Scottish Premiership 2020/21 – Teil 1: Die Saisonvorschau zum Meisterschaftsstart

Spielbetrieb

Scottish Premiership 20/21

143 Tage werden in Schottland ohne Fußball um Punkte vergangen sein, wenn am Samstag dem 1. August um 15:00 Ortszeit die Saison 2020/21 der Scottish Premiership angepfiffen wird. Ein Saisonstart in schwierigen und unsicheren Corona-Zeiten!

Es ist in diesem kleinen familiären Fußballblog eine Tradition (siehe 19/20, 17/18, 16/17 und 15/16), eine kleine Saisonvorschau dazu bloggen. Macht ja sonst keiner! Wir schauen auf die Lage der Liga zum Saisonstart, wagen eine Prognose, wie die Saison 20/21 wohl enden wird, und werfen einen Blick auf alle 12 Vereine der Premiership. Denn die schottische Premiership ist mehr als nur Celtic und Rangers…

Warum eigentlich?

Bevor wir uns der kommenden Saison widmen, wollen wir zunächst eine Metafrage erörtern:

Warum eigentlich? Warum sollte man sich als deutschsprachiger Mensch aus Festland-Europa für die Scottish Premiership interessieren?

Klare Sache:

  1. Schottland ist das »Land des Fußballs!« Ein Text im Nutmeg-Magazin mit dem Titel »Why Scotland is ‘the land of football’« erläutert das näher.

  2. Schottland hat Tradition! »Tradition« ist bekanntlich das Ding im Fußball, für wahre Fans des Spiels mit dem runden Leder ist nur Altes Gutes! Da ist man in Schottland genau richtig, denn mit Ausnahme der 70er-Neugründung Livingston sind alle Klubs in der Scottish Premiership älter als 100 Jahre.

  3. Schottland hat kein Geld! Geld im Profi-Fußball finden alle doof. Zu dem Schluss kommt man zumindest, wenn man sich das verbal-antikapitalistische Rumgemeine im deutschsprachigen Fußball-Twitter so anschaut. In Schottland finden sie Geld auch doof, aber eher, weil sie es nicht haben. Jenseits von Celtic und Rangers tendieren die Saison-Etats der Klubs eher in Richtung der deutschen Zweiten-, Dritten- oder Regionalliga. Dazu erwirtschaftete die schottische Liga in der Vergangenheit nur mäßige TV-Gelder. Was dazu führte, dass die Liga in der Corona-Krise aus finanziellen Gründen abgebrochen werden musste. Und so mancher Klub kann sich die notwendigen Corona-Tests nur leisten, weil ein großzügiger Millionär aus Edinburgh der SPFL über 3 Mio. Pfund geschenkt hat. Eine Profi-Liga ohne das große Geld! Wie authentisch!

  4. Schottland ist entspannt! Man stelle sich vor, ein Spieler eines Bundesliga-Klubs geht abends einen (oder einen mehr…) trinken und danach müssen ihn Rettungskräfte aus einem Fluss ziehen. Oder man sieht den Kapitän des Meisters betrunken in der Stadt Kebap essen, nachdem er vom Personal einer Lap-Dance-Bar dazu aufgefordert wurde, um wieder nüchtern zu werden. Hierzulande wäre das ein Riesenskandal in allen Medien. In Schottland lacht man kurz drüber und am nächsten Tag stehen die Akteure wieder auf dem Trainingsplatz. Denn wer eine »night out« haben kann, kann auch trainieren…

  5. Schottland ist urtümlich! Viele Matches der Premiership sind wie die Landschaften der Highlands: Karg, steinig und entfalten ihre innere Schönheit erst beim genaueren Hinschauen. Auf den Rasenflächen zwischen Kilmarnock und Dingwall ist kein Platz für Tiki-Taka und Schönspielerei. Hier wird Fußball mit hoher Intensität gearbeitet und man weiß eine schöne Grätsche noch ehrlich zu würdigen, statt gleich nach Karte und VAR zu schreien. Was uns zum letzten und besten Punkt bringt…

