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Landesliga-Spitzenspiel: FC 07 Heidelsheim vs ATSV Mutschelbach 0:2 – 6.5.2018

FC 07 Heidelsheim vs ATSV Mutschelbach 0:2

Sonntag ist Sportplatztag! Zumal die Saison ja bald vorbei ist. Also muss man sehen, dass man ein bisschen was mitnimmt. Dieses Mal stand das absolute Spitzenspiel in der Landesliga Mittelbaden auf dem Programm. Im Bruchsaler Ortsteil Heidelsheim traf der zweitplatzierte örtliche FC 07 auf den Spitzenreiter ATSV Mutschelbach. In einem engen Spiel setzte sich der ATSV mit 2:0 durch und hat damit wohl den entscheidenden Schritt Richtung Verbandsliga-Aufstieg gemacht…

Duell der Topteams der Landesliga Mittelbaden

Die Landesliga Mittelbaden ist im Ligensystem die siebte Liga und unterhalb der Verbandsliga angeordnet. Die aktuelle Saison wird von den beiden Teams dominiert, die bei unserem Sonntagsspiel zum Spitzenspiel aufeinander trafen.

FC 07 Heidelsheim

Der FC 07 aus Heidelsheim, einem 1974 eingemeindeten Vorort von Bruchsal, entstand 1946 durch die Fusion zweier Vereine, der 1907 gegründeten Freien Turnerschaft (darum die »07«) und dem FC 1919. 2001 ging es erstmals für ein Jahr hoch in die Verbandsliga. Nach dem Wiederaufstieg 2007 bis zum Abstieg 2015 gehörte der FC 07 zum »Stammpersonal« der Verbandsliga. Nach einer schwachen Vorsaison (es reichte nur zu Rang 11) ist man in der aktuellen Landesliga wieder vorne mit dabei und hatte vor dem Topspiel in 20 Spielen nur zweimal verloren. Der Platz 2, der zum Aufstiegsspiel in die Verbandsliga berechtigt, ist bei 10 Punkten Vorsprung fast schon so gut wie sicher. Im Topspiel gegen den ATSV Mutschelbach hätte das Team von Trainer Hrvoje Erceg, der (wie Sportjournos sagen würden: »ausgerechnet«) bis 2016 vier Jahre lang ebendort Trainer war, mit einem Sieg sogar den Tabellenführer stürzen können. Saisonziel ist natürlich der Aufstieg, um wieder mit dem Lokalrivalen 1. FC Bruchsal »ligenmäßig« gleichzuziehen…

ATSV Mutschelbach

»Mutschelbach« ist ein lustiger Ortsname, der irgendwie schon nach »Dorffußball« klingt. Davon darf man sich aber nicht täuschen lassen, denn der ATSV ist ein ambitioniert aufgezogenes »Projekt«.

Der Ort Mutschelbach ist ein Teil der bei der Gemeindereform 1971 entstandenen »künstlichen« Gemeinde Karlsbad (nicht zu verwechseln mit der durch die »Karlsbader Beschlüsse« berühmt gewordenen gleichnamigen böhmischen Stadt, die heute tschechisch »Karlovy Vary« heißt!). Die zu Karlsbad »zwangsweise« vereinten Dörfer leben aber bis heute ihre eigene Identität aus und »Karlsbad« ist im Grunde nur ein Verwaltungskonstrukt. Was sich auch im Fußball zeigt. Neben dem ATSV treiben sich alle Ortsteile Karlsbads mit ihren eigenen Vereinen in den Ligen Badens und Karlsruhes herum: SV Spielberg (Oberliga), SV Langensteinbach (Konkurrent des ATSV in der Landesliga), TSV Auerbach (Kreisliga Karlsruhe) und VfR Ittersbach (Kreisklasse B2 Karlsruhe).

Man nennt Mutschelbacher übrigens die »Schmierbrenner«, weil die nach dem Dreißigjährigen Krieg im 18. Jahrhundert angesiedelten Waldenser-Familien aus Kiefernsaft Wagenschmiere brannten…

Der Arbeiter- Turn- und Sportverein 1904 Mutschelbach ist eigentlich erst 1947 gegründet worden, beruft sich aber in seiner Historie auf einen 1904 gegründeten Turnverein Untermutschelbach, der 1942 seinen Betrieb einstellte und nur Turnen und Chorgesang im Angebot hatte. Seit 1948 spielt man in Mutschelbach auch organisiert Fußball. 2014 ging es hinauf in die Landesliga, und in dieser scheiterte der ATSV in den beiden letzten Spielzeiten als 3. und 2. nur knapp am Aufstieg in die Verbandsliga. In der aktuellen Saison soll dieser endlich gelingen, mit nur einer Niederlage und 65 Toren in 20 Spielen sind die »Schmierbrenner« klar auf Aufstiegskurs.

