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Groundhopper-Stelldichein: Rheydter SV vs SC Victoria Mennrath 1:5 – 2.6.2019

Rheydter SV vs SC Victoria Mennrath 1:5

Das altehrwürdige Stadion des Rheydter SV wird demnächst umgebaut. Grund genug, sich den fast 100 Jahre alten Ground einmal anzuschauen, wenn man in der Nähe ist. Am letzten Spieltag der Bezirksliga-Saison traf dort der RSV zum »Mönchengladbach-Derby« auf den SC Victoria Mennrath und verlor gegen den Aufstiegsaspiranten deutlich mit 1:5…

Rheydter Spielverein – der »Spö«

Sport im »Spö« macht Spaß! Wenn man an »Fußball und Mönchengladbach« denkt, fällt einem natürlich sofort der ruhmreiche Bundesligist Borussia ein. Lange Zeit hatte die Borussia im 1905 gegründeten »Rheydter Spielverein, Verein zur Pflege körperlicher Übungen« aber einen lokalen Konkurrenten auf Augenhöhe. Bereits in der Saison 1905/06 trafen die beiden führenden Vereine der damals noch selbstständigen Nachbarstädte M.Gladbach und Rheydt zum ersten Mal aufeinander. Das taten sie bis in die 50er-Jahre hinein, als beide Klubs regelmäßig in der damals höchsten Spielklasse, der Oberliga West, gegeneinander spielten. Dem »Spö« (wie der RSV aus unbekannten Gründen genannt wird) gelang aber nie ein Pflichtspielsieg gegen den großen Nachbarn. Von 1952 bis 1954 wurde der RSV übrigens von Hennes Weisweiler trainiert (1953 stieg der RSV mit ihm wieder in die erstklassige Oberliga auf), der später als Trainer der »Fohlenelf« legendär werden sollte…

1954 stieg der »Spö« aus der Oberliga ab und sollte fortan nie wieder erstklassig spielen. Wie so viele Klubs aus den legendären Zeiten der Oberliga West trieb sich der RSV noch ein paar Jahrzehnte in den höheren Amateurklassen herum, stieg aber 1975 erstmals in die damals viertklassige Landesliga ab…

Es sollte aber noch viel schlimmer kommen. Nachdem Ende der 80er die Rückkehr in die drittklassige Oberliga Nordrhein gelungen war, stabilisierte sich der »Spö« in dieser. Im Juli 2000 starb Vereins-Gönner Kurt Kahle, Inhaber einer Handelsschule in Rheydt, beim Absturz der Concorde in Paris. Was zum Tiefpunkt der Vereinsgeschichte führte, denn im Jahre 2002 musste der Rheydter SV Insolvenz beantragen und stieg nach 16 Jahren wieder aus der Oberliga ab.

Nicht zuletzt durch unglückliche Entscheidungen der amtierenden Vereinsspitzen (siehe dazu auch den Beitrag des »Halbangst«Blogs vom September 2014) folgte ein Absturz bis hinunter in die A-Klasse. Dort wurde der ehemalige Borussia-Spieler René Schnitzler Spielertrainer. Ihm gelang, gemeinsam mit seinem Co-Trainer Lawrence Aidoo (auch ein ehemaliger Borussia-Profi), 2017 die Rückkehr in die achtklassige Bezirksliga (entspricht der Kreisliga in Baden).

Groundhopper-Hotspot: Das RSV-Stadion an der Jahnstraße

Der »Spö« ist wohl der Achtligist mit dem üppigsten Stadion. Seit 1922 spielen die Rheydter im »RSV-Stadion an der Jahnstraße«, kurz »Jahnstadion« genannt. Dort sollten einmal bis zu 40.000 Zuschauer Platz finden. Heute wäre in dem altehrwürdigen Stadion, das mit seinen das ganze Spielfeld umfassenden üppigen Stehplatztribünen ein wenig an den alten Bökelberg erinnert, noch Platz für 15- bis 20.000 Zusehende. Die kamen auch noch Ende der 80er und in den 90ern zu Spielen in der Oberliga. Heutzutage, in der Bezirksliga, spielt der RSV aber nur noch vor ca. 100 bis 300 Zusehenden…

Im März 1978 fand im Jahnstadion sogar mal ein Bundesligaspiel statt. Da der Bökelberg umgebaut wurde, spielte Borussia gegen Fortuna Düsseldorf vor 27.000 Zusehenden an der Jahnstraße.

Keine »Groundhopper-Eintrittskarte«! Wenn man sich die Bilder anschaut sieht man, dass das fast 100 Jahre alte Stadion eine Renovierung vertragen könnte. Die Stehplatztribünen sind mit Gras zugewuchert. Disteln und andere Pflanzen bewachsen die Ecken des Stadions und geben dem Ground, zusammen mit den rostroten Flutlichtmasten, einen reizvollen leicht heruntergekommenen Charme aus der angeblich »guten alten Fußballzeit«. Da verwundert es nicht, dass das Stadion ein Traum aller Groundhopper ist. Die Renovierung soll tatsächlich demnächst kommen, das Guru-Magazin hat die Details. Die Stehplatzränge sollen zurückgebaut und begrünt und die Gegengerade durch ein neues modernes Funktionsgebäude ersetzt werden. Das ergibt bei einem Bezirksligisten durchaus Sinn, zumal nebenan mit dem Grenzlandstadion ein Regionalligataugliches Stadion mit 10.000 Plätzen steht. Immerhin bleibt die alte Sitzplatztribüne erhalten. Aber es ist natürlich schade um diesen schönen alten Ground…

Wg. des dräuenden Umbaus macht sich unter Groundhoppern, die das Jahnstadion noch einmal im Originalzustand sehen wollen, »Torschlusspanik« breit. Dem Rheydter SV ist das natürlich nicht entgangen und spricht deshalb Groundhopper auf der eigenen Website und in Social Media an. Es wurden sogar spezielle Eintrittskarten für Groundhopper gedruckt (wir haben natürlich eine »normale« genommen…) und der Stadionsprecher begrüßte die zahlreichen Hopper beim Spiel. Unter den ca. 300 Zusehenden liefen ziemlich viele mit Kameras herum. Das gibt es auch nicht alle Tage!