  6. Schottland hat keinen VAR! VAR, Torlinientechnik und sonstiger Schnick-Schnack sind (s.o., Punkt 3) für Schottland viel zu teuer. In so manchem altehrwürdigen Ground hätte die dafür reingebaute Technik einen höheren Wert als die sonstigen Anlagen. In Schottland sind Schiedsrichterfehler noch Schiedsrichterfehler. Und davon gibt es viele, denn das Niveau der Refs ist schlecht. Aber niemand wird vom VAR an seinen wertvollen Emotionen gehindert, weil ein Zentimeter-Abseits in endlosen Untersuchungen im VAR-Keller nachgewiesen werden soll. Wenn das keine Wohltat ist in diesen Zeiten!

Na, Appetit auf die schottische Premiership bekommen? Natürlich! Das ist gut, denn im Folgenden wollen wir ein wenig ausbreiten, was uns die Saison 20/21 bringen wird…

Die Scottish Premiership 2020/21

Die erste schottische Liga besteht aus 12 Teams und wird auch 20/21 in einem etwas obskuren Modus aus 33 Spieltagen und einer danach folgenden Teilung der Liga in eine Meister- und eine Abstiegsrunde mit weiteren fünf Matches ausgespielt. Im Zuge des coronabedingten vorzeitigen Saisonabbruch der Saison 19/20 wurden verschiedene Modelle zur Erweiterung und Neustrukturierung der Ligen diskutiert. Nicht zuletzt, um den höchst ungerechten und unfairen Abstieg von Hearts und Partick Thistle per Quotientenregel zu vermeiden. Aber nicht einmal die fast überall sonst praktizierte einfache Lösung der temporären Erweiterung der Liga um einen Klub fand eine Mehrheit in der SPFL. Man ist sich halt stets selbst der Nächste im schottischen Fußball…

Sportlich sind die Vorzeichen dieselben wie immer seit der Liquidierung der alten Rangers im Jahre 2012. Wie in jeder Saison seitdem kann man guten Gewissens die Einschätzung aus der Vorschau 2017/18 recyclen:

»Nur in der deutschen Bundesliga ist die Frage nach dem kommenden Meister ähnlich leicht zu beantworten wie in Schottland. Natürlich wird der neue Meister auch der alte Meister sein…«

Celtic wurde 19/20 per Quotientenregel »am grünen Tisch« zum neunten Mal hintereinander Meister und schickt sich an, in der kommenden Saison mit »Ten in a Row« erstmals 10 Meisterschaften nacheinander zu schaffen. Auch wenn es gegenüber 10 anderen Teams natürlich hochgradig ungerecht ist: Die Frage »Schafft Celtic die ›Ten in a Row‹ oder können die New Rangers das verhindern?« hängt als alles überragendes »Generalthema« über dieser Saison.

Nachdem Celtic im Jahre 1998 den Versuch der alten Rangers, zehnmal hintereinander Meister zu werden, in buchstäblich letzter Minute verhinderte, ist der ganze Verein heiß darauf, diese Rekordmarke zu setzen. Und Fans und Akteure der wiedergeborenen Rangers würden ihre Haustiere und Kinder in einem düsteren keltischen Ritual auf einem einsamen Berggipgel in den Highlands opfern, um genau das zu verhindern.

Die zwölf Vereine

Es geht also endlich wieder los in der Premiership. Die Corona-Bedingungen, wg. der man die Saison 19/20 abgebrochen hatte, sind natürlich noch stets vorhanden. Zuschauer wird es vorerst keine geben, von der schottischen »First Minister« (vergleichbar mit einer Ministerpräsidentin eines deutschen Bundeslandes) Nicola Sturgeon gab es lediglich eine vage Hoffnung auf Zuschauer ab Mitte September.

