Spielbetrieb

Scottish Premiership 2017/18: Die Saisonvorschau zum Meisterschaftsstart

Scotland!

It‘s been dunky‘s since a last saw ye, Scottish Premiership! Umso besser, dass diese am letzten Wochenende in die neue Saison startete! Und es ist im relativ kurzen Leben dieses kleinen Fußballblogs schon eine Tradition (siehe 2015/16 und 2016/17):

Wenn in Schottland die Meisterschaft startet, gibt es hier die kleine Saisonvorschau dazu. Macht ja sonst keiner! Also werfen wir auch in diesem Jahr einen Blick auf die Vereine der Premiership und prognostizieren deren Abschneiden…

Modus: The Scottish Premiership

Zunächst die alljährliche Auffrischung bezüglich der Organisation der Liga. Die »Premiership«, wie die erste schottische Liga seit 2013 heißt, spielt 38 Spieltage mit 12 Vereinen, in einem etwas seltsamen Modus, den die vollständige Wikipedia erklärt und der 5 Spieltage vor Schluss zu einer Teilung in zwei Ligen à 6 Teams führt.

Der Tabellenerste nach 38 Spieltagen wird Schottischer Meister und »darf« alle Runden der Champions-League-Qualifikation durchspielen. Titelverteidiger ist der Celtic FC aus Glasgow.

Der Zweit-, Dritt- und Viertplazierte (in der Vorsaison der Aberdeen FC, die neuen Rangers und der FC St. Johnstone) dürfen bzw. durften die Europa-League-Quali spielen (Rangers und St. Johnstone haben sich bereits in der ersten Quali-Runde verabschiedet). Der Letzte steigt ab in die zweite Liga, die »Scottish Championship« (das war 2016/17 Inverness Caledonian Thistle). Und der Vorletzte muss eine Play-Off-Relegation gegen die Vereine auf den Rängen 2 bis 4 der Championship (die zweite Liga) spielen. Letzte Saison setzte sich dabei der Erstligist Hamilton Academical gegen unsere »heimlichen Lieblinge« von Dundee United durch.

Als Meister der Championship kehrte Hibernian aus Edinburgh in die Premiership zurück.

Die Scottish Premiership 2016/17

Karte der schottischen Erstligisten Nur in der deutschen Bundesliga ist die Frage nach dem kommenden Meister ähnlich leicht zu beantworten wie in Schottland. Natürlich wird der neue Meister auch der alte Meister sein, niemand (auch nicht die 2012 neugegründeten Rangers, wenn dt. Journaille so etwas schreibt ist das faktenferner Unfug, Aye, Right!) wird Brandon Rodgers Team das Wasser reichen können.

Das mag man beklagen oder auch nicht (hängt wohl von den individuellen Präferenzen des Betrachtenden ab), wer nach dem Motto »Glasgow‘s green and white« durch das Leben läuft, findet das eigentlich gar nicht so schlimm…

[Karte: Positionskarte von Schottland, Vereinigtes Königreich, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 von Nordnordwest (Variante von Wikipedia) unter Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported Licence, thanks!]

Vereine

Das sind die zwölf Klubs der Premiership 2017/18, in der mit einer geballten Ladung »ballreiter-Schottland-Fußball-Checkertum« prognostizierten Reihenfolge ihres Tabellenendstandes.

  1. Celtic
  2. Aberdeen
  3. The New Rangers
  4. Hearts
  5. Hibernian
  6. St. Johnstone
  7. Partick Thistle
  8. Ross County
  9. Kilmarnock
  10. Dundee FC
  11. Motherwell
  12. Hamilton Accies

(Ein Klick auf den Namen springt auf den Text zum Klub, von dem aus man mit dem »Zurück zur Übersicht«-Link wieder zu dieser Übersicht gelangt.)

Der Meister

Celtic

Celtic Park, Glasgow

Nach der letzten Saison hat Celtic den neuen Spitznamen »The Invicibles« bekommen. Im ersten Jahr unter Trainer Brandon Rodgers eroberte Celtic ungeschlagen das »Domestic Treble« aus Meisterschaft, Liga-Pokal und dem schottischen Pokal. Nur vier Teams konnten Celtic in der Saison 16/17 besiegen (Lincoln Red Imps, Hapoel Be’er Scheva (in der CL-Quali), der FC Barcelona und Borussia Mönchengladbach).

