Spielbetrieb

Kröten und Joghurt

Kröten wandern im Grünen…

Das war nix: Wie erwartet, war die bewusst angestrebte Nullnummer des KSC im Relegationshinspiel gegen Wismut Aue mitnichten eine »gute Ausgangsposition«, sondern spielte der Heimmannschaft im Rückspiel in die Karten. Damit ist der Versuch des direkten Wiederaufstiegs gescheitert, was den Verein vor die Herausforderung einer weiteren Saison in der Pleite- und Grottenfußball-Spielklasse »Dritte Liga« stellt…

Wismut Aue vs KSC 3:1

Das Relegations-Rückspiel nahm bekanntlich ein ungutes Ende, 3:1 ging der KSC im fernen Osten des Erzgebirges unter und war damit noch gut bedient (kicker-Spielbericht, DAZN-Video-Zusammenfassung auf Youtube). Alois Schwartz hat in seiner Zeit als KSC-Trainer sehr vieles richtig gemacht. Der Versuch, sich durch die Relegation nach oben zu mauern, gehört allerdings eher nicht dazu…

Andererseits bekam der KSC vom 40-Punkte-Zweitligisten Aue auch klar die spielerischen Grenzen aufgezeigt. Das Offensivspiel wurde von Aue über 180 Minuten (mit Ausnahme des Eckballs zum vom Spielverlauf her überraschenden 1:1 im Rückspiel) fast komplett abgemeldet. Das übliche Rezept »hinten dicht und dann schnell umschalten mit langem Ball nach vorne« wurde von Aue druckvoll unterbunden. Dazu kam, dass viele der KSC-Akteure beim Rückspiel einen schlechten Tag hatten und der Gegner aus Aue auf dem Punkt »da« war. Aue war defensiv, offensiv, kämpferisch und individuell (der dreifache Torschütze Sören Bertram!) eine Nummer besser, von daher: Glückwunsch zum Klassenerhalt nach Aue.

Natürlich kann man ob der gefühlten Ungerechtigkeit nun »Relegation abschaffen« hinaus twitter-touretten. Aber der Modus ist wie er ist und der KSC ist in 10 Relegationen zwischen Dritter und Zweiter Liga erst der dritte Drittligist, der in der Relegation scheitert. Da war man halt einfach nicht gut genug…

Und nun?

Damit steht nun eine weitere Saison in der Dritten Liga auf dem Programm. Der Weg zurück in den DFL-bezahlten Fußball gleicht einer Krötenwanderung, zumal der Verein chronisch »wenige Kröten« im Geldbeutel hat. Deshalb muss in einer weiteren Saison Dritte Liga der berühmte Gürtel noch enger geschnallt werden…

Entsprechend verkündete Präsi Wellenreuther bei ka-news:

»Es ist jedes Jahr ein Drahtseilakt, dass wir die Lizenz erhalten; und wir tun alles dafür.«

Die Wortwahl darf durchaus eine leichte Unruhe auslösen…

Der Etat wird weiter sinken. Die zweite Mannschaft wurde aus Kostengründen bereits abgemeldet. Und man wird wohl nicht nur durch den Verkauf eines oder mehrerer potenziell ablöseträchtiger Spieler (Upphoff, Mehlem, Muslija) Einnahmen generieren, sondern auch durch eine Verkleinerung des Kaders Kosten sparen müssen. Immerhin wird es noch Joghurt geben, Sportdirektor Oliver Kreuzer meinte bei ka-news:

»Wenn du einsparen musst, fängst du nicht beim Joghurt an. Bei Personalkosten kannst du eigentlich am meisten einsparen. Da ist besprochen, dass die Kosten des Kaders nach unten gehen.«

Es sollte allen klar sein, dass man so nicht ewig weiterwirtschaften kann. »Wir sind der große KSC, haben mal Valencia 7:0 geschlagen, und der DFB ist doof weil er uns in der Dritten Liga zu wenig TV-Geld gibt« ist auf die Dauer keine Basis einer vernünftigen Finanzierung eines Profifußballvereins. Genausowenig wird das neue Stadion (falls es nicht durch den Nichtaufstieg wieder gekippt wird, in der Karlsruher Lokalpolitik ist alles denkbar…) »einfach so« Horden von Zusehenden anlocken und Sponsoren und Einnahmen generieren…

Neue professionelle Strukturen mit Ausgliederung (und ggf. Investoren) werden kommen müssen, auch wenn der traditionalistisch-fundamentalistische Flügel der »Fan-Szene« dann lautstark den bei solchen Fragen üblichen Rabatz machen wird. Aber der Status Quo beim KSC, bei dem der per Schuldscheine den Kollaps verhindernde Vizepräsident öffentlich verkündet, dass er das nur mit dem aktuellen Präsi macht, ist schon jetzt eher eine Karikatur des im deutschen Fußball so hochverehrten »demokratischen Mitgliedervereins«. »Klar kannst Du einen anderen wählen, dann gehst Du halt Pleite…«

Auf ein Neues in der Saison 18/19!

Auf ein Neues in der Saison 18/19…

Das Gute am Fußball ist, dass nach jeder beendeten Saison wieder eine neue beginnt. Also gibt es ab Ende Juli einen neuen Anlauf, mit frischen Kräften in die Zweite Liga zurück zu kehren. Und dieses Mal sollte die Krötenwanderung gelingen. Denn je länger man in der Dritten Liga verweilt, desto schwerer wird die Rückkehr und das Schicksal vieler für immer zwischen Dritter und Regionalliga dümpelnder »Traditionsvereine« dräut. Und das wollen wir ja nicht, oder?

ksc saison-2017-2018 dritteliga relegation

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