Miszellen

2017

Collage von Fotos einiger Stadionbesuche des Jahres 2017

I bims (wie man angeblich 2017 lt. »Jugendwort des Jahres« so sagte), der alljährliche kleine Jahresrückblick! Die Inkrementierung des willkürlich gesetzten Etiketts für einen Umlauf der Erde um die Sonne steht schon wieder an! Und wie 2016 und 2015 soll auch dieses Jahr aus einer höchst subjektiven Perspektive ein kleiner Rückblick auf die »Stadionbesuche des Jahres« sowie die Entwicklungen des Fußballs 2017 geworfen werden…

Von Spiel zu Spiel…

42 Spiele in 4 Ländern wurden 2017 angeschaut und verbloggt. Von der Primera Division bis zur Karlsruher Kreisliga B Staffel 2 war alles dabei. Auch wenn die Stadionbesuche »vor der Haustür« im Wildpark eine ganzjährige Konstante sind, wurde das Motto »die Fußballwelt ist zu groß und zu bunt, um immer nur dasselbe anzuschauen« nach Kräften gelebt.

Da dieses kleine Blog nun den dritten Jahreswechsel erlebt, soll die Tradition (denn was wäre Fußball ohne die glorreiche Tradition?) der »Stadionbesuche des Jahres« auch für 2017 fortgesetzt werden (wie 2016 und 2015).

Der erfolgreichste Stadionbesuch

Der sportlich erfolgreichste Stadionbesuch war der bei unseren Freunden von Racing Strasbourg gegen Le Havre Ende April. Nach einer großartigen Saison, die Racing als Aufsteiger aus der drittklassigen »National« in die umkämpfte Spitzengruppe der Ligue 2 geführt hatte, brachte dieser Sieg im vorletzten Heimspiel die Rückkehr in die Ligue 1 zum Greifen nah. Die Blauen ließen sich das nicht mehr nehmen und spielen nun in der Hinrunde sehr ordentlich in der Ligue 1 mit. Es ist jedesmal eine Freude dieser Mannschaft zuzuschauen, egal ob im Stadion oder in DAZN. An ihrer Mentalität, die »Aufgeben« nicht kennt, kann sich manche deutlich besser besetzte deutsche Erstligamannschaft einiges abschauen…

Der enttäuschendste Stadionbesuch

»Man muss im Leben wählen zwischen Langeweile und Leiden« stellte schon im 19. Jahrhundert die Schriftstellerin Madame de Staël fest. Sie kannte den KSC nicht, dessen Heimspieljahr 2017 sich als perfekte Mischung aus Langeweile und Leiden präsentierte. Symbolisch für ein garstiges Karlsruher Fußballjahr 2017 steht das 1:3 gegen den 1. FC Kaiserslautern am 29. April, das den Abstieg in die Dritte Liga perfekt machte…

Bei 14 Heimspiele des Karlsruher SC in der Zweiten und Dritten Liga war ich 2017 dabei. Noch nie in meinem (doch schon einige Jahrzehnte währenden) »Fußballguckerleben« habe ich so viele schlechte Fußballspiele in einem so kurzem Zeitraum gesehen. Besonders die Rückrunde der Abstiegssaison aus der Zweiten Liga war bis auf wenige Ausnahmen weitestgehend ungenießbar.

Eine Liga tiefer und nach einem weiteren Trainerwechsel stimmen zumindest die Ergebnisse und der Einsatz der Blau-Weißen wieder. Wirklichen Spaß bereiteten aber auch die Heim-Auftritte in der Dritten Liga nicht. Torarmer aber defensiv erfolgreicher Kampffußball ist Trumpf im Wildpark. Es liegt nicht nur am alten Stadion, dass selbiges im Schnitt nur noch zu einem guten Drittel gefüllt ist und den niedrigsten Zuschauerschnitt seit der Regionalligasaison 2000/01 aufweist. Das blau-weiße Karlsruher Fußballjahr 2018 kann nur besser werden…