Mit Ausnahme von Flügelflitzer Patrick Roberts, dessen Leihe von Manchester City auslief, hat Celtic aktuell noch keinen namhaften Abgang zu beklagen. Ein Transfer von Topstürmer Moussa Dembélé geistert zwar immer wieder durch die einschlägigen Transfergerüchtekanäle, Trainer Rodgers wies jedes dieser Gerüchte bis jetzt ins Reich der Fabel.

Neuverpflichtungen gab es zwei: Von Vizemeister Aberdeen kam Flügelflitzer Jonny Hayes, der wohl Ersatz für Patrick Roberts werden soll. Und von ManCity kam mit Olivier Ntcham ein wuchtiger zentraler Mittelfeldspieler, der den langsam älter werdenden Kapitän und Mittelfeld-Babo Scott Brown entlasten soll.

In den »domestic« Wettbewerben ist die eigentlich spannende Frage, wann Celtic mal wieder ein Spiel verliert. Zwei ungeschlagene Saisons hintereinander sind extrem unwahrscheinlich. Noch zwei ungeschlagene Spiele in schottischen Wettbewerben und Celtic ist 50 mal ungeschlagen. Der absolute Rekord von 62 ungeschlagenen Spielen liegt ebenfalls bei Celtic, dem legendären Willie Malley (war 43 Jahre lang Celtic-Trainer, von 1897 bis 1940) gelang diese Serie von 1915 bis 1917.

Die eigentliche Herausforderung der Saison wird die Performance im Europapokal sein. Celtic möchte natürlich in die Champions-League-Gruppenphase und dann mal wieder europäisch überwintern. Was letztes Jahr im Duell mit Borussia denkbar knapp scheiterte.

  • Der Spitzname: Bhoys
  • Der Trainer: Brandon Rodgers.
  • Der Topmann: Moussa Dembélé. 32 Tore und 9 Vorlagen in der letzten Saison.
  • Der Toptransfer: Olivier Ntcham
  • Der Funfact: Die letzte Niederlage von Celtic in Schottland passierte am 12. Mai 2016 noch unter Rodgers Vorgänger Ronny Deila, ein 1:2 beim FC St. Johnstone.
  • Die Prognose: Meister! Und in den beiden Pokalen müssen sie schon einen verdammt schlechten Tag haben, um auszuscheiden…
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Die »Verfolger«

Die Spannung muss die Premiership (der Bundesliga nicht unähnlich) aus dem Kampf um die Positionen hinter dem designierten Meister beziehen.

Aberdeen

Fassade des Stadions des FC Aberdeen. »Pittodrie Stadium‘s granite facade viewed from outside the Merkland Road stand«, Wikimedia Commons, Public Domain

Die Nummer 2 der Premiership, wie schon in den letzten drei Spielzeiten, wird auch in der kommenden Saison der FC Aberdeen sein.

Das Team von Derek McInnes muss sich zwar mit den Abgängen von Jonny Hayes (zu Celtic) und Niall McGinn (nach Süd-Korea zu Gwangju) von zwei Bestandteilen ihres 74-Tore-Sturms verabschieden, mit den Neuzugängen Greg Stewart (ausgeliehen von Birmingham) und dem ein wenig im Talentstatus hängengebliebenen Gary Mackay-Steven sollte das aber kompensiert werden können.

Leistungsträger wie Mittelfeldstratege Graeme Shinnie, Tormaschine Adam Rooney und Torhüter Joe Lewis bleiben den Dons ebenso erhalten wie Trainer Derek McInnes, der den Verlockungen »down South« widerstehen konnte…

Aberdeen hatte Celtic in der letzten Saison im Pokalendspiel am Rande einer Niederlage (den Pokal entschied Celtic erst in der Nachspielzeit für sich), vielleicht können die Dons näher heranrücken und sich auch mal einen silbernen Pott sichern. Für den Titel wird es wohl nicht reichen, dazu müsste Celtic schon eine Katastrophensaison spielen. Zumal das Ausscheiden aus der Europa-League-Quali gegen Apollon Limassol andeutete, dass auch für den FC Aberdeen die Bäume nicht in den Himmel wachsen…

[Foto: »Pittodrie Stadium's granite facade viewed from outside the Merkland Road stand«, Wikimedia Commons, Public Domain von Discosebastian, thanks!]

