»Dieser scheiß Videobeweis«: SV Sandhausen vs FC Erzgebirge Aue 2:2 – 5.10.2019

Stadion

SV Sandhausen vs FC Erzgebirge Aue 2:2

Der 9. Spieltag der Zweiten Bundesliga brachte wieder einmal das Duell der beiden kleinsten Städte im deutschen Profifußball. Das sind erfahrungsgemäß immer gute Spiele, also nichts wie rein in die S-Bahn und raus ins Hardtwaldstadion! Die Profikicker aus Sandhausen (knapp 15.000 Einwohner) und Aue (knapp 16.200) lieferten sich einen unterhaltsamen Schlagabtausch und trennten sich am Ende 2:2…

SV Sandhausen vs FC Erzgebirge Aue 2:2

Seit der Niederlage des SVS beim KSC läuft es bei Sandhausen nicht mehr rund. Einem Remis im Heimspiel gegen Bochum folgte eine Niederlage bei St. Pauli, und die so gut in die Saison gestarteten Sandhäuser rutschten ins Tabellenmittelfeld ab. Nach drei sieglosen Spielen war es mal wieder Zeit für einen Dreier…

Gegner »Wismut« Aue hatte naturgemäß etwas dagegen. Die Erzgebirgler stehen trotz eines etwas rätselhaften Trainerwechsels auf Rang 4 der Tabelle und haben diese Saison erst zweimal verloren, was einige Fans schon vom Aufstieg träumen lässt. Trainer Dirk Schuster drückte aber auf die Euphoriebremse und sagte: »Wir müssen tagtäglich harte, akribische Arbeit abliefern, damit wir weiterhin punkten.«

Bei mildem Herbstwetter wollten 5.042 Zusehende das Duell der beiden kleinsten Profifußball-Städte sehen. Das Spiel stand unter dem Motto »WIR! FÜR VIELFALT.«, weshalb alles mit Regenbogenfahnen dekoriert war.

Wie das Fußballstammtischwissen weiß, tut ein frühes Tor jedem Spiel gut. Und genau so kam es. Nach fünf Minuten gab es eine Ecke für Aue, die Sandhausens Verteidiger Aleksandr Zhirov unfreiwillig ins eigene Tor bugsierte. Unglücklicher konnte der SVS kaum ins Spiel starten…

Uwe Koschinats kickendes Personal nahm das aber als Startsignal für eine veritable Aufholjagd. Fortan kannte das Spiel nur eine Richtung, und zwar Richtung Auer Tor.

Die Belohnung folgte schnell: In der 16. Minute verarbeitet der SVS eine Ecke zum Ausgleich. Behrens hatte den Eckball verlängert, und Aziz Bouhaddouz vollstreckte gekonnt zum Ausgleich. Sein zweiter Treffer im vierten Einsatz nach der Rückkehr nach Sandhausen…

Und zehn Minuten später war das Spiel gedreht: Der emsige Leart Paqarada schlug eine Flanke vor das Tor, die Kevin Behrens per Kopf ins Tor beförderte. Sandhausen hatte nicht genug und wollte mehr Tore, Strafraumszene reihte sich an Strafraumszene. Aue hatte aber das nötige Glück und mit dem bewährten Martin Männel, dem »Buffon des Erzgebirges«, einen gut aufgelegten Torhüter zwischen den Pfosten. Seine größte Tat war eine einhändige Rettung kurz vor der Pause gegen einen Schuss von Bouhaddouz.

Die zweite Halbzeit war dann zunächst etwas zerfahren und vom zähen Kampf auf dem Rasen geprägt. Mit der Zeit erlahmte der Sandhäuser Offensivdrang ein wenig und die Spieler aus dem Erzgebirge tauchten wieder öfter vor dem SVS-Tor auf.

Für den Ausgleich benötigte Aue aber die Segnungen der Fußballmoderne in Form des VAR. In der 76. Minute stand Sandhausens Linsmeyer bei einem Zweikampf mit Aues Zulechner hinter diesem und spielte, als er diesen mit dem Arm ein wenig einbremsen wollte, das Spielgerät unabsichtlich mit der Hand. Schiri Günsch entschied zunächst auf Offensiv-Handspiel, da er anscheinend nicht wusste, wem der Arm gehörte. Nach VAR und höchstpersönlicher Betrachtung der Bilder aus dem Kölner Keller entschied er aber auf Elfmeter für Aue, den Testroet souverän verwandelte. Eigentlich kann das Handspiel keine Absicht gewesen sein, da Linsmeyer wie gesagt hinter dem Gegner stand und gar nicht sehen konnte, wo der Ball hinkommen würde. Was eigentlich die Voraussetzung einer strafbaren »Absicht« wäre. Aber was heutzutage Handspiel ist, weiß nicht einmal mehr der Fußballgott, sondern nur noch der Videobetrachter im Keller zu Köln…

Kapitän Diekmeier war nach dem Spiel wenig begeistert und übte sich nicht in Diplomatie: »Klare Verarschung, dieser scheiß Videobeweis, das geht mir so auf die Eier…«

In den verbleibenden 15 Minuten nahm die Partie noch einmal Fahrt auf, da der SVS den Dreier wollte. Ein Tor wollte aber nicht mehr fallen. Damit blieb der SVS nach einer sehr guten Vorstellung ohne die verdiente Belohnung in Form von drei Punkten, die Gäste freuten sich über den nach dem Spielverlauf etwas glücklichen Punktgewinn und bleiben in der Tabelle vorne dabei…

Fazit: Die erste Halbzeit war ein Knaller, hin und her und Torszenen in Hülle und Fülle. Die zweite Halbzeit ließ dann ein wenig nach, trotzdem ein bis zum Schlusspfiff spannendes und aufregendes Zweitligaspiel…

 

(Bewertung: Grauenvoll | Schlecht | Geht so | Gut | Exzellent)

Impressionen

Flutlicht im Herbst…

5.042 Zusehende im herbstlichen Hardtwaldstadion…

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