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Remis zum Heimspielauftakt: Racing Club de Strasbourg vs AS Saint-Étienne 1:1 – 19.8.2018

Racing Club de Strasbourg vs AS Saint-Étienne 1:1

Unsere Lieblingsfranzosen von Racing Strasbourg spielen nach dem erfolgreichen Klassenerhalt eine weitere Saison Ligue 1, das musste mit einem Besuch in der Meinau gefeiert werden! In einem spannenden und guten Spiel gab es zum Heimspielauftakt ein 1:1 gegen den »Traditionsverein« AS Saint-Étienne…

Racings zweites Jahr in der Ligue 1

Wer die Geschichte von Racings Zusammenbruch und Wiedergeburt noch nicht kennt, kann sie im Artikel zum Zweitliga-Spiel gegen Red Star von 2016 nachlesen. Es ist schon eine erstaunliche Sache, dass der Altmeister vom Rhein nach dem Absturz in die Fünftklassigkeit im Jahre 2011 sieben Jahre später die zweite Saison hintereinander in der Ligue 1 kickt.

In der letzten Saison gelang als Aufsteiger nach einer schwachen Rückrunde (mit nur 3 Siegen aus 19 Spielen) die Rettung. Wenn auch nur mit einem Punkt Vorsprung auf den Relegationsplatz 18. Letztendlich brachte ein sensationeller 3:2-Auswärtssieg (einer von nur zwei Erfolgen in der Fremde in der gesamten Saison, Racing war die zweitschwächste Auswärtsmannschaft) beim Dritten Olympique Lyon den Klassenerhalt…

Damit in der gerade begonnenen Spielzeit nicht wieder bis zum Ende gezittert werden muss, leitete Trainer Thierry Laurey einen Kaderumbruch ein. Mit Torwart Alexandre Oukidja und dem 35-jährigen Stürmer Jeremy Blayac verließen zwei »Aufstiegshelden« den Klub. Weitere »Ü-30-Spieler« wie Kader Mangane (wird im Verein bleiben und im Jugendbereich arbeiten) und Ernest Seka verließen das Team. Leihspieler wie der talentierte Martin Terrier und Abwehrrecke Bakary Koné kehrten zu ihren Stammvereinen zurück.

Ein ausgesprochen lukrativer Deal war der Verkauf von Jean-Eudes Aholou an AS Monaco, der 14 Mio. Euro einbrachte und die Verpflichtung von Torwart Matz Sels (für 4 Mio von Newcastle) und Verteidiger Stefan Mitrovic (3 Mio von KAA Gent) ermöglichte. Zusätzlich kamen Ibrahima Sissoko und Ludovic Ajorque für je 2 Mio aus der Ligue 2. Stürmer Adrien Thomasson wurde ablösefrei aus Nantes geholt, von Sunderland wurde Verteidiger Lamine Koné ausgeliehen. Kein Neuzugang ist älter als 28, so dass das Ziel der Verjüngung und Verstärkung des Kaders auf dem Papier erreicht wurde.

Am ersten Spieltag funktionierte das neue Team gleich ausgezeichnet, mit 2:0 wurde bei Girondins Bordeaux gewonnen und damit schon an Spieltag 1 50% der Auswärtssiegausbeute der Vorsaison eingefahren. Das entscheidende 2:0 wurde auch noch in spielerisch beeindruckender Art und Weise herausgespielt

Auch rund um das altehrwürdige Stade de la Meinau wurde im Sommer aufgerüstet. So wurde die Haltestelle »Krimmeri/Stade de la Meinau« in hübscher Racing-Optik neu gestaltet, auf dem Gelände wurden große Bildschirme zur Unterhaltung vor dem Spiel installiert. Sehr praktisch für den Marsch zu WC und Bierbude, man kann dank der großen Schirme fast bis zum Urinal das Spiel verfolgen!

Fast 20.000 Dauerkarten setzte Racing vor der Saison ab, so dass das Stadion fast immer voll sein wird und Eintrittskarten in der aktuellen Saison noch ein selteneres Gut sein werden als in der letzten. Präsident Marc Keller präsentierte Pläne, die eine Renovierung und einen Ausbau auf 33.000 Plätze (von jetzt 29.000) des Anfang der 80er-Jahre in seinen jetzigen Ausbauzustand gebrachten Stadions. Stolze 100 Mio. Euro soll das kosten, Racing müsste davon 40 Mio aufbringen.