  • Der Spitzname: Dons
  • Der Trainer: Derek McInnes. Übernahm die Dons 2013, etablierte Aberdeen mit den Abschlussrängen 3, 2, 2 und 2 sowie dem Gewinn des Liga-Pokals 2014 als zweite Macht im schottischen Fußball. Lehnte in der Sommerpause ein Angebot von Sunderland für die zweite englische Liga ab und verlängerte lieber seinen Vertrag…
  • Der Topmann: Adam Rooney, nicht verwandt mit Wayne, Mittelstürmer und seit Jahren der Torgarant der Dons.
  • Der Toptransfer: Gary Mackey-Steven
  • Der Funfact: Pittodrie, das Stadion der Dons, liegt direkt an der Nordseeküste. Was dem Verein seit Jahren ein Möwenproblem beschert, das jetzt auch noch zum Problem für das geplante neue Stadion werden kann
  • Die Prognose: Rang 2.
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New Rangers

Ibrox Park, das Stadion der Rangers. Bild: »ibrox gates« von Whitey1982, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Ja, die New Rangers, sie sind schon ein spezieller Fall. Anlässlich ihres jämmerlichen Ausscheidens aus der Europa-League-Qualifikation gegen die Luxemburger Feierabendkicker von Progrès Niederkorn wurde das bereits ausführlich thematisiert. Nirgendwo in Schottland stehen die eigenen Ansprüche und das tatsächliche sportliche Leistungsvermögen in einem derartigen Missverhältnis wie rund um den Ibrox-Park.

Nur dort ist es denkbar, dass der Kapitän Lee Wallace in einem Zeitungsinterview das Triple als Saisonziel ausgibt. Nach einer Saison, die sein Team mit 39 Punkten Rückstand auf Celtic auf Rang 3 in der Abschlusstabelle enden sah…

Um den großen Worten Taten folgen zu lassen, wurde (für schottische Verhältnisse) groß eingekauft. Für 8 Millionen Pfund wurde Altstar Bruno Alves, Mittelfeldmann Ryan Jack aus Aberdeen und eine Armada von Spielern aus Südeuropa/Südamerika verpflichtet. Mit Fabio Cardoso ist immerhin auch ein 23-jähriges portugiesisches Abwehrtalent dabei, das die in der letzten Saison hölzern agierende überalterte Abwehr verjüngen soll.

Trainer Caixinha steht nach dem Europapokal-Desaster bereits unter Druck, sollte der Start in die Premiership misslingen könnte es gut sein, dass er schneller wieder weg ist, als seine Neuverpflichtungen brauchen, um sich einzuspielen.

Wenn das neue Team aber einigermaßen funktioniert, sollte Rang 3 wieder drin sein. Für mehr ist das Team zu »zusammengewürfelt« und es scheint, als würde Caixinha auch nicht in derselben »Trainerliga« wie Rodgers und McInnes agieren…

[Foto: »ibrox gates«, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 von Whitey1982, Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International, thanks!]

  • Der Spitzname: Gers. Auf der grünen Seite Glasgows: »Sevco«
  • Der Trainer: Pedro Caixinha. Portugiesischer Trainer-Wandervogel, Rangers sind seine 11. Trainerstation in 14 Jahren. Hat die großmäulige Rangers-Attitüde erstaunlich schnell verinnerlicht…
  • Der Topmann: Kenny Miller. 37 Jahre alt, aber treffsicher wie eh und je.
  • Der Toptransfer: Bruno Alves, Europameister mit Portugal und vor einigen Jahren sehr erfolgreich mit dem FC Porto. Mittlerweile aber auch schon 35 Jahre alt…
  • Der Funfact: Stürmer Kenny Miller ist einer von nur 5 Spielern seit 1945, die sowohl für Rangers als auch für Celtic gespielt haben.
  • Die Prognose: Rang 3.
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Heart Of Midlothian

Die Haupttribüne des Tynecastle Stadium im Oktober 2016

Beim Vorsaisonfünften aus Edinburgh hat es schon vor der Saison ordentlich gerappelt. Der vor einigen Wochen hier im Blog vorgestellte junge Trainer Ian Cathro stellte sich dann doch nicht als »der schottische Nagelsmann« heraus. Am Ende der Saison gab es in der extrem kritischen Fanszene bereits Unwillen gegenüber Cathro. Das Ausscheiden aus der Gruppenphase im Ligapokal in der letzten Woche durch Niederlagen gegen Viertligist Peterhead und Zweitligist Dumfernline war dann der berühmte Tropfen im ebenso berühmten Fass: Cathro wurde 5 Tage vor Meisterschaftsbeginn entlassen. Das erste Meisterschaftsspiel (ein 1:4 bei Celtic) leitete ein Interimstrainer aus Cathros Stab.

