Matchday

Elendskick im Talkessel: VfB Stuttgart vs Borussia Mönchengladbach 1:0 – 11.2.2018

VfB Stuttgart vs Gladbach 1:0

Nach über einem Jahr ging es »aus Gründen« mal wieder hinaus zu einem Bundesliga-Spiel mit Beteiligung der Gladbacher Borussia. Das Gastspiel beim VfB Stuttgart im Talkessel östlich von Karlsruhe stand auf dem Programm. Und als wollten die 22 Akteure auf dem Rasen jegliche Skepsis in Sachen »sportliche Qualität der Bundesliga« eindrucksvoll bestätigen, legten sie ein äußerst dürftiges Spiel hin, das bereits nach fünf Minuten entschieden war und 1:0 für den VfB endete…

Mittelmaß in einer mittelmäßigen Liga

Wie schon im Jahresrückblick erwähnt, die Lust auf Bundesliga im allgemeinen und Gladbach-Spiele im speziellen hat im letzten Jahr schwer nachgelassen. Die Diskussion um die Qualität der Bundesliga (dazu hat dieses kleine Blog im Oktober etwas zu sagen gehabt) nimmt aktuell ordentlich Fahrt auf, und das in Medien aller Art. Hinter Bayern gähnt uns ein gewaltiges Qualitätsloch an, neun wenig konstante Teams liefern sich ein Schneckenrennen um die Europapokalplätze.

Eines davon ist die Borussia aus Mönchengladbach, die qualitativ und in Sachen Spielkultur nur noch ein Schatten der vergangenen glorreichen Zeiten unter Lucien Favre oder auch nur der ersten Saison unter André Schubert ist. In der Hinrunde hielt die Elf vom Niederrhein noch gut mit den anderen »Schnecken« mit, ohne dabei übermäßig zu überzeugen. In der Rückrunde ist aber der Wurm drin. In vier Spielen gab es nur einen Sieg, und auswärts verlor man zuletzt viermal hintereinander…

VfB Stuttgart vs Gladbach 1:0

Trotzdem sind die Borussen-Fans (noch) unverdrossen. Auf dem Weg zum Stadion, in der Bahn und auf den Tribünen im Stadion sah man reichlich Schwarz-Weiß-Grün. Sie halfen mit, das vor ein paar Jahren zum x-ten Mal umgebaute Neckarstadion mit fast 53.300 Zusehenden sehr gut zu füllen.

Der Aufsteiger VfB Stuttgart hat aktuell auch keine sonderlich gute Zeit. Zwar ist es eigentlich normal, als Aufsteiger im ersten Jahr im unteren Drittel mitzumischen und den Klassenerhalt als einziges Saisonziel zu haben. In Stuttgart hält man sich aber für einen potenziellen Europapokalteilnehmer, der gerade nur mal eine kleine Durststrecke hat. Das sah man auch sehr schön, als neulich ein neuer Trainer als Nachfolger für den entlassenen Aufstiegstrainer Hannes Wolf gesucht wurde. In Social Media wurde allen ernstes über Trainer mit internationalem Anspruch wie Thomas Tuchel oder Lucien Favre als Nachfolger spekuliert. Bekommen hat man schließlich Tayfun Korkut. Die Fußball-Realität Anno 2018 ist hart…


Anstoß

Nachdem in der Cannstatter Kurve wichtige »50+1-Protesttapeten« hochgehalten wurden, durfte auch Fußball gespielt werden. Was man in Reihen der Elf vom Niederrhein nicht so richtig mitbekommen hatte. Die Stuttgarter drängten die schläfrigen Borussen von Beginn an in den eigenen Strafraum zurück. Ein erster Warnschuss von Gentner nach vier Minuten, als ein Cluster von Gladbachern den Ball nicht wegbekam, ging noch knapp am Tor vorbei…

Eine Minute später ließ Jonas Hofmann einen Ball von Jantschke etwas nachlässig durch seine Beine passieren, so dass der hinter ihm lauernde Insua die Kugel bekam und kraftvoll nach vorne beförderte. Über einen schönen Pass von Gomez, an dem Kramer elegant vorbeigrätschte, kam der Ball zum von Gladbacher Abwehrspielern relativ unbehelligten Ginczek, der trocken zum 1:0 nach fünf Minuten einschoss…

