Matchday

Die nächste Heimpackung: KSC vs VfR Aalen 0:3 – 13.3.2019

KSC vs VfR Aalen 0:3

Englische Woche, Tabellenrang 2 und ein Flutlichtspiel gegen den auswärtsschwachen Tabellenletzten. Und das nach zwei erfolgreichen Spielen gegen Mitkonkurrenten um dem Aufstieg. Eine klare Sache, sollte man meinen. War es auch, aber anders als gedacht. Denn der Tabellenletzte VfR Aalen gewann hochverdient mit 3:0 beim KSC, der das heimische Publikum mit einer weiteren grottigen Heimvorstellung beglückte…

Baustellen-Report

Auf der Stadionbaustelle geht es weiter voran! Anstelle der weggebaggerten alten Nordkurve entsteht eine temporäre Stahlrohrtribüne (siehe Baustellen-Blog der Stadt Karlsruhe), auf der 5.000 Zusehende Platz finden sollen. Diese macht schon einen recht fertigen Eindruck und soll am 34. Spieltag beim Heimspiel gegen Meppen bezugsfertig sein. Dann werden wir einen Umzug auf die gewohnte Seite anstreben, von der wir uns im November verabschieden mussten

KSC vs VfR Aalen 0:3

Auch in der tabellarischen Baustelle hatten die Blau-Weißen in den letzten beiden Spielen Aufbauarbeit geleistet. Dem lebhaften 2:1 gegen Spitzenreiter Osnabrück folgte ein überzeugender Auswärtssieg beim krisengeschüttelten KFC Uerdingen. Die ganz große Karlsruher Fußball-Euphorie hatte das aber nicht ausgelöst. Das Spiel am frühen Mittwoch abend gegen Schlusslicht VfR Aalen wollten offiziell 10.470 Zusehende sehen, inoffiziell waren es wohl eher 8.000 bis 9.000. Warum der DFB eine englische Woche in der Dritten Liga ausgerechnet an einem Champions-League-Spieltag ansetzt, wissen nur die weisen Spielplan-Strategen im Frankfurter Hauptquartier.

Und zu allem Überfluss wurde auch noch die »Stadionkamera« im ballreiter-Hauptquartier vergessen, so dass es heute nur ein paar ömmelige Smartphone-Fotos gibt…

Wer bei regnerisch-stürmischem Wetter auf den Stadionbesuch verzichtete, hatte aber ein gutes Näschen bewiesen. Denn wer gedacht hätte, das kickende Personal des KSC hätte die in dieser Saison häufig zu »bewundernde« Unart, Spiele gegen Gegner aus Tabellen-Mittelfeld- und Abstiegszone mit einer leicht überheblichen »wir sind eh die Größten«-Attitüde anzugehen abgelegt, sah sich getäuscht. Die Blau-Weißen starteten mit der üblichen Zurückhaltung und überließen den Gästen aus Aalen das Feld. Diese nahmen das dankbar an und zogen ein dominierendes Angriffsspiel auf, als wären sie das Team von der Tabellenspitze. Im KSC-Spiel war kaum Bewegung, die Mittelfeld-Zentrale hatte einen »Tag der offenen Tür« und die Aalener Kicker konnten zu ihrem eigenen Erstaunen nach Belieben Richtung KSC-Tor spazieren…

So etwas geht natürlich auch gegen den Tabellenletzten, der vor dem Auftritt in Karlsruhe ein einziges Auswärtsspiel gewonnen hatte, nicht lange gut. Nämlich genau 12 Minuten. Ein Freistoß des ex-KSC-Spielers Sascha Traut segelte gemächlich Richtung Strafraum, wo er per Kopf auf den links mutterseelenallein auftauchenden Luca Schnellbacher verlängert wurde. Und dieser vollendete artistisch mit dem rechten Fuß zur Aalener 1:0-Führung. Schnellbacher stand bei der Kopfballverlängerung allerdings klar im Abseits. VAR gibt es in der Dritten Liga nicht, was die (gerade im KSC-Publikum häufig anzutreffenden) Traditionalisten ganz toll finden (»ohne VAR sind meine Emotionen nach dem Tor so direkt und ehrlich, ey!«). Da Schiris ihre Augen nicht überall haben können, muss man dann halt mit den Fehlern leben…

Zumal die Führung nach dem Spielverlauf auch hochverdient war. Die Männer von der schwäbischen Alb wollten die Zweifel am Führungstor auch direkt beseitigen und griffen weiter munter an. Drei Minuten später rannte der groß aufspielende Traut über seinen rechten Flügel und schlug einen scharfen Ball in den KSC-Strafraum. Der landete beim KSC-Außenverteidiger Marco Thiede, und der tat das, was man schon in der Kreisklasse nicht tun soll: Den Ball unkontrolliert zentral in den eigenen Strafraum klären! Dort stand Thomas Geyer und vollstreckte sehenswert zum 2:0.

