Überraschung im Nordbaden-Duell: SV Sandhausen vs KSC 0:2 – 23.2.2020

Stadion

SV Sandhausen vs KSC 0:2

Mit dem Match SV Sandhausen gegen den KSC stand das Duell der beiden nordbadischen Vereine in der 2. Bundesliga auf dem Programm. Als Beobachter des badischen Fußballs musste man da natürlich dabei sein. Es konnte ja niemand vorher ahnen, wie einseitig dieses Match werden würde. Denn nach 22 Minuten führte der KSC überraschend 2:0 beim nördlichen Nachbarn und verwaltete diese Führung gegen einen äußerst schwachen SVS locker über die Zeit…

Das Nordbaden-Derby der Formschwachen

Ob ein Fußballspiel zweier räumlich benachbarter Vereine ein »Derby« ist, ist bekanntlich das Thema zahlreicher Exegesen von Fankultur- und Traditionsverein-Kurvenideologen. Fakt ist: Wir haben es mit dem Duell der beiden (einzigen) Vertreter des Badischen Fußballverbandes in der 2. Bundesliga zu tun, die eine Distanz von 38,717 km »Luftlinie« trennt.

Die Gesamtbilanz der Begegnung zeigt neben den nackten Zahlen schön, wie sich die Machtverhältnisse im nordbadischen Fußball geändert haben. Als im August 1993 der SV Sandhausen im DFB-Pokal erstmals auf den KSC traf und 1:4 verlor, spielte ein Oberligist gegen den Bundesligisten KSC in seiner »Valencia-Saison«.

Bis zum nächsten Duell dauerte es 20 Jahre, 2013 trafen beide Teams erstmals auf Augenhöhe in der 2. Liga aufeinander. Der SVS sollte fortan ein etablierter Zweitligist sein, der traditionsreiche KSC hingegen ein Fahrstuhlteam zwischen zweiter und dritter Liga.

In den bisherigen vier Sandhäuser Heimspielen der Neuzeit hatte der KSC noch nie in Sandhausen gewonnen, zwei Siege für den SVS und zwei Remis stehen in der Statistik. Seit April 2015 holte der KSC aber keine Punkte mehr am Hardtwald. Dem 1:3 in der Spielzeit 15/16 folgte ein 0:4 in der letzten Abstiegssaison 16/17…

Das Hinspiel endete mit einem überaus glücklichen Karlsruher 1:0-Sieg. Was niemand wusste: Es sollte in den folgenden 16 Spieltagen nur noch ein weiterer Sieg für den KSC dazu kommen, was den Absturz in den Tabellenkeller und den obligatorischen Trainerwechsel (Bye Bye »SchwartziBall«!) mit sich brachte. Nachfolger von Aufstiegstrainer Alois Schwartz wurde (vorerst) sein Co-Trainer Christian Eichner…

Aber auch in Sandhausen ist nicht alles eitel Sonnenschein. In den letzten drei Spielen vor dem KSC-Match hatte es drei Niederlagen bei 0:4 Toren gegeben. Nach dem 0:1 in Darmstadt letzte Woche äußerte Trainer Uwe Koschinat seine Unzufriedenheit mit seiner Offensivabteilung und kündigte an, »die Verantwortung des Toreschießens verstärkt auf mehrere Schultern zu verteilen«. Noch lebt der SVS tabellarisch von seiner guten Hinrunde. Um nicht in die gefährlich Zone zu rutschen, sollte aber langsam mal wieder ein Sieg her…

SV Sandhausen vs KSC 0:2

8.469 Zusehende fanden sich zum badischen Duell im Hardtwaldstadion ein, das waren in der Vergangenheit auch mal deutlich mehr. Der Andrang aus Karlsruhe hielt sich in Grenzen (ca. 2.100 sollen es gewesen sein, voll war nur der Gäste-Stehblock), was an den Vorstellungen des Teams in den letzten Monaten liegen dürfte. Immerhin: An einem Wochenende, an dem Grenzüberschreitungen der so genannten »organisierten Fanszenen« die Schlagzeilen bestimmten, lief in Sandhausen trotz »Derby« oder »Nachbarschaftsduell« alles ruhig ab und alle Beteiligten konzentrierten sich auf das Geschehen auf dem Rasen…

SVS-Trainer Uwe Koschinat hatte sein Team nach dem enttäuschenden 0:1 in Darmstadt gleich auf sechs Positionen umgestellt. Beim KSC fiel das Startelfdebüt von Winter-Neuzugang Änis Ben-Hatira ins Auge. Außerdem sprengte Eichner das unter Trainer Schwartz in Stein gemeißelte Stammabwehr-Duo und verbannte Kapitän David Pisot auf die Bank. Für ihn spielte Christoph Kobald neben dem Ex-Sandhäuser Daniel Gordon.

Nach dem Anpfiff des Stuttgarter (und damit beim badischen Duell unter Generalverdacht stehenden) Schiri Martin Petersen rieben sich die Zusehenden verwundert die Augen. Denn es spielte nur ein Team: Der KSC. Das Kellerkind aus Karlsruhe schnürte den SVS in der eigenen Hälfte ein. Wenn der SVS den Ball hatte, war er umgehend wieder weg. Eine ganz schwache Vorstellung, das erste Tor war nur eine Frage der Zeit. Und die war nach 12 Minuten gekommen: Der in der ersten Hälfte groß aufspielende Ben-Hatira war auf dem rechten Flügel nach vorne gelaufen und flankte (von SVS-Verteidigern unbehelligt…) in den Strafraum, wo der andere Winter-Neuzugang Jerôme Gondorf frei stand und per Kopf vollendete…

Zehn Minute später sorgte Ben-Hatira höchstpersönlich für den Endstand, als er die Weltraumplastikkugel aus halblinker Strafraumposition souverän ins lange Eck schob – 0:2 in der 22. Minute.

Danach zog sich der KSC zurück und der SVS kam etwas besser ins Spiel. Richtig gute Torchancen der Sandhäuser blieben aber Mangelware. Zu durchsichtig und zu langatmig waren die Angriffsbemühungen der Schwarz-Weißen, um die schlechteste Abwehr der Zweiten Liga(!) in Verlegenheit zu bringen. Die einen brauchten nichts mehr machen, die anderen konnten nicht – eine zähe Angelegenheit…

Was den Karlsruhern egal war. Sie feierten den ersten Sieg seit dem 29.11.19 (damals ein 4:1 gegen Regensburg). Und zerrten damit den SVS in den Abstiegskampf hinunter. Denn nach vier Niederlagen ohne eigenes Tor stehen die Sandhäuser zwar noch stets im Tabellenmittelfeld, der Vorsprung auf den 16. (der KSC) beträgt aber nur noch 3 Punkte…

Geschäftsführer Volker Piegsa meinte deshalb nach dem Spiel: »Es fehlt derzeit der Biss, die Mannschaft ist nicht wach, es muss an der Einstellung gearbeitet werden. (…) Wenn jetzt nicht auch die Letzten hier aufwachen, wird es für uns noch mal ganz ungemütlich.«

Fazit: Überraschende erste 20 Minuten gab es zu sehen, in denen der KSC mit einer lange nicht mehr gesehenen Offensiv-Performance alles klar machte. Und danach die große Langeweile, denn der heimische SVS war 70 Minuten lang nicht in der Lage, den erstaunlich souverän verteidigenden KSC in Verlegenheit zu bringen…

 

(Bewertung: Grauenvoll | Schlecht | Geht so | Gut | Exzellent)

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