Ballkultur

Salford-City-Watch: Durchmarsch geschafft!

»Salford City 2 Colwyn Bay 2 25 Aug 2015-178.jpg« / James Boyes on flickr / CC BY 2.0

[Foto: »Salford City 2 Colwyn Bay 2 25 Aug 2015-178.jpg« von James Boyes, Creative Commons Attribution 2.0 Generic Licence, thanks!]

Im Sommer gab es hier einen »Longread« über den unaufhaltsamen Aufstieg des Salford City FC durch die Non-League-Pyramide zu lesen, finanziert von durch ManUniteds berühmte »Class of 92« und ihrem reichen Kumpel Peter Lim.

Und der unaufhaltsame Aufstieg geht weiter, denn der Salford City FC hat den Durchmarsch geschafft! Mit einem 3:0-Sieg über den A.F.C. Fylde im großen Aufstiegs-Play-Off-Finale in Wembley schaffte der ambitionierte Klub aus dem Großraum Manchester den Durchmarsch in die League 2 und spielt damit in der nächsten Saison erstmals im englischen »League Football«…

Rang 3 in der National League…

Im Januar hatten wir zwischendurch einen kleinen Blick auf Salford City geworfen, und die Lage zu dem Zeitpunkt zog sich so bis zum Saisonende durch. Gegen den nach Fast-Bankrott und Abstieg unter neuer Führung wiedererstarkten »Traditionsklub« Leyton Orient war kein Kraut gewachsen, die »O‘s« gewannen die fünftklassige (und höchste Liga des »Non-League-Footballs«) National League mit drei Punkten Vorsprung und kehren damit in die League 2 zurück. Leyton gehört mittlerweile einem Konsortium unter Führung des überaus solventen Engländers Nigel Travis. Wer gerne Donuts isst, war sicher schon einmal bei einem seiner Unternehmen zu Gast. So viel zum Thema »ehrbare Traditionsklubs und böse Geld-Emporkömmlinge«…

Salford landete am Ende auf Rang Drei. Ein kleine Schwächephase am Saisonende mit zwei Niederlagen an den letzten beiden Spieltagen, ein 0:1 gegen A.F.C. Fylde und ein 2:3 in Hartlepool, verhinderten letztendlich den direkten Durchmarsch…

Glücklich durch das Play-Off-Halbfinale

Bekanntlich können sie in England nie genug von Fußball bekommen, weshalb nach 46 Spieltagen in der 24 Vereine umfassenden National League noch immer nicht Schluss ist. Die Entscheidung über den zweiten Aufsteiger fällt in einer Play-Off-Runde der Vereine auf den Plätzen 2 bis 7. Der Zweite und Dritte sind direkt für das Play-Off-Halbfinale qualifiziert, die Plätze 4 bis 7 spielen in einem Viertelfinale die beiden anderen Halbfinalisten aus.

Salford City musste im Halbfinale gegen den mit 1:0 beim walisischen Wrexham siegreichen Viertelfinalisten Eastleigh FC ran. Und es war eine dramatische Partie:

1:1 hieß es nach 120 Minuten, ein Elfmeterschießen musste über den Einzug ins Play-Off-Finale entscheiden. Und als Stareinkauf und Topstürmer Adam Rooney (der Transfer wurde beim »Longread« im Sommer thematisiert) den ersten Elfmeter meterweit über das Tor drosch und sich dabei auch noch verletzte, sah es aus, als hätte der Durchmarsch-Versuch sein Ende gefunden. Und das auch noch »hoch symbolisch«, denn ausgerechnet der bei »Traditionalisten« umstrittene teure Stareinkauf aus Aberdeen ruiniert mit einem Fehlschuss den Durchmarsch…

Aber Salford ließ sich nicht aufhalten. Torhüter Chris Neal parierte zwei Elfer, Salfords weitere Torschützen trafen allesamt, mit 4:3 im Elferschießen zog Salford City ins Play-Off-Finale ein!

Aufstieg in Wembley!

