Spielbetrieb

Neues aus Schottland #22: Schottische Schicksalstage

Murrayfield Stadium, schottisches Rugby-Nationalstadion in Edinburgh, im Oktober 2016

Whit's fur ye'll no go past ye sagt man in Schottland, was so viel heißt wie »Deinem vorherbestimmten Schicksal kannst Du nicht entrinnen«. Das galt in den letzten Wochen für einige Akteure des Fußballs in Schottland, z.B. für Gordon Strachan oder Pedro Caixinha.
Wir werfen einen Blick auf das Nationalteam, die Lage der Liga und stellen Motherwells Goalgetter Louis Moult vor…


Nationalteam: Strachan out! Hampden out?

Mit einem 2:2 am letzten Spieltag in Slowenien vergeigte Schottland den zweiten Platz in der WM-Qualifikationsgruppe F. Und damit die Möglichkeit, mit dem Umweg über die Play-Off-Spiele doch noch zum ersten Mal seit 1998 wieder an einer Weltmeisterschaft teilnehmen zu können.

Entsprechend wurde am 12.10.17 erwartungsgemäß die Trennung von Nationaltrainer Gordon Strachan bekanntgegeben. Whit's fur ye'll no go past ye…

Man darf auf seinen Nachfolger gespannt sein, von McLeish, Moyes, Lambert bis hin zu »Big Sam« Allardyce reicht die Reihe der in den Medien genannten Nachfolgekandidaten. Aktueller Wunschkandidat ist aber Michael O'Neill. Der ist als Trainer von Nordirland gerade knapp an der Schweiz in den WM-Quali-Play-Off-Spielen gescheitert, war aber nichtsdestotrotz in den letzten Jahren (und bei der EM 2016) mit Nordirland sehr erfolgreich. O'Neill ist zwar Nordire, spielte in seiner aktiven Zeit aber jahrelang in Schottland bei Dundee United, Hibernian und St. Johnstone.

Apropos Nationalteam: Schottland trägt seine Länderspiele daheim bekanntlich stets im Glasgower Hampden Park, dem »Nationalstadion« in Besitz des Queen‘s Park FC, aus. Außerdem werden dort die Halbfinals und Endspiele der Pokalwettbewerbe ausgetragen. 2020 läuft die Vereinbarung über die Nutzung des Stadions durch den Verband SFA mit den »Spiders« aus. Und es gibt Überlegungen, den Vertrag nicht zu verlängern und zukünftig die Länderspiele (wie in Deutschland) durch die Erstligastadien des Landes wandern zu lassen. Als Alternative bietet sich der schottische Rugby-Verband, Eigentümer des normalerweise nur für Rugby-Spiele genutzten Murrayfield Stadium (67.000 Plätze, Bild oben) in der Hauptstadt Edinburgh, recht offensiv an. Die Presse (wie The Scotsman) ist skeptisch:

»While there are undoubted problems with the ground, and the SFA is keeping its options open, for many, leaving a ground which has hosted Scotland’s biggest games for over a hundred years, will be simply too much to bear.«

Man darf gespannt sein, ob nach 117 Jahren die eigentümliche (und weltweit wohl einmalige) Stadion-Symbiose zwischen dem Verband SFA und dem Queen‘s Park FC endet…

Scottish Premiership

In der Meisterschaft geht alles seinen erwarteten Gang. Celtic steht nach 12 Spielen mit 3 Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze. Und nicht nur das, die Bhoys aus Glasgow stellten einen neuen Rekord auf: 63 Spiele sind sie nun in Schottland unbesiegt. Die letzte Niederlage in einem Spiel in Schottland gab es am 11.5.2016 mit 1:2 beim FC St. Johnstone, noch unter Trainer Ronny Deila. Jemand machte sich die Mühe, alle Tore dieser 63 ungeschlagenen Spiele in 14:50 min. zusammenzuschneiden

Der alte Rekord war 100 Jahre alt. Der erste Celtic-Trainer Willy Malley, der stolze 43 Jahre von 1897 bis 1940 auf der Trainerbank der Bhoys saß, hatte 62 ungeschlagene Spieler von November 1915 bis April 1917 aneinandergereiht.

Natürlich ist Celtic in Schottland krass überlegen, aber wir sehen auch in anderen Ländern mit überlegenen Meistern (wie in den letzten Jahren Bayern in Deutschland oder PSG in Frankreich), dass dann irgendwann mal, wenn die Entscheidungen gefallen sind, ein Spiel verloren geht. Von daher ist diese Serie (die ja noch nicht zu Ende ist) schon eine bemerkenswerte Leistung.

Mit der Konkurrenz scheint es auch in dieser Saison zu laufen wie in jeder Saison in den letzten Jahren: Der FC Aberdeen bleibt in der Liga zunächst in Schlagdistanz. Irgendwann bringt der Spielplan dann das Duell mit Celtic, und Aberdeen verliert. So auch dieses Mal, Celtic reiste am 11. Spieltag zum Spitzenspiel nach Pittodrie und siegte souverän mit 3:0:

