh, um den Kopf in den Sand zu stecken. Borussia hat jahrelang hart dafür gearbeitet, um in dieser Champions League mitspielen zu dürfen. Jetzt ist dies geschafft und wurde mit einer Gruppe vierer echter Champions belohnt. Anstatt jetzt schon bittere Niederlagen vorherzuorakeln, sollten sich die Fans auf 6 hochkarätige Europacup-Partien freuen, die sie genau wie der Verein unbeschwert und in vollen Zügen genießen sollten.

So ist es. Man hat immer eine Chance. (Gut dass es hier kein Phrasenschwein gibt.) Ich für meinen Teil freue mich drauf, vor allem Sevilla ist dieses Mal fällig. Und gegen Juve, mit Torwartlegende Gigi Buffon, der bekanntlich einmal Gladbach als einen seiner Sehnsuchtsvereine bezeichnete. Und als Sahnehäubchen das geldstarrende, aber europäisch notorisch erfolglose Superstarensemble von Manchester City…

Celtics Ausscheiden

In jene Gruppenphase wollten auch einige andere. Für Celtic endete der vor zwei Tagen skizzierte »mühsame Weg zurück« in Malmö mit dem erneuten Ausscheiden mit einem, vor allem in der 2. Halbzeit, furchtbaren Auftritt. Trainer Ronny Deila diagnostizierte ein »furchtsames Auftreten« als Ursache. Einige Kommentatoren, wie jener hier im Guardian, sehen hingegen Deilas falsche Entscheidungen und schlechte Transfers als Grundübel. Der BBC-Schottenfußball-Chefkommentator Tom English sah Celtics Schwäche in Malmö grausam offenbart und kommt zu dem Schluss:

»Malmo got what they deserved on Tuesday - and so did Celtic. They had their chance - and they blew it.«

Die Fans sind etwas ratlos, wie ein Statement im Supporters-Forum zeigt:

»Last night was at times embarrassing, we looked like a team with no fight in it, a total lack of conviction; we were bullied by a team of inferior players.«

Das fasst es ganz gut zusammen. Und einer zerriss gleich sein Trikot vor Wut

Nun gibt es also ein weiteres Jahr Europa League und Dominanz in der Schottischen Meisterschaft für Celtic, und die CL findet erneut ohne schottische Beteiligung statt.

Basels Ausscheiden

Etwas überraschend ausgeschieden ist auch der kürzlich besuchte FC Basel gegen Maccabi Tel Aviv. Das ist für Basel weniger ein finanzielles Problem, als vielmehr eines für das eigene Selbstverständnis, so die NZZ:

»Ohne Champions League bricht ein Teil seines Selbstverständnisses und seiner Träume weg; in diesen Spielen setzt er die grossen Emotionen frei, hier bekommt er die Anerkennung, die ihm in der Schweiz immer öfter versagt bleibt.«

Ganz anders sehen das die »Stehplatzhelden«:

»Ein Glück, dass der Verein die erneute Qualifikation für die UEFA Champions League nicht geschafft hat. Ansonsten wäre die wirtschaftliche Dominanz des FCB im Schweizer Fussball erdrückend geworden.«

Wie auch immer. Im Gegensatz zu Celtic, für die die Rückkehr mit jedem Jahr »draußen« immer schwieriger wird, wenn die Besitzer nicht Geld in eine für den heimischen schottischen Fußball völlig überdimensionierte Mannschaft stecken wollen, lacht dem FC Basel eine glorreiche Zukunft. Denn ab der kommenden Saison braucht der Schweizer Meister nicht mehr durch die mühsame und gefährliche Qualifikation, sondern kommt direkt in die Gruppenphase. Und wer anders als die »Bebbi« soll diese Saison Schweizer Meister werden?