Das macht eine Einschätzung der Saison für Hearts schwierig. Wahrscheinlich kommt nun wieder einer der üblichen Verdächtigen aus der Riege ehemaliger schottischer Spieler und Trainer zum Zuge. Paul Hartley, letzte Saison beim FC Dundee rausgeflogen, brachte sich schon selbst ins Gespräch…

Dabei sind die Voraussetzung für eine Saison in den Europapokal-Rängen eigentlich durchaus gut. Mit Christophe Berra kehrte ein schottischer Nationalspieler aus England in seine Heimatstadt Edinburgh zurück. Mittelstürmer Kyle Lafferty, nordirischer Nationalspieler und EM-Teilnehmer, wurde aus Norwich geholt um der lahmenden Torproduktion auf die Sprünge zu helfen. Weitere Transfers für die wackelige Defensive wurden getätigt, u.a. kehrte der junge Jordan McGhee von einer Leihe aus Wolverhampton zurück.

Das waren alles Transfers von Ian Cathro. Die Neubesetzung der Trainer-Position bringt natürlich eine gewisse Unsicherheit und man wird sich fragen, ob der Kader mit dem neuen Trainer Mister X. so funktioniert wie bei der Planung unter Cathro vorgesehen.

Trotzdem sollte Hearts stark genug sein, um sich mit Lokalrivale Hibernian (kommt als nächstes dran) um den vierten Platz zu duellieren.

  • Der Spitzname: Hearts, Jambos
  • Der Trainer: Muss noch gefunden werden…
  • Der Topmann: Kyle Lafferty, Mittelstürmer und »Enfant Terrible«…
  • Der Toptransfer: Christophe Berra.
  • Der Funfact: Die historische Klinkerfassade des Tynecastle Stadium (Bild oben), 1919 vom berühmten Stadionarchitekten Archibald Leitch errichtet, wurde abgerissen und wird aktuell durch einen Tribünenneubau mit mehr Kapazität ersetzt. Deshalb teilte Hearts schon früh mit, dass sie die ersten Wochen noch keine Heimspiele austragen können. Der Spielplan kam heraus, und was bekamen sie am 2. Spieltag zugeteilt? Genau, ein Heimspiel! Only in Scotland…
  • Die Prognose: Rang 4. Könnte aber auch Rang 5 werden.
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Hibernian

Hibernians Easter Road Stadium im Oktober 2016

Nach einem zweijährigen Ausflug in die zweitklassige Championship ist Hearts großer Lokalrivale Hibernian zurück in der Premiership. Unter ex-Celtic-Trainer Neil Lennon gelang souverän der Wiederaufstieg. Damit hat die Premiership und die Hauptstadt Edinburgh ihr altehrwürdiges Derby zurück, das es in den letzten Jahren nur im Pokal gab und das erstaunlicherweise Zweitligist Hibernian jedesmal gewann.

Den Aufstieg erreichte Hibernian durch ein hervorragend funktionierendes Kollektiv ohne Starspieler auf dem Rasen. Mit Ausnahme von Mittelstürmer Jason Cummings, der die Tore schoss. Und sich nun dummerweise Richtung Norwich verabschiedet hat.

Somit steht Trainer Lennon vor der Aufgabe, seine Tormaschine ersetzen zu müssen. Simon Murray von Dundee United und Deivydas Matulevicius vom belgischen Erstligisten Royal Mouscron wurden dazu verpflichtet. Für die Abwehr wurde Efe Ambrose, letzte Saison schon von Celtic ausgeliehen, fest verpflichtet. Mit Ofir Marciano kommt ein routinierter Nationaltorhüter (Israel) für das Tor.

In der Defensive blieb das Personal der Vorsaison erhalten, sie ist das Prunkstück der Hibs. Das Problem könnte die Offensive werden, der »ruhige« Kollektivfußball Lennonscher Prägung könnte ohne Torjäger Cummings schnell in eine »Ergebniskrise« führen. Man spielt zwar ordentlich, aber gewinnt zu selten, weil man dazu Tore braucht.

Aber Neil Lennon weiß normalerweise, was er tut. Deshalb wird Hibernian eine gute Rolle spielen und sich mit dem Lokalrivalen um den europäischen Platz 4 kloppen.

