Matchday

Wo die blauen Blitze zucken: KSC vs VfL Osnabrück 2:2 – 21.7.2017

KSC vs VfL Osnabrück 2:2

Genau 83 Tage nach dem Klarmachen des Abstiegs in die Dritte Liga durch eine 1:3-Heimniederlage gegen Kaiserslautern gab der KSC sein Comeback in eben jener Dritten Liga. Immerhin wollten trotz Konkurrenz durch »das Fest« (ein populäres Musik- und Kleinkunst-Open-Air-Festival in Karlsruhe) 14.800 Zusehende das Eröffnungsspiel der Drittligasaison gegen den VfL Osnabrück sehen. Und bekamen ein spannendes Auftaktmatch geboten, das der KSC nach einem 0:2-Pausenrückstand immerhin noch zu einem 2:2 ausgleichen konnte…

Gegen Ende der desaströsen letzten Abstiegssaison hörte man im Stammblock vielfach ein »ich geh nächste Saison nimma raus, das Gekicke kann ja keiner angucken«. Aber, Überraschung, zum Saisonauftakt sah man im Block wie immer die üblichen Gesichter. Der komplette Umbruch mit den Neuerwerbungen im Kader haben den »harten Kern« (der eigentlich immer kommt) über den Sommer wieder besänftigt. So wurden trotz Abstieg und Dritte Liga fast 6.000 Dauerkarten verkauft, das ist für Karlsruher Verhältnisse schon eine ordentliche Menge.

Der Aufstiegs-Favorit

Das komplett neuformierte Team machte in den letzten Testspielen einen guten Eindruck, was auch den Trainern der 19 Konkurrenzteams nicht entgangen ist, die den KSC in einer Vorsaison-Umfrage von Liga3-Online mit 17 Nennungen vor Würzburg (14) und Magdeburg (10) auf den Favoritenthron hoben.

Auch beim KSC ist das Ziel klar formuliert, Trainer Marc-Patrick Meister sagte im Interview auf Liga3-Online:

»Wir wollen bestenfalls nur ein Jahr in der 3. Liga spielen. Das ist das Ziel des Vereins und darauf war auch die Kaderplanung bereits ausgerichtet. Um das zu schaffen, ist aber harte Arbeit notwendig.«

Mit dem neuen Stadion am Horizont sollte der KSC auch schleunigst wieder in den DFL-Fußball mit seinen üppigen TV-Geldern zurückkehren, nicht nur Christoph Ruf unkt in baden online und der SZ über die ökonomischen Zwänge und die ungesunde Abhängigkeit des Vereins von der Geldbörse des Vize-Präsidenten…

KSC vs VfL Osnabrück

Der Vorberichte und Prognosen sind nun aber genug abgelassen worden, es wurde höchste Zeit, dass wieder der Ball rollt! Das Karlsruher Wetter wollte dem Drittligaauftakt eine besondere Note geben. Die ganze Woche war Karlsruhe von einer heißen Sommersonne gebraten worden, kurz vor dem Auftakt entschied sich das Wetter, erst einmal einen mörderischen Regenguss abzulassen und rund um das Stadion Gewitter aufziehen zu lassen…

Der Regen begoss eine skurrile Szenerie am Haupteingang, denn an den Stadionkassen waren lange Schlangen zu bewundern. Und warum, bei einem letztendlich gerade mal halb gefüllten Wildpark? Weil jede(!) am Spieltag verkaufte Eintrittskarte über ein umständlich zu bedienendes zentralisiertes Computersystem »live« auf einem langsamen und anfälligen Drucker erstellt wird. Das führte schon beim Testspiel gegen Braunschweig bei nur knapp 1.500 Zusehenden zu Schlangen und Wartezeiten an den Kassen. Bei der Pflichtspielpremiere sollen dann auch noch diverse Kartendrucker ausgefallen sein, so dass Interessenten bis zu einer Stunde an der Kasse anstanden und den Anpfiff verpassten. Und dafür darf man dann auch noch 2 Euro Zuschlag zahlen. Es gibt halt immer wieder neue erstaunliche Sachen beim KSC zu bewundern, als würde man es drauf anlegen, etwaige Zuschauer möglichst effektiv abzuschrecken…

Vor dem Spiel gab es zur Begrüßung der Saison eine üppige Choreografie der Gegengerade zu sehen, die ein »Unsterblicher Karlsruher SC, Du bist alles und bleibst für immer« in die Welt hinaus verkündete. Und eine offizielle Eröffnungszeremonie der Drittligasaison durch den DFB, die eher an ein Turnfest erinnerte…

»Unsterblicher Karlsruher SC« Etwas seltsame Eröffnungszeremonie der Dritten Liga… Die Gegengerade Der Gästeblock

Die Gegengerade und der Gästeblock (Osnabrück liegt ja nicht gerade um die Ecke, und das an einem Freitag abend) waren gut gefüllt und erwartungsfroh. Es konnte nach dem glücklichen Überstehen der Eröffnungszeremonie endlich losgehen.