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Matchday

Null-Punkte-Zug: Borussia Mönchengladbach vs Mainz 05 1:2 – 23.8.2015

Bild: Gladbach vs. Mainz 1:2, Blick ins Stadion

Das war ein hartes Wochenende: Nach dem samstäglichen Stadionbesuch vor der Haustür stand tags darauf das erste Heimspiel der glorreichen Elf vom Niederrhein gegen Mainz 05 auf dem Programm. Die DFL musste das natürlich auf den 17:30-Termin am Sonntag legen, was im Infrastrukturentwicklungsland Deutschland, in dem die Fußballstadien in diesen Zeiten gentrifizierend vergreisender Ruhebedürftigkeit nur noch in der Pampa an der Autobahn errichtet werden können, einen ziemlich langen Tag im Zug mit sich bringt.

Aber gut, oder wie wir Fußballer sagen, ja gut, wir machen das ja freiwillig. Und nach einem schönen Spiel, mit einem Dreier in der prall gefüllten Punktetasche, macht man sich auch gerne auf den langen Heimweg in der Hölle deutscher Personenbeförderungsunternehmen…

Das Problem war nur: Es gab keinen Dreier. Und auch kein schönes Spiel. Sondern nur eine lange Fahrt mit dem Null-Punkte-Zug. Und einer leeren Punktetasche im Gepäck, in der man nach zwei Spieltagen noch so lange herumwühlen und suchen kann: Es sind keine Punkte drin!

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Spielbetrieb

Schweden, Schweine und Kinder: Celtics mühsamer Weg zurück in die Champions League

Celtic Park, Glasgow, August 2013

Wir stehen bekanntlich mitten in den entscheidenden Play-Off-Spielen zur Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League 2015/16. Neben den Dritten und Vierten der reichen und berühmten Ligen in Spanien, England, Deutschland oder Italien, müssen sich die Meister der kleineren Ligen durch die Qualifikation kämpfen. Für diese ist das ein mühsamer Weg. Vereinen wie dem FC Basel oder dem Celtic FC, die über Jahre hinweg eine gute Rolle in der CL spielten, kann so der niedrige Stellenwert der Liga ihres Landes zum Verhängnis werden.

So kämpft sich derzeit auch der schottische Serienmeister Celtic FC aus Glasgow, immerhin 1967 Sieger des Europapokals der Landesmeister (wie die CL in der guten alten Zeit bekanntlich hieß), durch die Qualifikation und möchte im Rückspiel am morgigen Dienstag in Malmö die Rückkehr in die CL klarmachen.

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Matchday

Arbeitssieg: KSC vs MSV Duisburg 2:0 – 22.8.2015

Bild: KSC vs MSV Duisburg 2:0, 22.8.15

Ein sonniger Samstag in Karlsruhe, optimales Fußballwetter, ein Traditionsduell mit insgesamt 52 Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit auf dem Spielplan – da gibt es doch nichts anderes als »Raus in den Wildpark«! Sollte man meinen, aber das zum Ende der Saison aufgeflammte Karlsruher Fußballfieber hat sich wieder auf das Kernpublikum, also die 12.000 bis 15.000 die immer kommen, reduziert.

Gespielt wurde trotzdem, die Stimmung war auch im nur halb gefüllten Wildpark gut. Denn der KSC »veredelte« den Auswärtssieg beim FSV Frankfurt mit einem ungefährdeten 2:0-Heimsieg gegen den MSV Duisburg und kann nun, mit Rang 7 und 6 Punkten, wieder deutlich entspannter auf die Tabelle schauen.

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Und dann kam Drogba.

Großartiger Text von »Der letzte Zehner«:

»Es gibt ja die Sorte von Protagonisten im Spitzenfußball, über die man sich gut und gerne echauffieren kann, wenn sie Teil einer gegnerischen Mannschaft sind, die man aber insgeheim am liebsten in der Mannschaft sehen würde, der man die Daumen drückt. Weil sie nicht nur eine gewisse Arroganz und ständige Selbstsicherheit an sich haben, sondern es auch verstehen, diese mit genug Witz oder Charisma zu kombinieren, sodass man ihnen eigentlich nicht böse sein kann. Spontan fallen mir da Namen wie Mourinho oder Ibrahimovic ein. Oder eben Drogba, der ist ein Paradebeispiel für diese Kategorie.«

Unbedingt lesen. Ganz. (Via 120minuten)

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