Ballkultur

Ein Amateurklub auf dem Weg nach oben: Der Salford City FC und die »Klasse von 92«

»Salford City 2 Colwyn Bay 2 25 Aug 2015-178.jpg« / James Boyes on flickr / CC BY 2.0

[Foto: »Salford City 2 Colwyn Bay 2 25 Aug 2015-178.jpg« von James Boyes, Creative Commons Attribution 2.0 Generic Licence, thanks!]

Adam Rooney, 30-jähriger irischer Mittelstürmer des schottischen Vizemeisters FC Aberdeen, wechselte kürzlich den Verein. Was in der Sommerpause durchaus nicht ungewöhnlich ist. Aber Rooney wechselte vom potenziellen Europapokalteilnehmer aus der ersten schottischen Liga zum Salford City FC, dem Aufsteiger in die fünftklassige englische »National League« in England. Dabei soll (lt. Presseberichten) sein Gehalt auf erstaunliche 4.000 Pfund Wochengehalt verdoppelt worden sein…

Der Transfer sorgte für einige Diskussionen im englischen und schottischen Fußball-Twitter über den Salford City FC und seinen Weg. Dieser marschiert mit drei Aufstiegen in vier Jahren durch das englische Ligensystem und hat das Potenzial, ein frisches »Hassobjekt« für den kommerzkritischen zeitgenössischen Fußballkulturpessimismus zu werden.

Grund genug, einen Blick auf den Salford City FC, seinen Weg aus dem Amateurlager hinaus und die Hintergründe seines Aufstiegs in Richtung Profifußball zu werfen…

Die Geschichte des Salford City FC ist eine, für die man etwas ausholen muss, darum wird sie in den folgenden Abschnitten erzählt:

Exkurs: Das englische Ligensystem

Für die Leserinnen und Leser, die sich im englischen Ligensystem nicht so auskennen, folgt hier eine Erläuterung, da man sonst Salfords Marsch durch die Ligen nicht verstehen kann. Auskennende können den Abschnitt getrost überspringen.

An der Spitze des englischen Ligensystems stehen die vier landesweiten Profiligen. Die erste Liga, die Premier League, wird seit 1992 von einem eigenständigen Unternehmen durchgeführt. Darunter finden wir mit die Championship, League One und League Two die zweiten bis vierten Profiligen, die von »The Football League« betrieben werden. Wer in einer dieser vier Ligen spielt, spielt professionellen »League Football«.

Ab der fünften Spielklasse schließt sich der vom englischen Verband FA organisierte »Non League Football« an. Die fünfte Liga (mit der deutschen Dritten Liga wohl eher mit der deutschen Regionalliga vergleichbar) ist eine weitere englandweit ausgetragene Liga. Ab der sechsten Spielklasse wird die Ligenpyramide dann breiter und fächert sich in regionale und lokale Spielklassen auf, bis hinunter in die 24. Ligenebene.

Die Stadt neben Manchester: Salford

Da der Ort Salford den Wenigsten in Deutschland etwas sagen wird, zunächst ein paar Worte dazu. Salford ist eine 73.000-Einwohner-Stadt mit einer umliegenden Metropolregion von 230.000 Einwohnern, die sich unmittelbar nordwestlich, durch den River Irwell getrennt, an die Stadt Manchester anschließt und zu deren Großraum gehört. Im Zeitalter der Industrialisierung im 19. Jahrhundert war Salford eine dicht bebaute Arbeiterstadt mit den für England typischen Arbeitersiedlungen. Dampfgetriebene Webstühle und mächtige Hafenanlagen prägten Salford in jener Zeit. Friedrich Engels beschrieb Salford in »Die Lage der arbeitenden Klasse in England« mit den Worten:

»Ganz Salford ist in Höfen oder schmalen Gassen gebaut, die so eng sind, daß sie mich an die engsten erinnerten, die ich gesehen habe, nämlich an die schmalen Gäßchen von Genua. In dieser Beziehung ist die durchschnittliche Bauart von Salford noch bedeutend schlechter als die von Manchester, und ebenso ist es mit der Reinlichkeit.«

Da ist es naheliegend, dass die Hymne Salfords »Dirty Old Town« heißt. Das Lied wurde später von den Dubliners in den Kanon der typischen »Irish-Pub-Songs« überführt, handelt aber eigentlich von Salford…

Mit der britischen Deindustrialisierung der 80er-Jahre veränderte sich Salford beträchtlich. Der Hafen wurde 1982 geschlossen, die verfallenen Arbeitersiedlungen (siehe erstes Bild) wurden und werden nach und nach abgerissen und der Wandel von der Industriestadt hin zu Dienstleistung, Medien, Kultur und Tourismus eingeleitet. Die alten Docks sind nun ein »hipper« Kultur- und Medienhafen mit schicken Bürohäusern (siehe zweites Bild)…

[Fotos: »Thursfield Street, Salford« von Ian Roberts, Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Generic Licence und »Salford Quays from south bank of MSC, 2008.jpg« von Pit-yacker, Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported Licence, thanks!]