Whit's fur ye'll no go past ye war auch das Motto für Rangers-Coach Pedro Caixinha, der Ende Oktober erwartungsgemäß seinen Posten räumen musste. Caixinha war nach dem peinlichen Aus in der Europa-League-Qualifikation gegen die Luxemburger von Progrés Niederkorn sowieso »on borrowed time«. Wenig überzeugende Auftritte in der Liga, das Aus im Ligapokal und ein schwaches 1:1 gegen Kilmarnock im letzten Spiel waren nicht genug für die bekanntlich überbordenden Ansprüche der New Rangers. Aktuell muss wieder (wie nach dem letzten Trainerwechsel letzte Saison) U20-Trainer Graeme Murty als Interim ran. Man darf gespannt sein, in welchem Winkel der Erde die Gers dieses Mal einen Trainer auftreiben werden. Caixinha fanden sie bekanntlich beim Al-Gharafa Sports Club in Katar…

Spieler im Blickpunkt: Louis Moult

Es gibt eine Neuerung! Ab jetzt soll in jedem »Neues aus Schottland« ein Spieler vorgestellt werden, der sich aktuell in der schottischen Liga in den Blickpunkt gespielt hat. Den Anfang macht Louis Moult, Mittelstürmer des FC Motherwell.

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In der Saisonvorschau gab es für die Saison des FC Motherwell nur einen Fakt, der Hoffnung machte: Der Verbleib von Torjäger Louis Moult. Diese unsere Prognose liegt (bis jetzt) voll daneben. Statt am Tabellenende tummeln sich die »Steelmen« nach 12 Spielen in der oberen Tabellenhälfte, und Louis Moult hat daran einen großen Anteil.

Moult ist 25 Jahre alt und wurde im englischen Stoke-On-Trent geboren. Entsprechend besuchte er die Jugendakademie des Premier-League-Teams Stoke City. Der Sprung in den »Erwachsenenfußball« gestaltete sich aber mühsam. Moult erhielt zwar einen Vertrag, wurde aber in drei Saisons sechsmal ausgeliehen. So verschlug es ihn über den Non-League-Klub Nuneaton Town zum walisischen Klub AFC Wrexham, der in der englischen fünften Liga spielt. Dort schoss Louis Moult in 42 Spielen 15 Tore, so dass der Motherwell FC auf ihn aufmerksam wurde und ihn 2015 verpflichtete. Damit war er über diverse Umwege nach fünf Jahren endlich im professionellen Fußball angekommen.

Und »The Well« hatte einen Glücksgriff getan. Bereits in seiner ersten Saison 15/16 schoss er in 42 Spielen 18 Tore und legte 6 weitere auf. Die Saison 16/17 begann mit einer Leistenoperation, die Louis Moult für die ersten Spiele außer Gefecht setzte. Als er wieder fit war, ging es genau so weiter. Wieder waren es 18 Tore (7 Vorlagen), diesmal brauchte er aber nur 34 Spiele dazu. Bedenkt man, dass Motherwell 56 Tore erzielte, so gehen mit 25 Beteiligungen (und 7 wg. der Operation verpassten Spielen) gut die Hälfte auf Moults Konto. Letztendlich hatte er damit einen ordentlichen Anteil am Klassenerhalt letzte Saison.

So eine Trefferquote weckt natürlich Begehrlichkeiten bei anderen Vereinen. Den ganzen Transfersommer über wurde Moult mit Aberdeen (350.000 Pfund boten diese), Rangers und einer Rückkehr nach England in Verbindung gebracht. Aber er entschloss sich, auch die Saison 17/18 bei den »Steelmen« zu kicken. Verbunden mit dem Statement, dass er seinen 2018 auslaufenden Vertrag nicht verlängern möchte…

Das hinderte Moult aber nicht, weiter zu treffen. In den bisherigen 18 Pflichtspielen Motherwells waren es schon wieder 18 Tore. Ein besonderes Highlight dabei war das Halbfinale im Liga-Pokal »Betfred Cup« gegen The New Rangers, in dem Louis Moult die Gers alleine mit 2:0 aus dem Wettbewerb kegelte.

Das 1:0 nach einem Eckball-Gewühl in diesem Spiel zeigt sehr schön Moults Stärken: Er hat den Stürmer-Instinkt dafür, genau da zu sein wo er sein muss. Moult erfasst handlungsschnell die Situation und entwickelt einen unwiderstehlichen Drang zum Abschluss. Dazu hat er einen strammen Schuss und (für einen Spieler in der schottischen Liga) eine gute Technik. Exemplarisch sieht man das in seinem artistischen Treffer zum 1:0 im Liga-Pokal-Viertelfinale gegen Aberdeen. Laufweg, Durchsetzungsvermögen, der Drang zum Torabschluss auch aus einer eher schlechten Position, dazu die Technik um das umzusetzen – ein typisches Louis-Moult-Tor!

Wie erwähnt, Moults Vertrag läuft aus und er wird ihn nicht verlängern. In den einschlägigen Medien werden wieder Aberdeen und Rangers sowie Zweitligist Queen‘s Park Rangers aus England als zukünftige neue Vereine gehandelt. Für Freunde des schottischen Fußballs wäre es schade, wenn Louis Moult nicht mehr in der Premiership auf Torejagd gehen würde…

Weiter geht's…

Nach der Länderspielpause geht es nun bis März mit der schottischen Liga weiter. Die nächsten Live-Spiele in DAZN sind am kommenden Samstag (13:30) der Auftritt von Tabellenführer Celtic bei den Highlandern von Ross County. Am 24.11. (20:45) gibt es das Duell des Dundee FC gegen die New Rangers zu bewundern.

Und natürlich gibt es auf DAZN jede Woche die etwa 20-minütige Zusammenfassung aller Spiele der Premiership, die ich nur empfehlen kann.

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