  • Der Spitzname: Hibs
  • Der Trainer: Neil Lennon
  • Der Topmann: Efe Ambrose
  • Der Toptransfer: Ofir Marciano. Israelischer Nationaltorhüter.
  • Der Funfact: Mit »Sunshine on Leith« (Leith ist der Stadtteil Edinburghs in dem Hibernian zu Hause ist) haben die Hibs wahrscheinlich die großartigste Vereinshymne Schottlands…
  • Die Prognose: Rang 5. Könnte aber Rang 4 werden, es wird eng werden zwischen den beiden Klubs aus Edinburgh.
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St. Johnstone FC

Das Stadion von St. Johnstone in Perth. »McDiarmid Park« von Markus Schroeder auf flickr, CC BY-NC-ND 2.0

Die altehrwürdigen Saints aus Perth (gibt es schon seit 132 Jahren) haben eine gute Saison gespielt. Leider sollte die Freude über den errungenen Europapokalplatz 4 nur von kurzer Dauer sein, sang- und klanglos schieden sie schon in der ersten Quali-Runde aus.

Trotzdem wird das Team von Tommy Wright auch in dieser Saison wieder um einen Top-6-Platz mitspielen. Wright ist ein unauffälligerer Vertreter der oft lauten Trainer-Zunft, er lässt lieber seine Mannschaft auf dem Rasen sprechen. Ähnlich wie Hibernian ist St. Johnstone eine Mannschaft ohne Stars, die als Kollektiv hervorragend arbeiteten. 50 Tore (die wenigsten der Top 5) reichten aus um 58 Punkte einzufahren, obwohl die Abwehr fast genauso viele (46) kassierte. Viele enge Spiele (1:0 und 2:1 waren ihre Lieblingsresultate) entschieden die Saints für sich. Selbst auswärts bei Celtic verloren sie zuletzt nur unglücklich 0:1.

Bis jetzt hat St. Johnstone nur wenige Ab- und Zugänge zu verzeichnen. Dummerweise mit Tam Scobbie einen der drei erfahrenen Abwehr-Haudegen. Und mit Danny Swanson eine der Stammkräfte aus dem Mittelfeld, auch noch zu Konkurrent Hibernian. Mit Stefan Scougall kam immerhin von Sheffield United ein vielversprechender Mann für das offensive Mittelfeld.

[Foto: »McDiarmid Park« auf flickr von Markus Schroeder, Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: Saints.
  • Der Trainer: Tommy Wright, einst Nationalkeeper von Nordirland.
  • Der Topmann: Steven Anderson, Kapitän und Abwehrchef.
  • Der Toptransfer: Stefan Scougall, Zehner von Sheffield United.
  • Der Funfact: Der Name »St. Johnstone« ist gar kein Ort, sondern wurde aus der bis ins 17. Jahrhundert üblichen Bezeichnung »St John's Town« für Perth gebildet.
  • Die Prognose: Rang 6. Tommy Wright wird es schon richten…
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Das Mittelfeld

Partick Thistle

Firhill Stadion von Partick Thistle in Glasgow. Bild: »IMG_7987« von Stuart Crawford auf flickr, CC BY-NC-ND 2.0

In Glasgow gibt es, was Fußball angeht, nicht nur Celtic und Rangers (und Queen‘s Park), sondern auch den kleinen Klub Partick Thistle aus dem Stadtteil Maryhill (»Partick« heißen sie nur).

Die Jags waren die Überraschung der Saison, erstmals in ihrer 141-jährigen Vereinsgeschichte erreichten sie die Top-6 der ersten Liga. Trainer Alan Archibald lässt einen modernen »europäischen« Fußball spielen. Seine Jungs spielen meistens 4-2-3-1, wandeln dieses aber bei Bedarf in ein 3-5-2 um und stellen sich damit ziemlich gut auf das statischere »schottischere« Spiel ihrer Gegner ein. Bemerkenswert: Nur in einem einzigen Spiel (3:1-Auswärtssieg bei Ross County) schossen sie mehr als 2 Tore.

Bis auf Verteidiger Liam Lindsay blieb das erfolgreiche Team zusammen, dieser sollte durch Neuzugang Niall Keown aus Reading gut ersetzt werden. Somit gibt es keinen Grund, warum das »Fußball-Hipster-Lieblingsteam« (wg. des studentisch geprägten Publikum im Stadion) in der kommenden Saison nicht wieder eine gute Rolle spielen sollte.