Professionellen Sport treibt man im Schatten der beiden Fußballgiganten aus dem benachbarten Manchester natürlich auch. Die Sale Sharks spielen in der obersten englischen Rugby-Liga. Außerdem gibt es mit den Salford Red Devils einen erstklassigen Rugby-League-Klub, man fährt auf einer Speedway-Bahn im Kreis und hat eine traditionsreiche Pferderennbahn…

1940 bis 2014: Amateurklub Salford City FC

»Salford City 2 Colwyn Bay 2 25 Aug 2015-34.jpg« / James Boyes on flickr / CC BY 2.0

Nur im Fußball war in Salford nichts los. Bis heute ist Salford die größte Metropolregion Englands ohne einen professionellen (»League«) Fußball-Klub. Erst 1940 wurde ein Fußballklub als »Salford Central« gegründet, der in den 60ern in »Salford Amateurs« umgetauft wurde. Aus dieser Zeit stammt der Spitzname »The Ammies«…

[Foto: »Salford City 2 Colwyn Bay 2 25 Aug 2015-34.jpg« von James Boyes, Creative Commons Attribution 2.0 Generic Licence, thanks!]

Der Klub schaffte es nach einigen Jahren hinauf in die höheren Amateurligen »Division One« und »Northern Premier League«, die etwa mit unseren Verbands- und Landesligen vergleichbar sind und gewann regionale Pokalwettbewerbe.

Die »Ammies« waren dabei aber stets eine Fahrstuhlmannschaft. Erst ab 2008 hielt sich der Salford City FC, wie der Klub seit 1989 heißt, stabil in der achtklassigen »Northern Premier League Division One«, ohne dabei Ambitionen nach oben zu entwickeln. Rang 11 in der Saison 09/10 war in sechs Jahren Achtklassigkeit das beste Ergebnis.

Das Groundhopper-Blog »Lost Boyos« stattete dem Salford FC zu jener Zeit (2012) einen Besuch ab und fing die leicht verstaubte Amateurklub-Atmosphäre sehr schön ein:

»I headed back to the clubhouse at half time to warm up and enjoy another pint of Crystal, and amazingly, one of the perks of non-league cropped up: I could sit by the window, next to the radiator, with a pint and still watch the game – not that that much was happening.«

Und so würden sie wahrscheinlich noch immer mit einem Schnitt von ca. 140 Zusehenden in ihrer »Northern Premier League Division One« kicken, wenn sich die Geschichte des Klubs im Jahre 2014 nicht dramatisch verändert hätte…

2014: Die »Class of ‘92« und Peter Lim

2013 wurde der langjährige Besitzer und Chairman Darren Quick, der auch in der Vereinsgaststätte Pints zapfte und 2010 sogar einmal als Interimstrainer einsprang, abgelöst. Auf und neben dem Platz begann eine unruhige Zeit für die »Ammies«. Nach einem guten Saisonstart rutschte Salford City langsam aber sicher in der Tabelle ab, und die von zwei gleichberechtigten Trainern belegte Manager-Position wurde im Saisonverlauf mehrfach umgestellt.

Doch dann änderte sich die Lage schlagartig für den kleinen Amateurklub. Im Frühjahr 2014 trat »The Class of ‘92« auf den Plan. So nennt man, nach einem ihre Geschichte erzählenden Dokumentarfilm, die Protagonisten der großen Mannschaft von Manchester United in den 90er Jahren, die allesamt aus der Region Manchester stammen und von Trainer Alex Ferguson aus der eigenen Jugend zu Topspielern geformt wurden: David Beckham, Nicky Butt, Ryan Giggs, die Brüder Gary und Phil Neville sowie Paul Scholes. Bis auf Beckham, der heutzutage in den USA unterwegs ist, macht die »Klasse von 92« auch nach der aktiven Zeit einiges gemeinsam, z.B. Immobiliengeschäfte in der Boom-Region Manchester.

