Matchday

Nicht ganz »All In«: KSC vs FC Hansa Rostock 1:1 – 23.3.2019

KSC vs FC Hansa Rostock 1:1

Die Dritte Liga ignorierte die Länderspielpause und spielte durch. Weshalb es im sonnigen Wildpark zum Hochsicherheits-Duell der abgestürzten Ex-Bundesligisten zwischen dem KSC und Hansa Rostock kam. Die Blau-Weißen setzten die Reihe der schwachen Rückrunden-Heimvorstellungen fort und blieben beim 1:1 im sechsten Rückrundenheimspiel zum vierten Mal sieglos…

Baustellen-Report – Flucht aus E4!

Die provisorische Stahlrohr-Hintertor-Tribüne ist bezugsfertig und soll im übernächsten Heimspiel zum ersten Mal eingesetzt werden, wenn auch zunächst ohne Dach. Als alter Nordkurven-A1-Stammplatz-Steher (von dem ist nur noch ein festgestampfter Erdhügel übrig, siehe Bild oben) wird dann ein Umzug auf die »richtige« Seite angestrebt.

Zumal der Exil-Block E4 etwas nervig ist. Dieser ist selbst beim üblichen mäßigen Besuch stets überfüllt, da er durch den Behelfsflutlichmast nur noch teilweise mit freier Sicht benutzbar ist. Im Gedränge sammeln sich dort auch noch aus unbekannten Gründen überaus unangenehme lautstarke Chefkommentatoren und Dauer-Brüller. Wie schön es doch im alten Block A1 war…

KSC vs FC Hansa Rostock 1:1

Die Dritte Liga ist schlau geworden und spielt nun in den Länderspielpausen durch. Schließlich gibt in der Dritten Liga nur vier aktuelle A-Nationalspieler, von denen lediglich zwei zur Länderspielreise abkommandiert wurden. Neben dem Aserbeidschaner Rufat Dadashov, auf den Preußen Münster verzichten musste, hatte es auch Hansa Rostock erwischt. Diese mussten beim Gastspiel im Wildpark auf Flügelspieler Cebio Soukou verzichten, der für Benin im Einsatz war.

Bestes Frühlingswetter lockte (für Karlsruher Drittliga-Verhältnisse) üppige 13.498 Zusehende in den Wildpark. Davon 1.400 aus Rostock im Gästeblock, die im badischen Sonnenschein eine massenhafte »1-2-3-Oberkörperfrei«-Performance in riefenstahlesker Krieger-Männlichkeitskult-Ästhetik hinlegten (siehe Bild). Sehr befremdliche männerbündische Ultra-Rituale. Aber andererseits war bekanntlich in der DDR FKK stets hoch im Kurs, vielleicht wirkt das noch nach und sie dachten, sie wären am Ostsee-Strand…

Zurück zum Spiel. Wg. eben jener Gäste war mal wieder ein nerviges »Hochsicherheitsspiel« angesagt. Konsequenz: Es gab nichts zu trinken im Stadion. Danke, Fankultur! Allerdings passierte, wie schon beim letzten aufeinandertreffen im Wildpark vor gut einem Jahr, in Sachen »Fankultur im Einsatz« gar nix. Somit erschien das Hochsicherheits-Theater auch diesmal ein wenig übertrieben…

Alle 13.500 sahen gemeinsam ein Spiel mit zwei Halbzeiten. Das nicht nur formal, sondern auch inhaltlich. Alois Schwartz‘ Mannen gaben sich vom Anpfiff weg alle Mühe, den wenig ruhmreichen Auftritt vor 10 Tagen gegen Aalen (auch der Auswärtssieg in Cottbus war alles andere als überzeugend) vergessen zu machen. Defensiv aufmerksam und offensiv bemüht, suchten die heimischen Blau-Weißen den Weg Richtung Rostocker Tor und kamen zu guten Chancen, die von den an diesem Tag fahrigen Stürmern Fink und Pourié allesamt vergeben wurden. Bei Pourié macht sich auch »der Fluch der bösen Tat« bemerkbar. Die Schiris wissen mittlerweile, wie leicht er fällt, weshalb ihm ein nach Stadion-Ansicht klarer Elfer versagt wurde…