[Foto: »IMG_7987« auf flickr von Stuart Crawford, Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: The Jags
  • Der Trainer: Alan Archibald
  • Der Topmann: Kris Doolan. Mittelstürmer und zum x-ten Male bester Torjäger.
  • Der Toptransfer: Niall Keown. Innenverteidiger, der in seiner ganzen Karriere zwischen Partick und Reading hin- und her wechselt.
  • Der Funfact: Colin and Christine Weir gewannen 2011 161 Millionen Pfund in der EuroMillions-Lotterie. Colin ist ein lebenslanger Partick-Thistle-Fan, so dass er seine gewonnenen Millionen flugs in den Klub steckte und ihn schuldenfrei machte. Und u.a. eine moderne Jugendakademie aufbaute. Mittlerweile ist Colin zu Ehren sogar eine Tribüne in Particks Firhill Stadium nach ihm benannt.
  • Die Prognose: Rang 7, mit ein bisschen Glück vielleicht sogar wieder die Top-6!
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Ross County

Das malerische Stadion von Ross County am Loch Ness. Bild: »Drochaid Chromba« von Màrtainn MacDhòmhnaill auf flickr, CC BY-NC 2.0

Nach dem Abstieg der Nachbarn aus Inverness ist Ross County aus Dingwall der letzte Klub aus den schottischen Highlands in der ersten Liga.

Nachdem es 15/16 Rang 6 und den Gewinn des Ligapokals zu feiern gab, endete die letzte Saison weniger spektakulär auf Rang 7. Dabei lebten die Staggies von 26 Toren (von 48 insgesamt), die Mittelstürmer Liam Boyce schoss. Der wechselte nun zu Burton Albion in die zweite englische Liga (und verletzte sich in einem Testspiel tragischerweise so schwer am Knie, dass er wahrscheinlich die ganze Saison ausfallen wird). Der Ersatz soll Billy McKay werden, der von Wigan Athletic kam.

Im Frühjahr hatte Ross County eine kleine Krise mit nur 1 Sieg aus 9 Spielen, und weil sie stets den selben »4-4-2-Stiefel« herunter spielen gab es Kritik an Trainer Jim McIntyre. Aber die Staggies werden auch diese Saison wieder im Mittelfeld landen. Wenn es mal eng wird in Richtung Tabellenende, öffnet Chairman »Uncle Roy« McGregor stets seine Schatulle und sorgt für Verstärkung der Mannschaft in der Wintertransferperiode.

[Foto: »Drochaid Chromba« auf flickr von Màrtainn MacDhòmhnaill, Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: The Staggies
  • Der Trainer: Jim McIntyre, schrieb 15/16 mit dem Ligapokalsieg und Rang 6 Vereinsgeschichte.
  • Der Topmann: Christopher Routis, französischer Defensiv-Chefstratege auf der Sechs.
  • Der Toptransfer: Billy McKay, Mittelstürmer. War bei seinen vorherigen Stationen in Schottland durchaus treffsicher.
  • Der Funfact: Der vor zwei Monaten verstorbene Tommy Ross erzielte für Ross County 1964 gegen Nairn County in 90 Sekunden den schnellsten Hattrick der Fußballgeschichte.
  • Die Prognose: Rang 8. Uncle Roy sei Dank.
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Kilmarnock

Rugby Park, das Stadion von Kilmarnock. Bild: »Rugby Park football stadium in Kilmarnock« von Tom Hodgkinson auf Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Den 148 Jahre alten Traditionsverein aus East Ayrshire hatte ich im letzten Jahr zum heißen Abstiegskandidaten auserkoren. Aber Killie überraschte alle und hielt, trotz kleiner Krise und Trainerwechsel während der Saison, mit Rang 8 mit 6 Punkten Vorsprung die Klasse.

Neu-Trainer Lee McCulloch schaffte es, dem notorisch zu offensiv ausgerichteten Mittelfeld Defensivspiel beizubringen. Was den Nachteil hat, dass das Tore schießen ausschließlich an dem 34 Jahre alten Haudegen (und Zeitungskolumnisten der meistgelesensten Boulevardzeitung Schottlands) Kris Boyd hängt. Killie schoss letzte Saison mit 36 Toren die wenigsten aller Erstligisten.

Mit Lee Erwin wurde ein Stürmer von Leeds United geholt, der das abstellen soll. Dazu bekam Defensiv-Chef Gary Dicker Verstärkung durch den schottischen England-Legionär Kirk Broadfoot.

Kilmarnock spielt nicht gerade Spektakelfußball, aber scheint mit Lee McCulloch einen Trainer gefunden zu haben, der sie in sicheren Gefilden hält. Zumal von den Leistungsträgern keiner den Verein verließ. Ergo landen sie wieder auf einem unspektakulären Rang 9.