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In jenem Frühjahr 2014 beschlossen sie, auch gemeinsam »was mit Fußball« zu machen und guckten sich dafür das »Fußball-Niemandsland« Salford aus. Was eine durchaus schlüssige Entscheidung war, denn einige der fünf ManUnited-Altstars haben persönliche Beziehungen zu Salford. Paul Scholes ist in Salford geboren, Ryan Giggs lebt dort seit seinem sechsten Lebensjahr, und Gary Neville spielte dort als Kind sein erstes Match für ManUnited…

Im März 2014 war die Übernahme amtlich. Butt, Giggs, die Neville-Brüder und Scholes wurden zu gleichen Anteilen Besitzer der »Ammies«. Zur Motivation dahinter sagte Ryan Giggs:

»Everyone knows how important Salford is to me, so this is an exciting acquisition that is right at the heart of what we all believe in. We want to engage the football community, use our football experience and knowledge to aspire and nurture young talent and being able to do that in Salford makes it even more exciting.«

Das sportliche Ziel der Unternehmung wurde auch klar formuliert: Man wollte möglichst schnell aus der Achtklassigkeit hinauf in den Profifußball, dessen erste Stufe in England die vierte Liga »League Two« ist. Und innerhalb von 15 Jahren soll Salford in der zweiten Liga »Championship« spielen. Phil Neville meinte dazu:

»But there is a fairytale story to this. Can we get into the Football League? Can we take Salford City as high as we possibly can? It is going to be a fantastic journey.«

Noch im Herbst des gleichen Jahres reduzierten die fünf Altinternationalen ihre Anteile auf jeweils 10% und verkauften die anderen 50% an Peter Lim. Dem Milliardär aus Singapur gehören u.a. Immobilien in Manchester, die Agentur, die die Bildrechte an Cristiano Ronaldo hält, und über 80% des FC Valencia. Lim unterhält eine enge Beziehung zu Gary Neville, die ihn in der Saison 15/16 zu der schlechten Idee verleitete, den im Hauptberuf als »TV-Pundit« für Sky arbeitenden Neville zum Trainer des FC Valencia zu machen. Dieses Experiment endete in einem totalen Desaster und dem Beinahe-Abstieg des FC Valencia…

2014 bis 2018: Der Marsch durch die Ligen

Der erste Aufstieg 14/15

Innerhalb eines Jahres hatte sich die Lage der »Ammies« radikal geändert: Aus einem jahrelang gemütlich in der achten Liga dümpelnden Amateurverein, der von 12 Ehrenamtlichen »geschmissen« wurde, war plötzlich ein »Investmentverein« von legendären Ex-Fußballprofis mit den entsprechenden medialen Begleiterscheinungen geworden…

Das Medieninteresse wurde von der 92er-Klasse natürlich noch angestachelt. Zur Feier der Übernahme wurde gleich einmal ein Freundschaftsspiel zwischen Salford City und einem Team mit ex-ManUnited-Größen aus dem Dunstkreis der »Class of 92« durchgeführt. Und die BBC drehte 2015 und 2016 eine Dokumentarserie über die neuen Zeiten bei Salford unter dem Namen »Class of '92: Out of Their League«. Diese kann man teilweise auf Youtube anschauen, insbesondere die erste Episode aus der Zeit nach der Übernahme ist ausgesprochen sehenswert.

Auch sonst gab es einige Veränderungen: Das Logo wurde modifiziert, der Löwe stand nun auf schwarzem Grund. Und die Vereinsfarben wurden von Orange/Schwarz zu Rot/Weiß/Schwarz geändert.

Personell und sportlich blieb zunächst alles beim Alten. Als jedoch zur Halbzeit der ersten Saison unter neuer Präsidentschaft 14/15 eine sportliche Krise hereinbrach, die das Ziel »Aufstieg« gefährdete, musste der noch vom vorherigen Vorstand übernommene Trainer Phil Power gehen und wurde nach kurzer Interimsphase durch das Duo Anthony Johnson and Bernard Morley ersetzt, die auf ihren vorherigen Stationen bewiesen hatten, dass sie mit Non-League-Klubs aufsteigen können. Das war ein Volltreffer, Salford gewann 15 der 17 verbliebenen Saisonspiele und stieg als Tabellenerster in die siebtklassige »Northern Premier League Premier Division« auf.

Der nächste Aufstieg und ein Pokaltriumph 15/16

Die folgende Saison 15/16 startete gleich wieder erfolgreich. Nach 25 Jahren marschierten die »Ammies« in die erste Runde des FA-Cups und schlugen sensationell als Siebtligist das viertklassige Traditionsteam Notts County mit 2:0.