Es brauchte mal wieder eine Ecke, um in Führung zu gehen. Wanitzek schlug den Ball scharf vor das Rostocker Tor, am langen Pfosten lauerte der nicht minder lange David Pisot und köpfte zur 1:0-Führung ein (22. Minute). Der KSC blieb bis zur Pause am Drücker, vergab aber eine Reihe von Chancen. Mit der Führung ging es in Richtung alkoholfreie Halbzeitgetränke. Auch schön: Als E4-Kunde darf man beim KSC neuerdings nicht mehr die sanitären Räumlichkeiten in der Haupttribüne benutzen, sondern wird von einer Ordner-Hundertschaft zu ranzigen Dixi-WCs geschickt. Es wird immer nerviger im Umbau-Wildpark…

Zurück zum Sport. Rostocks Trainer Jens Härtel ist einer von den Guten seiner Zunft. Er stellte in der Pause sein Team ein wenig um, wechselte den routinierten Amaury Bischoff ein und fand die richtigen Worte. Denn der KSC schaltete in seinen berüchtigten Verwaltungsmodus und ließ den FC Hansa ins Spiel kommen. Ergebnis: Das Spiel kippte langsam aber sicher in Richtung Hansa, der Ausgleich war, für jeden im Stadion offensichtlich, nur eine Frage der Zeit. KSC-Trainer Schwartz schaute sich das Ganze aber nur interessiert an und sah keine Veranlassung, irgendetwas zur Vermeidung von derlei Unbill zu unternehmen. Der Ausgleich in der 61. Minute, erzielt durch Lucas Scherff, der eine von Bischoff geschlagene und vom ex-Uerdinger Tanju Öztürk verlängerte Ecke einköpfte, war deshalb nur folgerichtig und hochverdient…

Wer nun mit einer großen KSC-Offensive rechnete, sah sich getäuscht. Schwartz wechselte kurz nach dem Tor genau einmal. Ansonsten ließ er sein Team den gleichen »Stiefel« weiterkicken. Rostock war in der zweiten Hälfte das bessere Team, und setzte sich seinerseits minutenlang in der Karlsruher Hälfte fest. Zeitweise waren sie näher an der Führung als die Hausherren. Am Ende trudelte das Spiel aus und endete, zum Unwillen der schimpfenden Brüller auf den Rängen, mit dem gerechten Remis…

Nach dem Spiel erklärte Trainer Schwartz seine Passivität nach dem Ausgleich mit den Worten:

»Man weiß nicht, wie wertvoll der Punkt ist. Ich wollte deshalb nicht ganz ›All-in‹ gehen.«

Und verriet damit sehr viel über seine Spielphilosophie…

Aber: Auch wenn man es dem KSC-Spiel nicht ansieht, liegen die Blau-Weißen noch stets auf Rang 2 der Tabelle. Nächste Woche gibt es das Topspiel auswärts beim SV Wehen. Dann könnte sich das ändern. Andererseits tun sich die Blau-Weißen derzeit auswärts leichter als im Wildpark. Letztendlich wird sich diese Saison sowieso nichts mehr grundlegend ändern. Man muss sich mit der flatterhaften Spielweise durch die letzten acht Spiele arbeiten und hoffen, dass es am Ende zum Aufstieg reicht…

Fazit: Ein typischer Drittliga-Kick mit zwei grundverschiedenen Halbzeiten. Rostocks Umstellungen in der Halbzeit brachten ihnen einen verdienten Punktgewinn ein. Und zeigten recht deutlich, wie limitiert der KSC als Spitzenteam der Dritten Liga in der Reaktion auf solche Veränderungen ist…

 

(Bewertung: Grauenvoll | Schlecht | Geht so | Gut | Exzellent)

Dritte Liga 18/19

ksc hansarostock saison-2018-2019 dritteliga

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