[Foto: »Rugby Park football stadium in Kilmarnock« auf Wikimedia Commons von Tom Hodgkinson, Creative Commons Attribution-ShareAlike 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: Killie
  • Der Trainer: Lee McCulloch
  • Der Topmann: Gary Dicker. Der Mann der die Defensive zusammenhält.
  • Der Toptransfer: Kirk Broadfoot. Verstärkung aus England für die Abwehr.
  • Der Funfact: Kilmarnock ist neben dem Queen‘s Park FC der letzte »Überlebende« der acht Vereine, die 1867 den schottischen Fußballverband »Scottish FA« gründeten.
  • Die Prognose: Rang 9
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Der Abstiegskampf

Dundee FC

Fassade von Den‘s Park, Stadion des FC Dundee, im August 2013

Es war verdammt knapp. Es hat nicht viel gefehlt, und der FC Dundee wäre seinem Lokalrivalen Dundee United in die Championship gefolgt. Langzeittrainer Paul Hartley musste gehen und wurde fünf Spieltage vor Schluss durch den TV-Pundit Neil McCann ersetzt, der zur allgemeinen Überraschung den Klassenerhalt schaffte. Danach hatte McCann eigentlich keine Lust mehr und kündigte am 29. Mai, nur um es sich am 1. Juni anders zu überlegen und einen neuen Vertrag zu unterschreiben…

Niemand weiß ob McCann wirklich ein Trainer ist, weshalb praktisch niemand den Blauen aus Dundee etwas zutraut. Mit dem Tunesier Sofien Moussa wurde ein für Dundees Verhältnisse exotischer Transfer aus der zweiten bulgarischen Liga realisiert. Celtics Scott Allen soll als Leihgabe endlich den Durchbruch schaffen. Mittelfeldmann Randy Wolters kam von den Go Ahead Eagles aus den Niederlanden.

Im Ligapokal schlug Moussa mit 5 Toren schon gut ein. Aber das Team wirkt ansonsten nicht sonderlich stärker, dazu kommt der seltsame Trainer. Es wird wieder eng, am Ende reicht es mit Rang 10 zum direkten Klassenerhalt…

  • Der Spitzname: The Dee
  • Der Trainer: Neil McCann
  • Der Topmann: Paul McGowan, der Chef im Mittelfeld.
  • Der Toptransfer: Scott Allan, talentierte (und mit 25 etwas stagnierende) Mittelfeld-Leihgabe von Celtic.
  • Der Funfact: 1893 gegründet, wäre der FC 1898 fast schon Pleite gegangen. Die Steigerung der Zuschauerzahlen durch den Umzug in den noch heute benutzten Den‘s Park, in unmittelbarer Nachbarschaft von Rivale United, rettete den Klub vor dem frühzeitigen Bankrott.
  • Die Prognose: Rang 10.
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Motherwell

Die alte Klinkerfassade von Motherwells altehrwürdigem Stadion Fir Park. Bild: »Fir Park« von Paul Macrae auf flickr, CC BY-NC-ND 2.0

Die Steelmen aus Motherwell, aus dem alten Kohle- und Stahlrevier Lanarkshire, haben nicht die beste aller Saisons hinter sich. Gerade mal 3 Punkte trennten sie am Ende vom Relegationsplatz, Trainer Mark McGhee musste während der Saison nach einer 2:7-Klatsche in Aberdeen gehen. Am Ende hatte Motherwell die zweitschlechteste Abwehr der Liga.

Und es gibt nicht viel Hoffnung auf Besserung. Es herrscht zwar ein reges Kommen und Gehen im Kader, ohne dass Qualität dazu kam. Die Abwehr ist wackelig und das Mittelfeld überaltert. Einzig der Verbleib des treffsicheren Stürmers Louis Moult gibt Anlass zu Optimismus.

[Foto: »Fir Park« auf flickr von Paul Macrae, Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: The Well, The Steelmen
  • Der Trainer: Steve Robinson, beerbte als Mark McGhees Assistent seinen Chef als Interimstrainer und bekam, als Dank für den knappen Klassenerhalt, einen Vertrag als Cheftrainer
  • Der Topmann: Louis Moult, Mittelstürmer und die Lebensversicherung der Steelmen.
  • Der Toptransfer: Cédric Kipré, 20-jähriger Verteidiger aus dem Fundus von Leicester City.
  • Der Funfact: Motherwells Stadion Fir Park ist das einzige (mir bekannte) Stadion mit einer überdimensionalen Aufforderung am Tribünendach das Rauchen bleiben zu lassen.
  • Die Prognose: Rang 11. Diesmal wird es knapp und die Relegation muss es richten…
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Hamilton Accies