Um ein Debakel zu vermeiden und das klaffende Loch im Mittelfeld zu schließen, handelte KSC-Coach Alois Schwartz gegen seine eigene Natur und wechselte schon nach 25 Minuten den völlig indisponierten Alexander Groiß aus. »Höchststrafe« für den Neuzugang, der sich nach einem Fehlstart mit Krankheiten und Verletzungen langsam in die Startelf gespielt hatte.

Camoglu kam ins Spiel und Stiefler ging in die Zentrale, wodurch der KSC das freie Schalten und Walten vor dem eigenen Tor unterbinden konnte. Offensiv lief weiterhin wenig zusammen, weshalb es mit 0:2 in die Pause ging.

Nach der Pause zog sich der VfR in die eigene Abwehr zurück, was den KSC besser ins Spiel brachte. Die Blau-Weißen wurden nun stärker und zogen ein wenig das Tempo an, das Aalener Abwehrbollwerk hielt aber stand. Gefährlich wurde es für die Gäste erst in der 72. Minute, als KSC-Stürmer Marvin Pourié seine Kernkompetenz »geschickt fallen« gegen einen Rempler (der eher vor dem Strafraum stattfand) von Sascha Traut einsetzte und von Schiri Florian Lechner einen zweifelhaften Elfmeter zugesprochen bekam. Diese Zweifel hatte Pourié wohl auch selbst, denn sicherheitshalber schoss Pourié selbst und platzierte seinen Schuss direkt auf Torhüter Daniel Bernhardt, der den Ball sogar festhalten konnte(!). Ein Elfer, passend zur Karlsruher Vorstellung…

Das 0:3 in der 80. Minute nach Aalener Konter und Karlsruher Torwartfehler durch den ehemaligen FC-Basel-Spieler Stephan Andrist war dann nur noch eine Formalität zur endgültigen Entscheidung. Damit war das Spiel durch und man konnte sich 10 Minuten früher nach Hause begeben, um pünktlich zur Champions League im TV-Sessel zu hocken…

Die Lage

Nach dem Spiel war selbst der sonst eher zum Schönreden neigende KSC-Trainer Schwartz ordentlich angesäuert und sagte:

»Wir haben richtig scheiße gespielt.«

Damit hat er zweifellos Recht, nur war das ja nicht das erste Mal, dass sein Team mit einer leicht überheblichen Einstellung ins Spiel ging und Rückständen hinterherlaufen musste. Gegen Lotte, Wehen und Kaiserslautern gab es das auch schon zu bewundern. Das abzustellen ist die originäre Aufgabe des Trainers. Und das ergebnisunabhängig sowieso immer dieselbe Mannschaft spielt, ist in dieser Hinsicht sicher auch nicht hilfreich.

Die Startelf-Alternativen für Schwartz sind allerdings kaum vorhanden, die Kaderzusammenstellung vor der aktuellen Saison entpuppt sich als ein ziemliches Desaster. Außer Damian Roßbach, der seine Aufgabe als Linksverteidiger seit Saisonbeginn zuverlässig erledigt, ist kein einziger Neuzugang eine Verstärkung. Keiner der Neuzugänge konnte seine Chance nutzen, wenn er mal spielen durfte. Von daher denkt sich Schwartz wohl: »Wechseln schön und gut, aber wen soll ich denn bringen?»

Deshalb werden wir wohl am Sonntag in Cottbus wieder dieselbe Elf (minus Groiß, der dürfte nach der »Höchststrafe« erst einmal raus sein) auf dem Rasen sehen und sie haben die Gelegenheit, es besser zu machen.

Die tabellarische Lage ist in der in dieser Saison ziemlich schwachen Dritten Liga noch immer sehr gut. Deshalb sollte mal jemand (der Trainer und der SpoDi z.B.) den Helden in kurzen Hosen klarmachen, dass der Verein aus finanziellen Gründen dringend aufsteigen muss. Dazu kommt, dass diese Saison für die meisten Spieler aus dem schon recht »alten« KSC-Kader die wohl letzte Chance der Karriere ist, noch einmal in die Zweite Liga aufzusteigen. Das sollte doch zur Motivation reichen…

Fazit: Eine grauenvolle Vorstellung und einfach ein miserables Fußballspiel. So leicht hat das auswärtsschwache Tabellenkellerkind VfR Aalen schon lange nicht mehr drei Punkte eingefahren…

 

(Bewertung: Grauenvoll | Schlecht | Geht so | Gut | Exzellent)

Dritte Liga 18/19

ksc vfraalen saison-2018-2019 dritteliga

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