Immerhin tritt ab der nun beginnenden Saison 20/21 der neue Fernsehrechte-Deal mit Sky Sports in Kraft, der der schottischen Liga die Rekordeinnahme von ca. 160 Mio. Pfund in 5 Spielzeiten bringt. Klingt für deutsche Ohren nicht nach »viel TV-Geld«, ist aber eine deutliche Steigerung von den bisherigen 17,5 Mio. Pfund pro Saison auf etwa 26 Mio. Dieser Deal war wohl auch einer der Gründe für das hastige Beenden der Saison 19/20, den neuen TV-Vertrag wollte man auf keinen Fall durch einen späteren Saisonbeginn gefährden…

Nun heißt es also »neue Saison, neues Glück«. Und wie jedes Jahr prognostizieren wir mit der geballten Ladung »ballreiter-Schottland-Fußball-Checkertum« den Endstand der kommenden Saison. Die Tabelle zeigt die prognostizierte Platzierung der zwölf Klubs der Premiership 2020/21, dahinter steht zur Info der Endstand der letzten Corona-Saison 19/20:

Prognose Team Pos. 19/20
1. Celtic 1.
2. The New Rangers 2.
3. Aberdeen 4.
4. Motherwell 3.
5. Hibernian 7.
6. Kilmarnock 8.
7. Livingston FC 5.
8. St. Johnstone 6.
9. FC St. Mirren 9.
10. Hamilton Accies 11.
11. Dundee United Aufsteiger
12. Ross County 10.

Der kleinen Karte daneben kann man die Lage der Vereine in Schottland entnehmen. Die meisten Vereine ballen sich im bevölkerungsreichsten Teil des Landes, den »Central Belt« zwischen Edinburgh im Osten und Glasgow im Westen. Ausreißer nach Norden sind die »Schafscherer-Metropole« Aberdeen und die Highlander von Ross County aus Dingwall am nördlichen Ende des Loch Ness. Mit dem Aufstieg von Dundee United kehrt auch die traditionsreiche Fußball-Region rund um den Firth of Tay in die erste Liga zurück.

[Karte: Positionskarte von Schottland, Vereinigtes Königreich, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 von Nordnordwest (Variante von Wikipedia) unter Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported Licence, thanks!]

Damit dieser Artikel nicht endlos lang und damit ein heißer Kandidat für tl;dr wird, schauen wir uns die 12 Klubs diesmal in mehreren Teilen an. Hier folgt zunächst eine kleine Übersicht, die 12 Vereine werden in drei weiteren Artikeln in den kommenden Tagen nach und nach ein wenig vorgestellt. Das wird erst einmal zurückgestellt, da die Meisterschaft nach einigen bemerkenswert unprofessionellen Zwischenfällen demnächst wieder abgebrochen werden könnte. Da die SPFL in Sachen Spielbetrieb von der Gnade der unter innenpolitischen Druck stehenden First Minister Nicola Sturgeon abhängig ist, könnte Sturgeon die Verfehlungen einiger Profis nutzen, um sich erneut mit harter Hand gegen den Fußball als »Corona-Nanny« innenpolitisch zu profilieren. Was nach dem zweifelhaften Saisonabbruch eine weitere Farce wäre, die der sportlichen Reputation der Scottish Premiership nicht gerade zuträglich wäre…

Der Meisterschaftskampf – »Ten in a row«

Es ist die Frage, ob es überhaupt einen Meisterschaftskampf geben wird. Zu souverän marschierte Celtic in den letzten Jahren durch die Liga und sammelte neun Titel hintereinander ein. Das gelang Celtic früher schon einmal, in den Jahren 1966-74 unter dem legendären Trainer Jock Stein. In den Jahren 1989 bis 1997 gelang dieses Kunststück auch den Rangers, am 10. Titel in Reihe scheiterten sie aber am letzten Spieltag. Die 2012 nach der Auflösung des alten Rangers FC wiedergeborenen Rangers haben sich in den letzten Jahren zwar als zweite Kraft in Schottland etabliert und konnten in den letzten beiden Spielzeiten zumindest zeitweise mit Celtic mithalten, am Ende lag Celtic aber stets deutlich vorne. Und so wird es wohl auch dieses Mal werden…

Der Kampf um die Top Sechs

Der Rest der Liga kann sich das Geschehen an der Tabellenspitze nur aus respektabler Entfernung anschauen. Die besten Teams der »anderen Zehn« spielen um einen der verbliebenen vier Plätze in der »Top 6« und die Qualifikation für Europa. Die CL-Quali bleibt Meister und Vize-Meister vorbehalten, immerhin gibt es auf Rang 3 und 4 zwei Plätze für den neu geschaffenen »dritten Europapokal« Europa Conference League zu ergattern.