Und das war es dann auch mit diesem Spiel. Der VfB konzentrierte sich fortan auf das Verteidigen der Führung. Und die Borussia befreite sich nur langsam aus der Schläfrigkeit der Anfangsphase. Es dauerte bis zur 26. Minute bis zu einer richtigen Torchance, bei der sich Hazard frei vor dem Tor stehend, von einem Torwart-Abpraller überrascht, fast selbst die Beine brach

Auch die VfB-Angriffsbemühungen waren nicht von Erfolg gekrönt, es gab viele Fehlpässe und lange Bälle ins Aus zu »bewundern«. Wer Bildmaterial zum Illustrieren der spielerischen Krise der Bundesliga benötigt, sollte sich eine Aufzeichnung dieses Spiels besorgen…

Zur zweiten Hälfte wechselte Hecking den wiedergenesenen Raffael für den etwas indisponierten Grifo ein. Hazard rückte auf den Flügel, und das Sturmduo Stindl und Raffael erarbeiteten sich ein paar Chancen. Die beste davon war eine schöne Direktabnahme von Raffael an der Strafraumgrenze nach einer Ecke von Hazard. Hecking wechselte noch Drmic und Bobadilla ein, was für das Angriffsspiel aber eher kontraproduktiv war. Den Abschlüssen der Fohlenelf fehlte es, wie schon seit Wochen, an Präzision…

So schafften es die Schwaben tatsächlich, ihre 1:0-Führung über 95 Minuten ins Ziel zu bringen. 20 Minuten einigermaßen brauchbarer Gladbacher Fußball in der 2. Hälfte waren gegen die wacker kämpfenden Schwaben einfach zu wenig, insbesondere wenn man aus den spärlichen eigenen Chancen so wenig macht.

Dem Gladbacher Auswärtsblock gefiel diese Vorstellung ganz und gar nicht. Als sich die Mannschaft nach dem Spiel dem Gästeblock näherte, hagelte es Pfiffe, ein paar Bierbecher und (Plastik-)Fahnenstangen, so dass das Team aus seiner sicheren Entfernung wieder gen Kabine abdrehte…

Fazit: Ein Spiel wie gemalt, um die eigenen Einschätzungen der aktuellen Qualität der Bundesliga bestätigt zu bekommen. Im Grunde hätte man nach fünf Minuten gehen können, ohne groß etwas zu verpassen…

Und die Borussia? Steht nun auf Rang 10 und damit nicht einmal mehr in Eberls ebenso dogmatischer wie berühmt-berüchtigter »Einstelligkeit«. In fünf Rückrundenspielen gab es vier Niederlagen, seit drei Spielen wurde kein Tor mehr geschossen. In den 10 Pflichtspielen seit dem Sieg gegen Bayern gab es nur zwei Siege und es wurden nur 9 Tore erzielt, drei davon auch noch in einem Spiel gegen den HSV…

In dem einen Jahr unter der Ägide von Dieter Hecking gibt es keine positive Entwicklung zu sehen, im Gegenteil. Die Defensive, die er der Legende nach stabilisiert haben soll, kassiert mehr Tore als unter André Schubert. Im Sturm herrscht Flaute. Das Team spielt in fast jedem Spiel »Teilzeit« und verfällt regelmäßig in einen verwaltenden Breitband-Stand-und-Querpass-Fußball. Und das selbst, wenn es wie in Stuttgart gar nichts zu verwalten gibt. Trainer raus? Ich will es mal so sagen: André Schubert wurde von den Borussia-nahen Internet-Portalen/-Blogs/-Podcasts einst für deutlich weniger angezählt…

Und was es nicht einmal in den finstersten Zeiten des Abstiegskampf gegeben hat: Langjährige Borussen-Fans verlieren das Interesse an Gladbach-Spielen, weil die für das »Fansein« essenzielle Identifikation mit sportlicher Führung, Trainer und der Mannschaft nicht mehr vorhanden ist. Die im Vereinsumfeld herumwabernde vorzeitige Vertragsverlängerung mit Dieter Hecking könnte die explosive Stimmung zum endgültigen Eskalieren bringen. Interessante Zeiten bei Borussia…

Impressionen

Tempoarmer Kick im Neckarstadion…

gladbach bundesliga stuttgart saison-2017-2018

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