Der beste Stadionbesuch

Bei unseren Lieblingsspaniern von Atlético de Madrid stand im Sommer der Umzug in das neue Stadion an. Umso besser, dass es vorher noch einmal gelang, ein letztes Spiel im Vicente Calderón, einem der schönsten Stadien überhaupt, zu sehen. Atléti schlug Real Sociedad aus San Sebastian 1:0 und es gab zum Abschied vom Calderón ein letztes Stadionbier vor dem großartigen Stadion am Rio Manzanares…

Der beste Groundhopp

Es müssen gar nicht immer die »Groundhopps« zu großen exotischen Stadien im Ausland sein. Überraschend stellte sich das Stadion am Zoo des Regionalligisten Wuppertaler SV als wahres Kleinod heraus. Auch wenn der dortige WSV ein merkwürdiger Klub mit einem ebenso merkwürdigen Publikum ist – dieses alte verbastelte Stadion mit seiner denkmalgeschützten Fassade, zu dem man mit der pittoresken Schwebebahn aus luftiger Höhe hingleiten kann, ist schon etwas Einmaliges…

Fußball 2017 – Minus und Plus

Was war im Fußball im Jahre 2017 gut und schlecht? Die Minus- und Plus-Punkte von 2017, streng subjektiv, versteht sich. Minus fängt natürlich an! Wir sind schließlich in Deutschland und es ist alles schlimm!

- Deutscher Fußballkulturpessimismus

Die »German Angst« im Fußball nervte schon 2016, das hat im Jahre 2017 noch einmal zugenommen. Es ist ungeschriebenes Gesetz geworden, dass ein angemessen kritisch-tränenreicher Artikel über die Schlechtigkeit des zeitgenössischen Profifußballs nicht rausgehauen werden darf, ohne dass mindestens drei der »vier Essentials« (die natürlich gar nichts miteinander zu tun haben) des deutschen Fußballkulturpessimismusdiskurses 2017 im Text stehen:

  1. Helene Fischer in der Pause des DFB-Pokal-Endspiels.
  2. Neymars Ablösesumme.
  3. Chinas U20 in der Regionalliga.
  4. Der Videobeweis.

Das fußballkulturpessimistische Dauergejammer rund um den deutschen Fußball ist das, was bei selbigem 2017 am meisten genervt und »ein Stück weit« zur Distanzierung von ebenjenem beigetragen hat. Was uns zum nächsten Minuspunkt des Jahres bringt…

- Bundesliga

2017 gab es hier wenig Bundesliga. Der Reiz der dauermittelfeldpressenden »Mauer-Liga« hat schwer nachgelassen. Dazu das ständige Theater drumherum durch sich selbst superwichtig nehmende »Fan-Szenen«…

Was sich im Blog niederschlägt: Genau zwei Artikel und einen Link hat das Tag »bundesliga« für 2017 zu bieten. Warum soll man sich bei HSV gegen Freiburg langweilen, wenn DAZN und Co. guten Fußball aus aller Herren Länder frei Haus liefern oder man einen Nachmittag an der frischen Luft beim Amateurverein um die Ecke verbringen kann?

- Gladbach

Wenig Interesse an der Bundesliga bedeutet automatisch: Schlechte Karten für die Borussia aus Mönchengladbach, was Aufmerksamkeit (und Geld) von mir angeht. Denn Europapokal gab es dank der »guten« (Eberl) letzten Saison nicht, und die Bundesliga: Siehe oben…

Entsprechend hat auch das Tag »gladbach« 2017 wenig Text und nur einen Stadionbesuch zu bieten. Sportlich sortiert sich die Borussia nahtlos in eine auf ausgeglichenem Niveau etwas langweilig kickende Liga ein. Dazu hat sich »Die Fohlenelf.« zu einem seltsamen Verein entwickelt, mit einem merkwürdigen Fan-, Medien- und Social-Media-Umfeld. Und mit einem, in der Bundesliga wohl einmaligen und im Grunde ziemlich impertinenten, von allen begeistert begrüßten »Unterwerfungsanspruch« an das zahlende Publikum

