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Last-Minute-Remis: SV Sandhausen vs SC Paderborn 1:1 – 6.4.2019

SV Sandhausen vs SC Paderborn 1:1

»Wie oft das größte Glück zerstört ein Augenblick!« soll der griechische Philosoph Anaximander vor über 2.500 Jahren festgestellt haben. Dem schlauen Philosophen kann der SV Sandhausen nur zustimmen, denn durch einen Handelfmeter in der allerletzten Minute der Nachspielzeit glitten dem SVS im Heimspiel gegen den SC Paderborn zwei wertvolle Punkte aus den Händen…

SV Sandhausen vs SC Paderborn 1:1

Bei milden Frühjahrwetter ging es mal wieder hinaus nach Sandhausen. Der dort ansässige SVS setzte in den letzten Wochen mit drei Siegen hintereinander zum Endspurt Richtung Klassenerhalt an. In der Formtabelle der Zweiten Liga standen die Sandhäuser vor dem Spiel sogar auf Rang 5, mit zwei Zählern mehr als der Aufstiegsfavorit HSV.

In dieser Tabelle der letzten sechs Spiele holte der SVS eine fast identische Ausbeute wie der Gegner SC Paderborn, der sich als Aufsteiger aus der Dritten Liga in ganz anderen Tabellengefilden herumtreibt.

Vor einigen Wochen hatte der Padercast des SCP-Fanblogs »#schwarzundblau« Paderborns Trainer Steffen Baumgart zu Gast. Das Anhören dieser Podcast-Ausgabe kann ich nur empfehlen, Steffen Baumgart ist ein unterhaltsamer Gesprächspartner und gibt einige interessante Ansichten zum Fußball zum Besten. Wie auch im Interview bei 11Freunde, Zitat:

»Eine stabile Defensive ist wichtig. Das bedeutet aber nicht, tief zu stehen. Es ist entscheidend, hinten kontrolliert herauszuspielen. Lange Bälle zu vermeiden und wirklich Fußball zu spielen.«

Das ist Musik in den Ohren leidgeprüfter Karlsruher Fußballschauenden, die in der Regel »Langer Ball nach vorne und schaun mer mal was draus wird« zu sehen bekommen. Und machte die Begegnung noch ein Stück interessanter, als sie als Duell »Klassenerhalt vs Aufstiegsambitionen« ohnehin schon war. Wie würde Baumgarts Spielidee in der Praxis im Stadion auf dem Rasen aussehen?

5.500 Zusehende wollten das Match bei bestem Frühlingswetter über dem Hardtwald sehen. Gerade für Sandhausens »Existenzkampf« in der Zweiten Liga ein bisschen wenig, aber Sandhausen ist halt auch keine Großstadt. Die anwesenden Sportsfreundinnen und Sportsfreunde waren aber gut aufgelegt…

Der SC Paderborn hatte die große Chance, auf Rang 3 der Tabelle zu springen. Nach dem Anpfiff von Schiri Patrick Alt sah man davon aber ziemlich wenig. Der SV Sandhausen war der Herr im eigenen Haus, stand defensiv sicher und verlagerte das Spielgeschehen mit fortschreitender Spieldauer immer mehr in Richtung Tor des SC Paderborn. Für die verdiente Führung musste aber ein Standard herhalten. Nach einer Ecke von Rurik Gislason sprang Verteidiger Tim Kister am höchsten und köpfte die Kunstlederkugel ins Netz. Großer Jubel hallte durch den Hardtwald…

Danach hatten die Schwarz-Weißen weitere Chancen, die sie aber nicht nutzen konnten. Von Paderborns Ballbesitzspiel war wenig zu sehen, erst kurz vor der Pause erspielten sich die Männer aus Westfalen einige Chancen. Es ging aber ohne weitere Treffer in die Pause. Wenn es nach den Sandhäusern gegangen wäre, hätte man das Spiel ruhig gleich ganz abpfeifen können…

Den Gefallen tat ihnen Schiedsrichter Alt aber nicht. Und so sah sich das Team des Sportvereins nach einer zwanzigminütigen Aufwärmphase einem Paderborner Sturmlauf ausgesetzt. Die Gäste waren nun die Herren auf dem Rasen, zogen ihr Spiel auf und erspielten sich viele Torchancen. »Das kann nicht gut gehen« dachte man sich auf den Rängen, doch die Sandhäuser Defensive stand gut und dahinter hielt der überragende Akteur auf dem Rasen, SVS-Tormann Marcel Schuhen, alles, was auf sein Tor kam.

Das war durchaus kurzweilig, und eh man sich versah hatte der SVS die Führung bis fast ans Ende der Nachspielzeit verteidigt.

Doch dann offenbarte die Weisheit des Anaximander (wir erinnern uns: »Wie oft das größte Glück zerstört ein Augenblick!«) ihre ganze Wucht. Der nach seiner Einwechslung durchaus unglücklich agierende SVS-Offensivmann Karim Guedé bekam den Ball im eigenen Strafraum an die Hand und Schiri Alt zeigte zum Entsetzen aller in Schwarz-Weiß auf den Elfmeterpunkt.

War das ein Elfmeter? Guedé geht in einer normalen Sprungbewegung hoch, als der Ball noch gar nicht da war. Der kam erst in seine Richtung, als er schon in der Bewegung war, somit kann das eigentlich gar keine Absicht gewesen sein. Andererseits leben wir im Zeitalter der »vergrößerten Körperoberfläche«, die aus unabsichtlichen Handspielen absichtliche macht. Von daher war der Elfer auf der Linie der aktuellen deutschen Schiedsrichterei…

Paderborns Philipp Klement war das alles sowieso egal, er verwandelte souverän den Elfer zum Last-Minute-Ausgleich. Bitter für den SV Sandhausen, aber letztendlich vom Spielverlauf her durchaus gerecht. Die Akteure des SVS bestürmten nach Abpfiff Schiri Alt und lösten fast noch eine Nach-Schlusspfiff-Rudelbildung aus…

Der SVS bleibt damit im vierten Spiel nacheinander ungeschlagen und hat sich in Richtung der beiden direkten Abstiegsplätze etwas Luft verschafft. Dummerweise gewann am heutigen Montag Abstiegskampfkonkurrent 1. FC Magdeburg überraschend beim HSV, so dass wir in den nächsten Wochen ein Duell zur Vermeidung des Relegationsplatz 16 zwischen den beiden punktgleichen Kontrahenten sehen werden…

Und Paderborn? Der SC zog in der zweiten Hälfte sein »Baumgart-Spiel« auf, letztendlich reichte es trotz zahlreicher Chancen »nur« zu einem Punkt. Trotzdem ist der Relegationsplatz Richtung Bundesliga mit nur drei Punkten Rückstand auf den Dritten Union Berlin noch in Reichweite…

Fazit: Ein spannendes, in der zweiten Hälfte allerdings arg einseitiges Match mit einem bitteren Ende für den SV Sandhausen.

 

(Bewertung: Grauenvoll | Schlecht | Geht so | Gut | Exzellent)

Impressionen

Gut 5.500 Zusehende in der Frühlingssonne…

Sonnenschein auf der Stehtribüne…

Zweite Liga 18/19

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