Ortstermin

Ein Spiel dauert 90+5 Minuten: SV Sandhausen vs Jahn Regensburg 2:2 – 16.12.2018

SV Sandhausen vs Jahn Regensburg 2:2

»Die Winteröde: Als ich durchs kleine Dorf ging, die Hunde heulten.« Es ist nicht überliefert, welches Dorf den japanischen Dichter Shiki zu solcherlei winterlicher Haiku-Poesie inspirierte. Sandhausen wird es nicht gewesen sein – da heulen eher die Fans des örtlichen SVS. Denn auch das am ersten richtigen Winterwochenende des Jahres ausgetragene Zweitliga-Sonntagsmatch zwischen dem SV Sandhausen und Jahn Regensburg brachte den Badnern trotz einer guten Leistung nicht den dritten Dreier der Saison, sondern nur das sechste Remis…

SV Sandhausen vs Jahn Regensburg 2:2

Seit dem letzten Besuch beim SV Sandhausen hat sich die Lage für Badens einzigen Zweitligisten nicht verbessert. Zwischenzeitlich wurde der Trainer gewechselt, trotzdem gelang in 16 Versuchen nur ein einziger Sieg (das 4:0 gegen den Mitabstiegskampfkonkurrenten Ingolstadt)…

Das einzig Gute: Am Tabellenende der Zweiten Liga haben wir eine eigene »Liga der Abgehängten« mit Sandhausen, Ingolstadt, Magdeburg und Duisburg, so dass selbst mit 11 Punkten nach 16 Spieltagen die Lage noch nicht hoffnungslos ist. Irgendwann muss man halt auch mal gewinnen, das Heimspiel gegen das Mittelfeldteam von Jahn Regensburg bot dafür eine gute Gelegenheit…

Nur 4.437 Zusehende fanden sich bei Temperaturen um den Gefrierpunkt im Stadion am vom ersten Schnee weiß gefärbtem Hardtwald ein. Darunter auch ein ordentlich gefüllter Gästeblock aus dem etwa 300 Autobahnkilometer entfernten Regensburg.

Dass es gegen den SSV Jahn nicht leicht werden würde, war klar. Das Team von Trainer Achim Beierlorzer hatte in den letzten 11 Spielen nur gegen Aufstiegsfavorit Köln verloren und ist die fünftbeste Auswärtsmannschaft der Zweiten Liga…

Das Match begann ein wenig öde, eine Viertelstunde lang beharkten sich die Akteure im Mittelfeld. Die erste Torannäherung nach 15 Minuten eröffnete aber das Scoren. Regensburg brandgefährlicher Angreifer Sargis Adamyan zog von seiner linken Lieblingsseite in den Sandhäuser Strafraum und traf mit einem sehenswerten Schuss ins lange Eck zum 0:1.

Der frühe Rückstand war das Signal zur Attacke für den SVS, der jetzt deutlich zielstrebiger agierte und schon vier Minuten später belohnt wurde. Eine Flanke von Paqarada köpfte Wooten zum Ausgleich ins Netz – Fußball kann so einfach sein…

Uwe Koschinats Team blieb am Ball und zog ein ansehnliches Angriffsspiel auf, das an bessere Sandhäuser Zeiten in den letzten Jahren erinnerte. Die Krönung dieser Offensivbemühungen war das 2:1 kurz vor der Pause. Ausgerechnet Philipp Förster, der in dieser Saison schon viele Chancen liegen ließ, hämmerte die Kunstlederkugel aus knapp 16 Metern in das Tor des SSV Jahn. Großer Jubel am Hardtwald, der SVS ging mit einer Führung in die Pause und am Bierstand war man sich einig, dass man die Partie jetzt besser abpfeifen sollte…

Den Gefallen tat Schiedsrichter Robert Kampka aber den Sandhäusern nicht. Der SVS blieb nach Wiederanpfiff am Ball und erspielte sich viele gute Chancen, der Ball wollte aber nicht ins Tor. Am Ende standen 15:8 Torschüsse für den SVS in den Spieldaten…

Aber wie das immer so ist im Fußball: Macht man das Tor nicht, wird man am Ende bestraft. Aus unbekannten Gründen ließ Schiri Kampka satte fünf Minuten nachspielen. Statt mit dem Ball zur Eckfahne zu laufen und die letzten Sekunden herunter zu spielen, griff der SVS in Person von Schleusener weiter an und verlor nach einem halbgaren Abschluß in der 95. Minute den Ball. Daraufhin schlug Regensburg den Ball lang vor das Sandhäuser Tor und griff das erste und einzige Mal erfolgsversprechend in der zweiten Hälfte an. Und es kam wie es kommen musste: Grüttner steckte durch zu Adamyan, der sich gegen zwei Sandhäuser Abwehrspieler durchsetzte und mit seinem zweiten Treffer des Tages zum 2:2 einnetzte…

Grenzenlose Enttäuschung beim SVS war das Ergebnis. »Das fühlt sich gerade an wie ein Schlag in die Fresse« sagte Kapitän Denis Linsmayer nach dem Spiel. Trainer Koschinat machte Mut: »An dieser Leistung können wir uns heute festhalten, denn mit einem solch couragierten und taktisch ausbalancierten Auftritt wirst du nicht viele Spiele in der zweiten Liga verlieren.«

Das mag sein, aber für die gute Leistung bekommt der SVS nur einen Punkt und hängt weiter mittendrin im winterlichen Abstiegsschlamassel der Zweiten Liga. Aber wie schrieb einst Emanuel Geibel:

»Und dräut der Winter noch so sehr mit trotzigen Gebärden, Und streut er Eis und Schnee umher, es muß doch Frühling werden.«

Wenn der SVS so weiter spielt, wird sich früher oder später auch der tabellarische Frühling mit dem einen oder anderen Sieg einstellen…

Fazit: Ein spannender Zweitligakick mit guten Spielzügen am ersten richtigen Winterwochenende, allerdings mit einem für die Sandhäuser unschönen Ende…

 

(Bewertung: Grauenvoll | Schlecht | Geht so | Gut | Exzellent)

Impressionen

Trübes Winterwetter im Hardtwald…

Ein guter Zweitligakick vor leeren Rängen…

Zweite Liga 18/19

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