»Zweifler siegen nicht und Sieger zweifeln nicht!«

Das zarte Pflänzchen der Hoffnung auf sportlich bessere Zeiten…

Geschafft! Im zweiten Anlauf hat der KSC mit einem souveränen 4:1-Sieg bei Preußen Münster die Rückkehr in die Zweite Liga klar gemacht! Nach zwei langen und zähen Drittliga-Spielzeiten ist Karlsruhe (zumindest im Fußball) nicht mehr drittklassig!

Der lange Weg zum Aufstieg

Am Ende gelang der Wiederaufstieg dann doch souveräner, als es über weite Phasen einer wechselhaften Saison ausgesehen hatte. Diese lässt sich in vier Phasen einteilen, zwei gute und zwei schlechte:

Phase 1: Mühsamer Auftakt und Kritik

1:3 gegen Lotte… Nach der vergeigten Relegation und einigen Abgängen von Stammspielern gab es einen für einen Aufstiegskandidaten ausgesprochen zähen Auftakt in die Saison 18/19. In den ersten sechs Spielen holte das Team von Alois Schwartz nur einen Dreier, mit dem 1:3 gegen die Sportfreunde Lotte am 6. Spieltag als Tiefpunkt. Nach sechs Spielen lag der KSC auf dem 14 Tabellenplatz

Saisonübergreifend gelang zwischen dem 31. März und dem 22. September kein einziger Heimsieg in der Liga. Dazu kam das sang- und klanglose Ausscheiden aus dem DFB-Pokal mit einer 0:6-Klatsche gegen den späteren desolaten Bundesliga-Absteiger »Tasmania« Hannover 96.

Im Umfeld kam Kritik auf, beim Spiel gegen Lotte hallten »Zeit dass Ingo geht«-Gesänge gegen Präsident Ingo Wellenreuther durch das altehrwürdige Rund des Wildparks. Auch an der Spielweise der Mannschaft wurde (zu Recht) herumgemeckert, was Alois Schwartz zu der Aussage veranlasste:

»In Karlsruhe schreien die Leute immer gleich.«

Die Wende kam mit einem 1:0-Auswärtssieg beim späteren Meister VfL Osnabrück und dem ersten Heimsieg der Saison, ein 2:0 gegen die damals noch als Aufstiegskandidat gehandelten Uerdinger an den Spieltagen 7 und 8…

Phase 2: Siegesserie zur Herbstmeisterschaft

2:0 gegen KFC Uerdingen, der Auftakt zur Siegesserie… Das war der Auftakt zu einer Serie mit 10 Siegen aus den weiteren 13 Spielen der Hinrunde. Auch von einer 2:5-Pleite gegen den SV Wehen ließen sich die Blau-Weißen nicht aus der Ruhe bringen. Schwartz‘ Männer fingen sogar an, einen für ihre Verhältnisse durchaus ansehnlichen Fußball zu spielen und erzielten in diesen 13 Spielen satte 28 Tore.

Das spektakulärste Match dieser Saisonphase war sicher das 5:0 gegen Preußen Münster. Endlich war mal wieder was los im Wildparkstadion! Das war mittlerweile eine Baustelle geworden, am 3. November gab es mit einem 2:1 gegen Würzburg das letzte Spiel im altehrwürdigen Rund zu sehen…

Am Ende der Hinrunde stand die punktgleich mit dem VfL Osnabrück errungene Herbstmeisterschaft, mit satten fünf Punkten Vorsprung auf den ersten Nicht-Aufstiegsplatz. Letztendlich hat man von der Serie zwischen dem 7. und dem 19. Spieltag mit einer Ausbeute von 31 Punkten (2,38 Pkt./Spiel) die ganze Saison »gelebt« und die Basis für den Aufstieg gelegt. Mit dem Schnitt der anderen 24 Spiele (1,7 Pkt/Spiel) hätte es wohl nicht gereicht…

Phase 3: Wechselhaft durch die Rückrunde

Der Rückrunden-Tiefpunkt: KSC vs VfR Aalen 0:3 Schon der noch kurz vor Weihnachten ausgetragene Rückrundenauftakt, ein mühsames 1:1 gegen Eintracht Braunschweig, war ein Vorgeschmack auf das, was nach der Winterpause kommen sollte. Es folgte eine Phase von 12 Spielen, in denen nur 4 Siege gelangen und lediglich 17 Punkte geholt wurden. In vielen Spielen traten die Blau-Weißen defensiv unkonzentriert und abwartend auf und kassierten regelmäßig frühe Gegentore. Der Tiefpunkt dieser Phase war das 0:3 gegen Absteiger VfR Aalen, ein Flutlichtspiel an einem Champions-League-Mittwochabend im strömenden Regen. Auch das nächste Heimspiel gegen Rostock wurde nicht gewonnen, die Blau-Weißen blieben im sechsten Rückrundenheimspiel zum vierten Mal sieglos…

Am 31. Spieltag kam es zum großen »Showdown« beim mittlerweile zum ärgsten Konkurrenten um den direkten Aufstiegsrang 2 aufgestiegenen SV Wehen (11 Punkte hatte der SVW in 12 Spielen auf den KSC aufgeholt), der mit 0:2 verloren wurde. Der Tabellenführer und spätere Meister VfL Osnabrück war zu dem Zeitpunkt mit neun Punkten Vorsprung enteilt, der SV Wehen hatte den KSC eingeholt und auf den dritten Platz verdrängt. Der direkte Aufstieg schien in ernsthafter Gefahr. Und schon wieder eine Relegation spielen wollte eigentlich niemand…

Phase 4: Schlussspurt Richtung Aufstieg

Der vorentscheidende Schritt: KSC vs SG Sonnenhof Großaspach 2:1 Die erneut dräuende Relegation animierte die Truppe angesichts der KSC-Relegations-Geschichte (die letzte erfolgreiche war die gegen Rot-Weiss Essen 1980…) wohl zu Höchstleistungen, anders ist die praktisch aus dem Nichts startende Serie von sechs ungeschlagenen Spielen mit 5 Siegen zum Aufstieg kaum zu erklären. Von einem Spiel aufs andere waren Schwartz‘ Spieler defensiv konzentriert und kassierten nur noch drei Gegentore.