Das war auch noch live in der BBC zu sehen, zusätzlich startete die oben erwähnte Doku-Serie – Salford City und seine berühmten Eigentümer waren in aller Munde. Am Ende der Saison 15/16 ging es als Tabellendritter in die in England üblichen Aufstiegs-Playoffs, die in einem dramatischen Play-Off-Finale gegen Workington AFC endeten. Die »Ammies« lagen im entscheidenden Spiel bereits 1:2 zurück, drehten die Partie zu einen 3:2-Sieg und stiegen in einer Jubelorgie erneut auf…

Mit dem Pokalspiel und dem dramatischen Aufstieg erlebte Salford die bis dato größten Spiele der Geschichte in einer Saison. Man wird im Mai 2016 nicht viele alte Fans der »Ammies« gefunden haben, die die Übernahme und ihre Folgen schlecht einschätzten…

Mitte 2016 hatte man bereits nach zwei Spielzeiten die Hälfte des Wegs in den Profifußball zurückgelegt und mit der sechstklassigen »National League North« die höchste Ligenzugehörigkeit der Vereinsgeschichte erreicht.

Der Klub wurde zwar zunehmend professioneller, Trainer und Spieler waren aber noch stets »Amateure« (natürlich verdienten sie mit dem Fußball längst Geld), die neben dem Fußball noch einer »normalen« Arbeit nachgingen.

Vollprofitum und der Aufstieg in die National League 17/18

Dieses Konzept stieß in der Saison 16/17 an seine Grenzen. Man spielte zwar auch als Aufsteiger in die sechste Liga dort gleich vorne mit, verpasste aber als Tabellenvierter knapp den nächsten Aufstieg. Als Konsequenz wurde das Erfolgstrainerduo Johnson/Morley ebenso wie die Spieler mit Profiverträgen ausgestattet – Salford spielte die Saison 17/18 erstmals als Vollprofiteam!

Auch im Umfeld wurde eifrig professionalisiert. Das Stadion »Moor Lane«, vorher eher ein Sportplatz mit einer Tribüne (wie man in dem Video oben oder dem ersten Foto unten schön sehen kann) mit einer Kapazität von 1.400 Zusehenden, wurde mit (erweiterbaren) modernen Tribünen versehen (zweites Bild) und bietet nun 5.100 Zusehenden Platz

[Fotos: »Moor Lane, Salford City FC« von SteHLiverpool, Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic Licence und »File:Peninsula Stadium.jpg« von Salford City FC, Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International Licence, thanks!]

Die Professionalisierung zahlte sich aus. Salford spielte eine souveräne Runde und verlor in der langen Saison mit 42 Spielen (22 Mannschaften spielen in der National League North) nur sieben Spiele, am vorletzten Spieltag wurde der Aufstieg in die höchste »Non League« »National League« klargemacht.

Was natürlich erneut die höchste Ligenzugehörigkeit der Vereinsgeschichte sein wird. Gary Neville meinte nach dem Aufstieg:

»Champions! Salford City Football Club, three promotions in four years. An unbelievable achievement.«

2018: Die letzte Hürde vor dem Profifußball

Neue Trainer, neue Spieler

Damit sind die »Ammies« innerhalb von vier Jahren in der höchsten »Non League« angekommen. Die fünftklassige »National League« wird landesweit mit 24 Teams ausgespielt, der Meister steigt in die »League Two« und damit in den »League«-Fußball auf, die Klubs auf den Rängen 2 bis 5 müssen in einer Play-Off-Runde einen zweiten Aufsteiger ermitteln.

Überraschend trennten sich der Verein und das seit der Saison 14/15 (s.o.) amtierende Erfolgstrainerduo Anthony Johnson und Bernard Morley nach dem dritten Aufstieg in vier Jahren am Montag nach dem Saisonende. »Unüberbrückbare Differenzen« über monetäre Dinge sowie »hochgezogene Augenbrauen« über ihre manchmal etwas unorthodoxen taktischen Herangehensweisen sollen die Gründe gewesen sein, las man in der Presse.

Nachfolger wird mit Graham Alexander ein Coach, der 2012 schon mit Fleetwood Town einen ähnlichen Marsch durch die Ligen hinauf in den »League Football« erfolgreich absolviert hatte.