SC Victoria Mennrath

Zumindest für die einfallenden Hopper-Horden erschien der Ground als der Star des Nachmittags. Der Gegner vom SC Victoria Mennrath hatte aber andere Vorstellungen. Für den Klub aus der Honschaft Mennrath, ein Teil des Mönchengladbacher Stadtteils Rheindahlen-Land, ging es um den Aufstieg in die Landesliga. Der 1921 gegründete Verein war im 21. Jahrhundert eine Fahrstuhlmannschaft zwischen A- und B-Klasse, seit 2017 geht es aber nur noch bergauf. Die erste Saison als Aufsteiger in die Bezirksliga beendete man auf Rang 3, in der aktuellen Saison geht es um den Aufstieg in die Landesliga. Und die Mennrather reisten mit breiter Brust an, denn sie waren seit 12 Spielen unbesiegt!

Rheydter SV vs SC Victoria Mennrath 1:5

Bei 34 Grad Temperatur auf dem Rasen und intensivem Sonnenschein fanden sich ca. 300 Zusehende auf dem alten Ground ein, darunter diverse Groundhopper und eine ebenso sangeskräftige wie siegessichere Fan-Abordnung aus Mennrath. Nach einer Gedenkminute für den verstorbenen RSV-Rekordtorjäger Hennes Weber (er erzielte mehr als 500 Tore für den »Spö«) konnte es losgehen…

Mennrath musste gewinnen, um in Sachen Aufstiegs- bzw. Relegationsplatz sicher zu gehen. Für den RSV ging es um nichts mehr. Dem Spiel sah man diese Konstellation in der ersten Halbzeit aber nicht an. Es plätscherte ein wenig in der Sonne vor sich hin, der heimische »Spö« war feldüberlegen aus und hätte eine Ballbesitzstatistik, sofern es in der Bezirksliga eine geben würde, sicherlich gewonnen. Die Gäste ließen sie aber eher mit voller Absicht im Mittelfeld in der Sonne rumspielen und riegelten den eigenen Strafraum ab.

Die Offensivbemühungen des RSV sahen so aus:

Und das Glück war den Gästen auch hold. Mit ihrer ersten richtigen Offensivaktion verursachten sie in der 33. Minute ein großes Gewühle im Rheydter Strafraum, in dem Evgenij Pogorelov den Durchblick behielt und zum 0:1 vollstreckte. Und kurz vor der Pause traf Rheydts Lamin Fuchs nach einem Eckball nur die Latte. Statt 1:1 stand es nach 45 Minuten 0:1!

Nach der Pause bemühten sich die Kicker des »Spö« um den Ausgleich, das 0:2 in der 55. Minute mit der zweiten Offensivaktion der Mennrather erledigte das Thema. Nach einer Flanke von der linken Seite kullerte der Ball auf der Torlinie herum, Pogorelov schaltete erneut am schnellsten und schob die Kugel ins Netz.

Damit war das Spiel »durch« und die mitgereisten Fans aus der anderen Ecke Mönchengladbachs wurden, auch dank diverser Kästen Bier, ein wenig forsch. »Ohne Mennrath wär‘ hier gar nix los«-Gesänge halten über den altehrwürdigen Ground. Ihre Helden auf dem Rasen kontrollierten nun (Phrasenalarm!) »Ball und Gegner« und ließen nichts mehr anbrennen, zumal der auf Rang 3 liegende tabellarische Konkurrent VfL Repelen beim DJK Dilkrath im Parallelspiel auf einen hohen Auswärtssieg hinarbeitete. Die Tore zum 0:3, 0:4 und 0:5 fielen durch David Schatschneider, Paul Szymanski und Mennraths Toptorjäger Oliver Krüppel innerhalb von 11 Minuten.

Dem »Spö« gelang nur noch der Ehrentreffer zum 1:5-Endstand durch Ferdi Berberoglu in der 90. Minute. Dieser wurde dadurch, gemeinsam mit Dominik Klouth von Teutonia Kleinenbroich, Torschützenkönig der Bezirksliga Gruppe 3!

Das war den Mennrathern egal, sie wurden nach Abpfiff von ihren Fans gefeiert und haben nun in den Aufstiegsspielen gegen SpVgg Steele und TSV Ronsdorf die Chance, nach zwei Jahren in der Bezirksliga in die Landesliga aufzusteigen.

Fazit: Ein am Ende etwas einseitiges Match auf einem großartigen alten Ground. Das Stadion war der Star!

 

(Bewertung: Grauenvoll | Schlecht | Geht so | Gut | Exzellent)

Impressionen

Die etwas zugewachsene Gegengerade…

Ein prächtiger Flutlichtmast…

Der obligatorische Blick von der Eckfahne…

Ein schöner alter Ground! Kein Wunder dass sich hier die Groundhopper stapeln…

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