Offensiv war es natürlich noch stets der »SchwartziBall«, was auf den Rasen gebracht wurde: Defensiv sicher stehen, Bälle im Mittelfeld und erobern, diesen lang nach vorne pöhlen und hoffen, dass Pourié ihn bekommt. Und wenn der das Tor gemacht hat, das Spiel bis zum Ende verwalten. Aber das funktionierte plötzlich außerordentlich gut, 15 Tore (in 6 Spielen eins mehr als in den 12 ersten Rückrundenspielen zuvor) sprechen eine deutliche Sprache. Man sah der Mannschaft an, dass sie nun unbedingt wollte, und das in jedem Spiel bis zum Schluss. Dem hatten die Gegner nichts mehr entgegenzusetzen, nach dem 2:1 gegen Großaspach am 36. Spieltag war der Aufstieg fast schon gesichert.

Der letzte Schritt wurde beim 4:1 in Münster gemacht. Die Blau-Weißen ließen den heimischen Preußen keine Chance und machten zur Freude der zahlreich mitgereisten Karlsruher Fans den Wiederaufstieg in die Zweite Bundesliga perfekt!

Der KSC ist wieder Zweitligist!

Damit fand auch der zweite Drittliga-Ausflug des ruhmreichen Karlsruher SC (der erste Ausflug in die Drittklassigkeit 2000/01 war noch in die Regionalliga…) letztendlich mit einjähriger Verspätung ein glückliches Ende. Darüber darf man erfreut sein, denn ein weiteres Jahr Dritte Liga hätte zum Zerfall der aktuellen Mannschaft und einen dritten Anlauf mit erneut reduziertem Budget geführt. Und man weiß ja, was mit abgestürzten Traditionsvereinen passiert, die zu lange in der Dritten Liga verweilen…

Nichtsdestotrotz erscheint die Feierei mit Platzsturm in Münster und »KSC-Aufstiegsfeier powered by CG Gruppe« nach dem letzten Spiel ein wenig übertrieben. Im Grunde war es nach dem selbst herbeigemanageten Abstieg und dem letztjährigen Scheitern in der Relegation auch höchste Zeit, den Betriebsunfall »Dritte Liga« zu korrigieren und ein Versacken im »Friedhof der Traditionsvereine« zu vermeiden…

Wie auch immer, am Ende triumphierte Alois Schwartz mit seinem »SchwartziBall« und nutzte seine große Stunde des Erfolgs, um bei der PK vor dem bedeutungslosen letzten Heimspiel gegen Halle ein wenig gegen alle Kritiker auszuteilen, die seiner Ansicht nach zu wenig Geduld hatten:

»Es war nicht immer einfach, logischerweise. In der heutigen Zeit der sozialen Netzwerke ist das Wort ›Geduld‹ ein ganz kleines geworden. Ich hab‘ meinen Kindern schon immer erzählt: ›Geduld ist eine Tugend, die man erlernen muss.‹ Viele haben diese Geduld nicht. Und ein Beispiel ist dann: 10 Minuten gespielt im Heimspiel, gibt einen Fehlpass, da kommt schon von der Tribüne: ›Ey Trainer, wechsel aus, wechsel aus, das geht ja gar net!‹ Ein Spiel haben wir verloren: ›Waaa, die können ja gar nix, die schaffen es eh nie!‹ Diese Unruhe und diese Nichtgeduld hat die Mannschaft aber nicht gehabt, sondern, wenn wir dementsprechend diese Probleme auch mal hatten, hat die Mannschaft wieder zurückgeschlagen…«

Und weil er einmal dabei war, schrieb er allen »ungeduldigen« Zweiflern auf den Rängen und in den sozialen Netzwerken zum Abschluss ins Poesiealbum:

»Zweifler siegen nicht und Sieger zweifeln nicht!«

Mit diesen weisen Worten des Übungsleiters schließen wir für diese Saison das Kapitel »KSC und Dritte Liga« ab und hoffen, nicht bald schon wieder ein neues öffnen zu müssen…

Da das letzte Spiel gegen Halle nur noch der Vollständigkeit halber gespielt wird, erklären wir die Spielzeit hiermit für beendet. Am 26. Juli startet die Saison 19/20 der Zweiten Bundesliga. Bis dahin haben die Verantwortlichen des KSC die Aufgabe, den ein wenig überalteten Kader, der aus vielen Spielern besteht, die in der Zweiten Liga keinen Vertrag mehr bekommen hatten, für die Anforderungen der deutlich anspruchsvolleren alten neuen Spielklasse fit zu machen…

KSC in der Dritten Liga 18/19

ksc saison-2018-2019 dritteliga

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