Am langen Ende…

Notizen zum Fußball. Die Welt und Gladbach.

… war die Pause lang genug, um wieder Lust auf Gladbach-Spiele zu haben

Am langen Ende

Nach einer grotesk langen WM- und Winterpause von fast zweieinhalb Monaten startet auch die Bundesliga als bummelnder Nachzügler des europäischen Fußballs ins Jahr 2023. Und das wg. ein paar WM-Fahrern, von denen die allermeisten nur 4 bis 6 Spiele gemacht haben. Also nur einen Bruchteil von dem Pensum, was sie im normalen Ligabetrieb bis kurz vor Weihnachten gespielt hätten. Das muss man nicht verstehen, aber man ist darauf stolz und bezeichnet alle anderen als die mit dem »Irrsinn«. Fußball-Deutschland ist halt in vielerlei Hinsicht ein wenig »anders« als der Rest von Fußball-Europa…

Ein Gutes hat das aber: Die Pause war so lang (letztes Spiel war vor satten 72 Tagen das 4:2 gegen den BVB am 11. November 2022), dass man wieder richtig Lust auf Gladbach-Spiele hat.

Deshalb, und weil 2023 wg. Twitter/Elon das Bloggen zurückbringen soll, was den Anstoß dazu gab, die mit hehren Worten ins Leben gerufene Sub-Kategorie »Am langen Ende« auch mal mehr mit Leben zu füllen, gibt es nun ein paar Gedanken zum Start ins Jahr 2023 der Borussia…

Uf Wiederluege, Yann Sommer

Die markanteste Änderung an der Personalfront war sicher der Abgang von Keeper Yann Sommer, der nun beim FC Bayern den Reklamierarm hebt. Einen Spieler, der 8,5 Jahre gute Arbeit geleistet hat, ein halbes Jahr vor Vertragsende gehen zu lassen, ist angemessen. Zumal mit Jonas Omlin ein erfahrener Austausch-Schweizer gefunden wurde. Bisher stand Omlin bei Abstiegskandidat Montpellier in der Ligue 1 im Tor und bekam dort ab und an den Kasten voll. Da das in den letzten Jahren auch bei der Borussia Usus geworden ist, braucht er sich nicht groß umzustellen…

»Einer der besten, wenn nicht der beste Torhüter der Ligue 1«, wie Farke vollmundig verkündete, war Omlin zwar wahrscheinlich eher nicht (Donnarumma, Pau López, Schmeichel oder Straßburgs Sels sind auch nicht so schlecht…). Aber trotzdem muss man sich auf der Position keine Sorgen machen.

Ansonsten ist an der Transferfront nix passiert. Borussia ist als »stolzer Traditionsverein ohne Geldgeber« derzeit in Sachen Transfers kaum handlungsfähig und muss, wie bei Sommer, darauf warten, dass andere einen Spieler kaufen wollen. So ist das halt…

Und was kann man erwarten?

Auch wenn es sich so anfühlt: Die Hinrunde der Bundesliga ist noch nicht beendet. Nach 15 Spielen steht Borussia auf Rang 8 mit 22 Punkten aus 6 Siegen, 4 Remis und 5 Niederlagen, was immerhin eine Steigerung von 5 Tabellenplätzen und 4 Punkten um Vergleich zur Vorsaison unter Adi Hütter ist.

Die »Wechselhaftigkeit« blieb aber erhalten. Wie in der Vorsaison gab es Spiele mit unerklärlich schlechten Leistungen (1:5 in Bremen, 1:3 gegen Frankfurt, 1:2 in Bochum) und das erneute frühe Aus im DFB-Pokal gegen einen Zweitligisten. Was sich aber mit sehr guten Spielen (3:0 gegen RB Leipzig, 5:2 gegen Kölle oder 4:2 gegen BVB) abwechselte. »Wenig Konstanz« ist auch 22/23 die »Gladbacher Konstanz«.

Der Unterschied zur Vorsaison ist die bessere Stimmung. Das »Anti-Alles« der Hütter-Ära wurde durch eine kultische Verehrung von »Don Rollo« und Pressekonferenz-Prediger Daniel Farke abgelöst. Dazu gibt es einen religiösen Glauben an das lauf- und tempoarme ballbesitzlastige Spielsystem. Nach herrschendem Glauben stand Borussia immer für »Ballbesitzfußball« und das ging angeblich unter Rose und Hütter verloren. Was aber eigentlich nicht stimmt, historisch gesehen stand Borussia immer für lauernden offensiven Konterfußball mit Tempo und Flügelspiel. Also das, was man heute »Umschaltspiel« nennt.

Die WM 2022 zeigte auch, dass die Ära des Ballbesitzspiel à la »Spanien und Barça um 2010/2012 herum« vorbei ist. Gerade Spanien kombinierte sich mit einer tempoarmen Ballbesitzorgie schön aus dem Turnier heraus. Argentinien und Frankreich zeigten, wie man in der Jetztzeit erfolgreich Fußball spielt.

In der Hinrunde hatte Borussia (wie in der Vorsaison) mit seiner Spielweise regelmäßig gegen Teams mit zeitgenössisch-agressivem Attackierfußball Probleme. Man darf gespannt sein, ob und wie sich Farkes Fußball diesbezüglich weiterentwickelt…

Und was wird es nun werden, in der Tabelle am Saisonende?

Ich denke, dass sich nichts groß ändern wird. Borussia wird nicht in den Abstiegskampf abrutschen, aber auch nicht »oben angreifen«. Gute Siege und lausige Niederlagen werden sich weiter regelmäßig abwechseln. Das steckt einfach trainerunabhängig »in der Mannschaft«, die ja seit Jahren weitestgehend unverändert ist. So dass am Ende irgendwas zwischen Platz 8 und 11 herausspringen wird. Für einen europäischen Platz fehlt die Konstanz, da müssten einige der Teams aus der ersten Hälfte schon eine richtig schlechte Rückrunde spielen. So bewegen wir uns bei der Borussia weiter von »Übergangssaison« zu »Übergangssaison«, ohne dass jemand definiert, von was zu was eigentlich ein Übergang geschafft werden soll…