Favorit auf Rang 3 ist, wie immer in den letzten Jahren, der Aberdeen FC. Zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs 19/20 hatte sich allerdings der FC Motherwell den dritten Rang gesichert, der unter Trainer Stephen Robinson eine starke Saison spielte. Weitere Aspiranten für die Plätze in der oberen Hälfte (s.o Modus, nach 33 Spieltagen wird die Liga in zwei Hälften geteilt, da möchte man oben dabei sein), sind Hibernian aus der Hauptstadt Edinburgh, der Kilmarnock FC, das Überraschungsteam 19/20 Livingston FC und der FC St. Johnstone.

Der Abstiegskampf

Wenn es darum geht, den Absteiger aus der Premiership zu tippen, sind die Hamilton Academicals immer der Top-Favorit auf den unbeliebtesten aller Tabellenplätze. Aber seit ihrem Aufstieg 2015 haben sie es jedes Mal geschafft, drin zu bleiben. Das streben die unabsteigbaren »Accies« aus dem alten Kohlerevier Lanarkshire auch diesmal an.

Dazu wollen sie einen oder zwei (der Vorletzte muss ein Relegations-Playoff um den Klassenerhalt gegen einen Zweitligisten spielen) aus der Reihe der Mitaspiranten St. Mirren, Ross County oder Aufsteiger Dundee United hinter sich lassen…

Schottische Liga auf dem Bildschirm

Nun sind wir also scharf auf die Spiele, bring on the fitbaw! Dummerweise gibt es »Stand heute« keine Übertragungen in Deutschland. DAZN hatte die Übertragungsrechte eigentlich für mehrere Jahre erworben und brachte in der letzten Saison regelmäßig Live-Spiele aus Schottland (leider immer nur Celtic oder Rangers). Im Vorfeld des Saisonstarts überraschte DAZN aber auf Twitter mit der Aussage, dass keine Übertragungen von Spielen aus Schottland geplant seien. Yer da sells the Avon, DAZN!

Auch bei Sportdigital gibt es in Sachen Premiership nichts zu entdecken, und Laola1 ist leider nur noch eine Web-Ruine, auf der nicht einmal mehr die Pferderennen aus Indien laufen. Es sieht also schlecht aus…

Kurze Zusammenfassungen aller Spiele, wenn auch meistens nur aus den Toren bestehend, findet man im offiziellen Youtube-Channel der SPFL. Die beste Möglichkeit, auf der Höhe des Geschehens zu bleiben, ist aber die »schottische Sportschau« Sportscene in der BBC. Diese ist zwar prinzipiell im BBC iPlayer anzuschauen, dummerweise wird der aber geogeblockt. Man benötigt also ein VPN oder einen Proxy mit einem Ausgang in Britannien…

Daneben unterhalten die großen Vereine noch eigene Streaming-Plattformen. Celtic tut sich da mit seinem Celtic TV hervor, hat allerdings (wie alle Vereine mit ähnlichen Angeboten) auch »gesalzene« Preise…

Los geht's!

Eröffnet wird die Saison am Samstagmittag mit dem Knaller Aberdeen vs Rangers, so wie es aussieht aber leider ohne Übertragung in Deutschland. Vielleicht solltet Ihr alle mal DAZN auf Twitter ein wenig nerven…

Meister Celtic zelebriert seinen »Flag Day« (vor dem ersten Spiel wird traditionell feierlich die Meisterflagge gehisst) als Geisterspiel am Sonntag um 17:30, wenn die Hamilton Accies zu Gast sind.

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