Das ist definitiv nicht, wie man heute so sagt, »meins«. Und hat, zusammen mit der Unlust auf das mediokre Bundesliga-Gekicke, den Drang, für ein Heimspiel im Borussia-Park von Karlsruhe aus den ganzen Tag Zug zu fahren, beseitigt. Für Bundesliga und Gladbach reicht aktuell der Fernseher, »Fußballjugend auf dem Bökelberg« hin oder her…

+ Internationalisierte Medien-Fußball-Moderne

Damit zu den Pluspunkten des Jahres! Die mediale Fußball-Moderne mit Internet und Pay-TV ist für Menschen, die sich für Fußball interessieren, ein Paradies. DAZN hat sich als echte Bereicherung herausgestellt, die meinen Fußballkonsum und -interesse nachhaltig verändert hat. Die Technik funktioniert mittlerweile zuverlässig und die Apps ermöglichen ein Streaming auf das TV-Gerät. Mit dem Umzug der CL- und EL-Rechte zu DAZN ab nächste Saison (und, s.o., Bundesliga-Desinteresse) steht Sky im Hause ballreiter vor der Abschaffung.

Es ist herrlich, Spiele aus aller Herren Länder live anschauen zu können und eine große Auswahl zu haben. Und wenn man lieber Dundee vs Hibernian schauen möchte statt Bayern vs Dortmund, dann kann man das. Von daher ist das immer noch zu hörende Gejammer aus dem deutschen Traditionalismus-Diskurs, es gebe ja »zu viel Fußball auf dem Schirm«, horrender Unfug. Wir haben eine Auswahl wie nie zuvor, und das ist großartig! Nationale Grenzen sind auch im Fußball von gestern, wir sind im 21. Jahrhundert…

+ Ruhm und Ehre für unsere Amateure!

2017 ging es häufig hinaus zum Amateurfußball. Wobei »Amateure« ein falscher Begriff ist, da in Regional-, Ober-, Verbands- oder sogar Landesliga auch schon lange Geld verdient wird. Für den passenderen englischen Begriff »Non League Football« haben wir leider keine deutsche Entsprechung.

Wenn man sich drauf einlässt, hat der Fußball unterhalb der Profiligen seinen Reiz. Mit der Zeit lernt man Akteure und Vereine (und seine Heimatregion) besser kennen und bekommt oft unterhaltsame Spiele geboten. Die Anfahrten sind kurz, der Eintritt preiswert und man ist auf dem Sportplatz hautnah am Geschehen dran. Und keines der Verbandsligaspiele, die ich 2017 gesehen habe, war so langweilig wie viele Matches im Wildpark…

Also, verehrte Leserinnen und Leser, hier ist Euer Vorsatz für 2018: Geht mal zum »Amateurfußball nebenan«, auch wenn nicht plakativ zum »Tag der Amateure« geblasen wird. Die Leute in den Vereinen in der Nachbarschaft freuen sich über neue Zusehende und es wird in der Regel, besonders in den höheren Amateurklassen, guter und spannender Sport geboten…

Danke, guten Rutsch und ein gutes Jahr 2018!

Wie es guter Jahresendblogpostingbrauch ist, möchte ich mich bei dieser Gelegenheit bei allen Leserinnen und Lesern dieses kleinen Fußball-Blogs bedanken. Klar, man macht das freiwillig, weil es Spaß macht. Aber wenn es ein paar Leserinnen und Leser gibt, erfreut das den Autor natürlich stets. Danke!

Team ballreiter wünscht eine wilde Inkrementierung der Jahreszahl und ein erfolgreiches 2018 voller guter Fußball- und sonstiger Tage.

Lasst Euch nicht vom Fußballkulturpessimismus runterziehen, auch 2018 wird es wieder großartige Spiele zu sehen geben. In diesem Sinne, es gilt weiterhin: »Fußball ist immer noch wichtig«

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