AS Saint-Étienne

Gegner »Association Sportive de Saint-Étienne Loire«, im Zentralmassiv in der Nähe von Lyon beheimatet und in Frankreich meist kurz »ASSE« genannt, ist das, was man gemeinhin einen »Traditionsverein« nennt. D.h.: Sie hatten mal eine glorreiche Phase in der Vergangenheit, die aber schon etwas länger her ist und haben seitdem nix mehr gewonnen…

Der 1919 gegründete Klub hatte seine erfolgreiche Phase zwischen 1964 und 1981, als neun der insgesamt 10 Meisterschaften eingefahren wurden. 1976 erreichte ASSE das Finale des Europapokals der Landesmeister, verlor aber unglücklich gegen Bayern München. Zu dieser Zeit war Saint-Étienne der populärste Klub Frankreichs. Georges Bereta, Aimé Jacquet oder Michel Platini waren bekannte Spieler der damaligen Zeit.

In der 80ern begann ein Niedergang mit finanziellen Unregelmäßigkeiten, schwarzen Kassen und gefälschten Pässen, der ASSE zu einer Fahrstuhlmannschaft zwischen erster und zweiter Liga machte. Seit dem Aufstieg 2004 spielt Saint-Étienne wieder durchgehend erstklassig und 2013 wurde mit dem Ligapokal nach 32 Jahren wieder ein Titel gewonnen.

In der letzten Saison landete das Team von Trainer Jean-Louis Gasset, der seit Dezember 2017 im Amt ist, auf Rang 7 und verpasste nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses einen Platz in der Europa-League-Quali.

Racing Club de Strasbourg vs AS Saint-Étienne 1:1

Die Meinau war zum Heimspielauftakt bis auf den letzten Platz ausverkauft, trotzdem fand das Match wie immer in entspannter Atmosphäre statt. Savoir-vivre auf dem Fußballplatz…

Saint-Étienne tauchte mit einem in Deutschland wohlbekannten Akteur auf, dem ehemaligen Dortmunder Innenverteidiger Neven Subotic. Und der sollte nach 17 Minuten gleich eine kurze und intensive Hauptrolle im Spiel übernehmen…

Racing dominierte die Anfangsphase und spielte schnell und gefällig Richtung ASSE-Tor. Racing-Eigengewächs Anthony Caci schickte in Minute 17 den pfeilschnellen Nuno da Costa steil, und Subotic riss ihn um. Da Subotic letzter Mann vor dem Tor war, sah er die Rote Karte und Racing konnte damit, wie schon in der Vorwoche in Bordeaux, über 70 Minuten in Überzahl spielen…

ASSE kam damit aber gut zurecht und unterband in den folgenden Minuten Racings Bemühungen sehr effektiv, so dass es mit 0:0 in die Pause ging.

Nach der Pause schlug in der 55. Minute die große Stunde des Anthony Gonçalves. Racings Mittelfeld-Kampfmaschine, schon seit Ligue-2-Zeiten im Team, nahm einen langen Ball des erneut präzise flankenden Youngsters Caci mit der Brust an, legte sich die Kugel selbst vor und hämmerte sie ins Netz. Das war Gonçalves‘ erstes Tor in der Ligue 1, und mit 32 Jahren und 166 Tagen ist er der älteste Tor-Debütant in der Geschichte von Racing. Glückwunsch!

Alle dachten, dass dieses Tor die Schleusen Richtung Tor von ASSE öffnen würde, ein »Jetzt geht‘s los« wurde auf den Rängen angestimmt. Aber die grün-weißen Gäste blieben cool. Racing vergab einige sehr gute Chancen und so passierte das, was in solchen Spielen immer passiert…

In der 87. Minute behinderten sich zwei Racing-Verteidiger gegenseitig, wodurch eine zu kurze Kopfballabwehr beim Gegner landete. Der flankte in die Mitte des Strafraums, wo drei Racing-Spieler nur zuschauten, als sich Makhtar Gueye die Kunstlederkugel schnappte und zum 1:1-Endstand einnetzte. Sehr ärgerlich, einmal in der Abwehr unaufmerksam gewesen und gleich mit dem Verlust von zwei Punkten bestraft!

Fazit: Ein spannendes und in der zweiten Hälfte schön anzuschauendes Match in einer guten Fußballatmosphäre. Ein Besuch in der Meinau ist aktuell immer die (kleine) Reise wert…

 

(Bewertung: Grauenvoll | Schlecht | Geht so | Gut | Exzellent)

Impressionen


Stade de la Meinau und der Sommerhimmel…

Anrennen vor der Fankurve…

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