Hinter dem Aufschwung Richtung Verbandsliga steckt ein Netz von lokalen und regionalen Unternehmen als »Premium- und Exklusivsponsoren« unter der Führung des Supermarkt-Unternehmers Helmut Piston und der Mutschelbacher Unternehmerfamilie Konstandin. Diese sorgen nicht nur für eine (für einem Verein dieser Größe) beeindruckende Infrastruktur, sondern stellen auch einige der Spieler in ihren Unternehmen an. Von den Konkurrenten wird der ATSV deshalb auch gerne einmal als »Geldklub« bezeichnet…

Obwohl der ATSV die ganze Saison an der Tabellenspitze verbracht hat, trennte man sich kürzlich von Trainer Stefan Ronecker im »beiderseitigen Einvernehmen«. Bis zum Ende der Saison sitzt Mirko Schneider (»ausgerechnet« der Ex-Trainer von Gegner Heidelsheim…) auf der Bank. Im Sommer übernimmt der KIT-Hochschulsportleiter und aktuelle Trainer des Süd-Verbandsligisten 1. SV Mörsch Dietmar Blicker (den wir vor einigen Monaten auch besucht haben) den Posten beim ATSV.

FC 07 Heidelsheim vs ATSV Mutschelbach 0:2

Zunächst einmal ging es für den ATSV aber darum, durch einen Sieg beim Zweitplatzierten FC 07 Heidelsheim die erste Saisonniederlage (1:2 beim 1. FC 08 Birkenfeld) vergessen zu machen. Dazu ging es ins Kraichgaustadion nach Heidelsheim, sehr verkehrsgünstig etwa 500 Meter vom S-Bahn Haltepunkt »Heidelsheim Nord« (»Zug hält nur bei Bedarf«) gelegen. Ein Blick auf den Parkplatz vor dem Stadion verriet aber, dass für einen beträchtlichen Teil des Publikums ein ebenso edles wie großvolumiges Automobil das Verkehrsmittel der Wahl zum Sonntagskick ist. Hier im ländlichen Baden-Württemberg ist halt das Geld daheim…

Mit 4 Euro Eintritt war man beim Landesliga-Kracher dabei. Schätzungsweise um die 300 Zusehende legten diese auf den Tisch…

Das Spitzenspiel entpuppte sich aber als zähe Angelegenheit. Der Matchplan des Gast aus Mutschelbach war offensichtlich »Mittelfeld dichtmachen und geduldig auf Torchancen warten«. Und das funktionierte leider sehr gut, das Spiel bot zwar einen mit hohem Aufwand geführten Fight im Mittelfeld, Torraumszenen waren aber Mangelware. In der 22. Minute gelang den »Schmierbrennern« dann die Umsetzung ihres Matchplans: ATSV-Torjäger Erich Strobel wurde im Strafraum gelegt (oder besser, »nahm das Foul des Gegners an«), Kollege Tobias Stoll verwandelte den Elfmeter souverän (FUPA-TV). Und die mitgereisten Fans konnten ihre Schals mit dem Weltklasse-Motto »Die Macht an der A8« erfreut in die Höhe recken…

Mutschelbach kontrollierte das Spiel nun und erspielte sich ruhig und souverän, »im Stile einer Spitzenmannschaft«, diverse gute Chancen heraus. War dabei aber zu nachlässig in der Chancenverwertung.

Nach der Pause schaltete der ATSV in den »Verwaltungsmodus«. Das Spiel blieb zwar theoretisch eng durch die knappe 1:0-Führung und die Heidelsheimer gaben sich alle Mühe und hielten gut dagegen. Aber mehr als halbgare Abschlussversuche von außerhalb des Strafraums (exemplarisch dieser Versuch (FUPA-TV)) kamen dabei nicht herum. »Im zweiten Abschnitt haben wir es leider nicht geschafft unsere spielerische Überlegenheit zu nutzen. Die bessere Mannschaft hat leider verloren« sagte der sportliche Leiter des FC 07, Jens Maier, nach dem Spiel. Diese Sichtweise hat er aber relativ exklusiv. Mutschelbach ließ die Heidelsheimer ein wenig kicken, hielt sie aber vom Strafraum fern. Ein klassischer Fall von »Scheinüberlegenheit«.

Den Schlusspunkt setzte in der Nachspielzeit der Landesliga-Toptorjäger Erich Strobl. Der ehemalige KSC-Akteur vollendete mühelos die wunderbare Vorarbeit seines Mitspielers Yousuf Freeman zum 2:0-Endstand (FUPA-TV).

Fazit: Ein idyllischer Ground und gutes Wetter, aber ein etwas zu souverän vom Favoriten heruntergespieltes Match. Man hatte nach der 1:0-Führung trotz des bis in die Nachspielzeit knappen Spielstands nie das Gefühl, dass der heimische FC 07 das noch einmal drehen würde…

Der ATSV wird sich mit nunmehr 6 Punkten Vorsprung bei noch fünf ausstehenden Spielen den Spitzenplatz wohl nicht mehr nehmen lassen, dazu macht das Team auch einen viel zu »abgezockten« Eindruck.

Impressionen

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