Salford-City-Watch: Durchmarsch mit (kleinen) Hindernissen…

Ballkultur

»Salford City 2 Colwyn Bay 2 25 Aug 2015-178.jpg« / James Boyes on flickr / CC BY 2.0

[Foto: »Salford City 2 Colwyn Bay 2 25 Aug 2015-178.jpg« von James Boyes, Creative Commons Attribution 2.0 Generic Licence, thanks!]

Im Sommer gab es hier einen »Longread« über den unaufhaltsamen Aufstieg des Salford City FC durch die Non-League-Pyramide zu lesen. Erwartungsgemäß spielt der Salford City FC als Neuling in der fünftklassigen (und höchsten None-League-Spielklasse) National League eine gute Rolle und ist dabei, auf seinem Marsch durch die Ligen die nächste Stufe zu erklimmen. Vor dem heutigen (Samstag 5.1.19) Spitzenspiel gegen den League-Two-Absteiger und aktuellen Tabellenführer Leyton Orient werden wir einen kleinen Blick auf die Hinrunde der »Emporkömmlinge« aus der Stadt vor den Toren Manchesters…

Ein Klub will nach oben…

Wie erwähnt, die Hintergründe des Aufschwungs der »Ammies« und der Rolle, die Manchester Uniteds berühmte »Klasse von 92« dabei spielt, wurden hier bereits ausführlich beleuchtet. Das Team bekam nach dem Aufstieg mit Graham Alexander einen aufstiegserfahrenen neuen Trainer und wurde ordentlich verstärkt, u.a. mit dem Torjäger des Aberdeen FC, Adam Rooney.

Fußball ist aber bekanntlich ein komischer Sport. Als populärster Profisport der Welt ist er natürlich voller Geld und benötigt selbiges, um professionell Fußball zu spielen. Gleichzeitig ist es aber im Weltbild vieler Fans (der so genannten »Fußballromantiker«…) ehrenrührig, Geld zu haben. Und wer es einsetzt, um »unnatürlich schnell« nach oben zu kommen, gilt als »böse«. Eine solche Haltung ist auf der britischen Insel nicht so omnipräsent wie in Deutschland, aber es gibt auch dort genug Leute, die das Projekt skeptisch beäugen oder gar ablehnen.

Der Text »Inside Salford City, the new ‘most controversial club’ in England« beim Dream Team FC aus dem Sommer 2018 beleuchtet dieses Thema und kommt zu dem Schluss:

»It’s a long road for the Ammies, but while they may continue to win on the pitch, the fight for respect off it will be an arduous one.«

Ein schwieriger Saisonstart und eine Serie…

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Der Start in die neue Liga war erwartungsgemäß schwierig. Gegen den League-Two-Absteiger und Top-Aufstiegsfavoriten Leyton Orient gelang zum Auftakt ein 1:1, es folgten aber zwei Niederlagen. Danach fand sich das Team aber relativ zügig und legte eine beeindruckende Serie von 20 ungeschlagenen Spielen hin. Dabei entwickelten sich die »Ammies« zur Torfabrik, viele Spiele entschied Salford mit 3 oder 4 Toren für sich. Am 18. Spieltag grüßte Salford erstmals von der Tabellenspitze und liefert sich seitdem mit den Konkurrenten Wrexham und Leyton Orient ein Kopf-an-Kopf-Rennen…

…und eine kleine Krise…

Nach einer überraschenden 0:2-Niederlage Anfang Dezember bei Abstiegskandidat Chesterfield war es mit der Pracht plötzlich vorbei. Eine 1:2-Niederlage gegen das Mittelfeldteam Degenham & Redbridge folgte ebenso wie eine 1:5-Klatsche im Spitzenspiel bei Mitaufstiegsaspirant Wrexham. Nach einer weiteren Auswärtsniederlage bei Mittelfeldteam Barrow verloren die »Ammies« den Anschluss an die Tabellenspitze. Entsprechend grassierte in Social Media die Häme und die einen oder anderen fragten sich schon, wann Gary Neville, der als Sprecher der Besitzergruppe um die »Klasse von 92« und Milliardär Peter Lim fungiert, wohl die Geduld mit Trainer Graham Alexander verlieren würde…

…und zurück in die Spur!

Bevor solche Diskussionen ausufern konnten, gelang am Neujahrstag im Rückspiel des Spitzenspiels gegen Wrexham ein 2:0-Heimsieg. Und nun (Samstag 5.1.19, 16:00) steht das absolute Spitzenspiel bei Tabellenführer Leyton Orient an.

Leyton »O«, 2017 fast bankrotter Absteiger aus der League Two, zeigt sich diese Saison von den desaströsen Jahren gut erholt und steht aktuell nach 28 von 46 Spieltagen souverän an der Tabellenspitze:

1. Leyton Orient 57
2. Wrexham 53
3. Salford City 52

Klare Sache, diesen »Clash of Cultures« zwischen dem abgestürzten Fußballtraditionalisten-Liebling Leyton Orient und den »Emporkömmlingen« sollte Salford zumindest nicht verlieren. Denn dann wäre man schon satte 8 Punkte hinter dem Spitzenreiter.

Direkt aufsteigen in die League Two darf nur der Meister, die Klubs auf den Plätzen 2 bis 7 müssen nach den 46 regulären Spieltagen noch eine üppige Play-Off-Runde um das Aufstiegsspiel gegen den Vorletzten der League Two ausfechten…

Wir werden hier den Weg des interessanten »Projekts« Salford City FC weiter verfolgen. Denn die »Ammies« sind gewissermaßen ein Symbolklub für die kapitalistische Fußballmoderne und ihre neuen »untraditionellen« Wege zum Erfolg. Wobei man nie vergessen darf, dass in England kapitalistische Strukturen im Fußball bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts üblich sind. Somit ist Salfords Weg im Grunde nichts grundsätzlich Neues, ohne Geld ist noch niemand aufgestiegen…

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Artikel zu Salford City im Blog

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