Stadion von Hamilton Accies. Bild: »New Douglas Park, home of Hamilton Academical« von Alasdair Middleton auf Wikimedia Commons, CC BY 2.0

In der Saison nach dem überraschenden Aufstieg 2014 unter Spielertrainer Alex Neil war Hamilton Academical mit seiner erfrischenden »unschottischen« Spielweise und einer jungen Mannschaft aus dem eigenen Nachwuchs das schottische Lieblingsteam der Fußball-Hipster. Leider wechselte Neil schon im Januar 2015 nach Norwich. Unter Nachfolger Martin Canning sind die Accies sehr »gewöhnlich« geworden und rutschten mit dem kleinsten Budget der Liga langsam aber sicher ans Tabellenende. Mit einem Pünktchen Vorsprung konnten sie sich auf Rang 11 in die Relegation retten und dort gegen Dundee United die Klasse halten.

Hamilton bleibt seiner Nachwuchsphilosophie treu und kauft praktisch keine »fertigen« Spieler ein. Nur einige wenige erfahrene Schlüsselspieler wie Mittelfeld-Babo Ali Crawford verstärken das junge Team. Crawford ist als Mittelfeldmann mit 10 Toren auch der erfolgreichste Torschütze der letzten Saison, was schon zeigt, wo die Probleme liegen.

Da alle anderen Teams ordentlich eingekauft haben, muss Hamilton mit dem »Prinzip Hoffnung« darauf bauen, dass einige der hochgeholten jungen Spieler gleich in der ersten Saison einschlagen. Aber es ist zu befürchten, dass das nicht reichen wird und es die sympathischen Accies in der kommenden Saison erwischen wird…

[Foto: »New Douglas Park, home of Hamilton Academical« auf Wikimedia Commons von Alasdair Middleton, Creative Commons Attribution 2.0 Generic Licence, thanks!]

  • Der Spitzname: Accies
  • Der Trainer: Martin Canning
  • Der Topmann: Ali Crawford, Schlüsselspieler im Mittelfeld, mit seinen 26 Jahren neben Verteidiger Skondras der Leitwolf der Accies.
  • Der Toptransfer: Xavier Tomas, routinierte französischer Innenverteidiger vom FC Lausanne. Neben Torhüter Ryan Fulton bis jetzt auch der einzige Neuzugang…
  • Der Funfact: 1994 mussten die Accies ihr Stadion an eine Supermarktkette verkaufen, um nicht bankrott zu gehen. Und tingelten sieben Jahre lang über alle möglichen Plätze in der Region, bis 2001 ihr aktuelles Stadion New Douglas Park errichtet wurde.
  • Die Prognose: Rang 12. Und damit Abstieg in die Championship.
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Weitere Saison-Ausblicke und -Prognosen

Schottische Liga im Fernsehen

Die Lage in Sachen »schottischer Fußball auf deutschen Bildschirmen« hat durch DAZN eine erfreuliche Wendung bekommen. DAZN hat die schottische Liga im Portfolio und zeigt regelmäßig Samstags- und Sonntagsmittags die Livespiele des Spieltags. Außerdem gibt es eine wöchentliches zwanzigminütiges Highlights-Magazin, mit dem einen hervorragenden Überblick über das Geschehen auf den schottischen Fußballfeldern erhält. So war es zumindest in der letzten Saison, wir gehen mal davon aus dass das so bleiben wird.

Ab und an werden zusätzlich sublizenzierte Matches auf Sport1+ übertragen. Am Eröffnungswochenende gab es gleich das Duell Celtic vs Hearts zu sehen.

Daneben unterhalten die großen Vereine noch eigene Pay-Video-Plattformen für die Spiele, die nicht im TV übertragen werden. Besonders Celtic tut sich da mit seinem Celtic TV hervor, hat allerdings auch »gesalzene« Preise…

Wie man sieht, dank der modernen Zeiten mit ihren vielen Diensten und Sendern wird man heutzutage gut versorgt mit schottischem Fußball. Es lebe die Fußball-Moderne!

Los geht‘s!

Nun freuen wir uns auf die neue Saison in Schottland. Höchstwahrscheinlich endet vieles anders als gedacht, denn, es gilt ja wie immer im Fußball: Ah dinnae ken! (Ich weiß es nicht.)

schottland saison-2017-2018

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