Auch die Mannschaft wird umgebaut, was uns wieder zurück an den Anfang dieses kleinen Blogtextes bringt. Die spektakulärste Neuverpflichtung des Sommers war sicherlich Aberdeens Stürmer Adam Rooney, der sich, statt Europapokal mit dem schottischen Vizemeister zu spielen, lieber für die fünfte Liga mit den »Ammies« entschied, und das angeblich mit verdoppelten Bezügen. Ein weiterer hochkarätiger Neuzugang war Mittelfeldspieler Danny Lloyd von Peterborough, der ebenso wie Torwart Chris Neal (Fleetwood), Verteidiger Nathan Pond (ebenfalls Fleetword) und Stürmer Rory Gaffney (Bristol Rovers) aus der drittklassigen »League One« kamen.

Eines scheint sicher: Salford wird eine gute Mannschaft an den Start bringen und um den Aufstieg mitspielen…

Rezeption und Kritik

Und wie das immer so ist, wenn ein Verein aus den Niederungen des (Halb-)Amateurfußballs nach oben strebt und dabei nicht auf den Penny (oder Cent) schauen muss: Es gibt Leute, denen das nicht gefällt und von denen solche Vereine dann umgehend unter den Verdacht des »Erfolg kaufen« gesetzt werden. Das ist in England nicht anders als hierzulande, auch wenn das in einem Land, in dem die »Vereine« seit 130 Jahren Kapitalgesellschaften sind, nicht so stark ausgeprägt ist.

Die ManUnited-Fansite »Read Man Utd« schrieb:

»The whole takeover sort of leaves a bad taste in your mouth. (…) Even if they (die 92er-Klasse) or Lim are prepared to spend what’s necessary to take the club to the top, the success would feel a bit hollow for those who’ve been there since the beginning.«

Was aus der Ecke von Anhängern des Glazer-Klubs ManUnited schon ein komisches Argument ist…

Wenn ein Klub nach oben strebt, muss dafür natürlich ein anderer runter. So beschwerte sich der Besitzer von Accrington Stanley, Andy Holt, nach dem Rooney-Transfer auf Twitter:

»Who’s place in the football league is @GNev2 going to steal with this piss take.«

»@GNev2«, Gary Neville, der als »Sprachrohr« der 92er-Klasse und des Investors Peter Lim in der Öffentlichkeit agiert, ließ sich nicht lange bitten und antwortete:

»Steal! I hope it’s yours now!5 ex players have matched all investment with our co-owner to build a stadium, build a successful team in a city we love and invest in football. We’ve invested millions. You seem to want a franchise league where the established can’t be challenged!«

Und schon war ein wunderschönes Twitter-Wortgefecht im Gange

Auch »The Football Pink« beschäftigte sich mit Salford:

»But perhaps Salford’s crime is spending too much money? While richer teams are begrudgingly accepted, could it be said that they’ve crossed a theoretical line between acceptable and unacceptable? Possibly, but then don’t Fleetwood Town deserve the same scorn? (…) What Salford is doing is nothing unique, but where they win others lose, and those losers are historic, storied clubs like Droylsden, surviving on scraps as the new kids on the block spend money and draw the undivided attention of local communities. It’s wrong to hate the player when there are so many, but when it causes damage like this it’s certainly okay to hate the game.«

Man braucht keine große Fantasie: Wenn die »Ammies« auch in der nächsten Saison so weiterklettern wie in den letzten vier Jahren, wird dem zeitgenössischen fußballkulturpessimistischen Diskurs ein weiteres Feindbild und »warnendes Beispiel« hinzugefügt werden…

Entscheidend ist auf dem Rasen…

In der nächsten Woche startet die »National League« in ihre 42 Spieltage lange Saison, dann wird man sehen, ob Salford auch mit neuem Trainer und neuer Mannschaft auf dem Erfolgskurs bleibt.

Das erste Match findet »ausgerechnet« gegen Leyton Orient statt. Der traditionsreiche Stadtteilklub aus London hat in den letzten Jahren genau die gegenteilige Entwicklung im Vergleich mit den »Ammies« genommen. Personelle Querelen und finanzielle Probleme führten dazu, dass Orient in diesem Jahr nach 112-jähriger ununterbrochener Zugehörigkeit zum »League Football« aus eben jenem abstieg. Ein schöneres Duell »neureicher Emporkömmling vs heruntergekommene Tradition« hätte sich kein Spielplanplaner ausdenken können…

Wir werden hier im Blog in dieser Saison ein Auge auf die Entwicklung des interessanten Projekts Salford City FC haben und die Entwicklungen von Zeit zu Zeit beleuchten…

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