Das Play-Off-Finale wird traditionell in Wembley ausgetragen. Salford traf am gestrigen Samstag auf jenen A.F.C. Fylde, gegen den sie am vorletzten Spieltag noch 0:1 verloren hatten, im großen Finale um den Aufstieg. Und das war eine klare Sache, die »Ammies« setzten sich souverän mit 3:0 durch und machten den Durchmarsch perfekt!

Der Jubel im spärlich besetzten Wembley fiel entsprechend aus…

Salford City spielt League-Fußball

Damit spielt der Salford City FC erstmals in seiner Vereinsgeschichte in der viertklassigen League 2, der untersten Liga des professionellen »League Football«. Ein erstaunlicher Aufstieg in Rekordzeit, 2014 war Salford noch ein verschlafener Amateurklub in der achtklassigen »Northern Premier League Division One«. Natürlich änderte der Einstieg der »Class von 92« alles und ermöglichte den Aufschwung erst. Aber, wie schon im Januar geschrieben:

»Fußball ist aber bekanntlich ein komischer Sport. Als populärster Profisport der Welt ist er natürlich voller Geld und benötigt selbiges, um professionell Fußball zu spielen. Gleichzeitig ist es aber im Weltbild vieler Fans (der so genannten ›Fußballromantiker‹…) ehrenrührig, Geld zu haben. Und wer es einsetzt, um ›unnatürlich schnell‹ nach oben zu kommen, gilt als ›böse‹.«

Der Aufstieg Salfords ist deshalb symbolhaft für die geänderten Zeiten in der Fußballmoderne. Mit Notts County stieg nach 131 Jahren ein »Traditionsklubs« erstmals aus dem League Football in den Non League Football ab, »Emporkömmling« Salford City geht den umgekehrten Weg. Deshalb wird es anlässlich von Salfords Aufstieg in den nächsten Wochen garantiert diverse Artikel mit fußballkulturpessimistischem Touch zu lesen geben, take a look at the usual suspects des geschriebenen Fußballdiskurses…

Update 13.5.19 Und da ist auch schon der erste: »Money Can’t Buy You Love: The National League Play-off Final«

In Wirklichkeit sind in England Profiklubs ausnahmslos Kapitalgesellschaften, die einen Besitzer sind halt berühmter als die anderen. Und manche sind eben geschickter als die anderen, wie überall im Fußball.

Salford stand aufgrund der Umstände des Aufstiegs als Neuling unter starken Druck, das galt insbesondere für Trainer Graham Alexander. Letztendlich haben Trainer und Spieler der »Ammies« den Durchmarsch mit Geld, Glück (das Elfmeterschießen im Halbfinale…) und sehr viel Geschick durchgezogen. Congrats, and: Up the Ammies!

Artikel zu Salford City im Blog

salfordcityfc nonleague england fussballkulturpessimismus

Creative Commons Lizenzvertrag Hinweise: Alle Bilder können durch einen Klick (oder »Touch«) auf das Bild in einer vergrößerten »Slideshow« angeschaut und durchgeblättert werden.
Sofern nicht anders vermerkt, stehen Texte und Bilder dieses Beitrags unter der Creative Commons BY-SA 4.0 International Lizenz. Was bedeutet das? Bilder und Texte ohne weitere Herkunftsangabe stammen von mir und können unter den Regeln der verwendeten CC BY-SA 4.0 International Lizenz benutzt werden. Eingebettene Medien (Tweets, Youtube-Videos, flickr- und Getty-Bilder etc.) und Bilder mit ausdrücklicher Herkunfts -und Copyright-Angabe stehen natürlich unter der Lizenz, mit der sie von ihren Urhebern erstellt wurden. Deshalb können diese nicht »einfach so« übernommen werden, sondern man muss die Lizenzbedingungen der Urheber beachten.

Bei der Betrachtung von Seiten mit eingebetteten Medien wird die IP-Adresse an den jeweiligen Anbieter übertragen (so funktioniert das Internet), näheres dazu verrät die Datenschutzerklärung.