KSC-Trainer Mark-Patrick Meister schickte die Startelf aus der gelungenen Generalprobe gegen Braunschweig auf den Rasen. Gegner Osnabrück ging mit der Empfehlung von vier Testspielpleiten bei 1:9 Toren ins erste Spiel und galt allenthalben als krasser Außenseiter…

Aber wie das so ist, mit dem Anpfiff des ersten Spiels ist alles Makulatur. Als Zeichen für das, was in der ersten Halbzeit kommen sollte, verdunkelte sich der Himmel über dem Wildpark bedrohlich und rund um das Stadion herum zuckten Blitze…

Anstoß!

Und auch auf dem Rasen verfinsterte es sich. Von der souverän auftretenden Mannschaft aus den Testspielen war nichts mehr übrig, es schien fast so, als hätte sich die Truppe der letzten Saison wieder auf den Rasen geschlichen. Es lief nichts zusammen, der Gegner aus Osnabrück machte die Räume vor dem eigenen Tor dicht und rannte ein ums andere Mal blitzartig über die Flügel Richtung KSC-Tor, wenn der Ball erobert wurde. Nach einem missglückten Spiel auf Abseits stand es schon nach 12 Minuten 0:1 durch den schnellen Reimerink. Der Blitz war im Tor eingeschlagen! Es folgte ein Karlsruher Fehlpassfestival, auf den Rängen war die »neue-Saison-Euphorie« schon verflogen und das Gebruddel ging los.

Nach dem 0:1 verfinsterte sich der Himmel…

Der VfL zog sich nach der Führung zurück und verteidigte relativ mühelos die Führung. Und war brandgefährlich bei eigenen Kontern, unterstützt durch eine konfus wirkende KSC-Abwehr. Das 2:0 kurz vor der Pause war daher fast schon folgerichtig. Stoll ließ sich von Wriedt ausspielen, der flankte und Danneberg netzte mühelos ein (38. Minute). Zur Halbzeit gab es ein Pfeifkonzert, das hatten sich alle etwas anders vorgestellt…

Auf dem Weg zum Bierstand gab es schon die ersten Kommentare wie »des isch koin Trainer« oder »die hennt koin Syschtem« zu hören. Einer der Sportsfreunde aus meinem Stammblock stapfte sogar zur Halbzeitpause wutentbrannt nach Hause. Nach der letzten Saison ist die Geduld keine im Wildpark häufig anzutreffende Tugend…

In der zweiten Hälfte änderte sich zunächst nicht viel, nach einer Stunde ackerten sich die Blau-Weißen ins Spiel hinein und deuteten an, dass in ihnen doch mehr steckt als in dem willenlosen Haufen der letzten Saison. Der KSC stellte sein Spiel ein wenig um. Camoglu rückte auf die Zehn neben der hängenden Spitze Fink, was dem KSC-Angriffsspiel gut tat. Auf den Flügeln wurden die Anspiele von Lorenz in den Strafraum auf den großen Stroh-Engel präziser. Und letzterer braucht dann auch nicht viele Chancen, in der 69. Minute hielt er den Fuß zart an eine scharfe Flanke und fälschte unhaltbar zum 1:2 Anschlusstreffer ab.

Trainer Meister wechselte den jungen Florent Muslija ein, der sich mit seiner Schnelligkeit belebend auswirken sollten. Besonders als er in der 74. Minute im Strafraum zu Boden ging und der Schiri auf den Punkt zeigte. Elfmeter ist, wenn der Schiri pfeift. Anton Fink ließ sich das nicht entgehen und vollendete zum 2:2-Ausgleich.

Das Publikum war nun wieder da und der KSC drückte, nahm sich aber in der Schlussphase durch Auswechslungen der beiden Sturmroutiniers Stroh-Engel und Fink selbst die Torgefahr aus dem Spiel, so dass es am Ende ein verdientes 2:2 Unentschieden gab.

Die Lage

Nach der Euphorie der Vorbereitung kehrte der Alltag der Dritten Liga schneller ein, als sich das alle vorgestellt hatten. Dass das Leben als Favorit in der Dritten Liga hart ist, sollte nach der Partie allen klar sein. Wer gestern das Spiel Meppen gegen Würzburg gesehen hat, konnte beim anderen Absteiger ähnliches beobachten. Räume eng machen, Kontern und mit Härte verteidigen können sie in der Dritten Liga alle.

Wichtig war, dass der KSC das Spiel in der letzten halben Stunde noch ausgleichen und damit den Stimmungstöter »Fehlstart« vermeiden konnte. Die erfahrenen Drittliga-Torjäger Stroh-Engel und Fink zeigten schon, dass sie auf jeden Fall ihre Tore machen werden. Und es war gut, dass Kampfmoral gezeigt und sich nicht wie letzte Saison willenlos ins Verlierer-Schicksal ergeben wurde. Was auch Trainer Meister anmerkte:

»…wir haben eine halbe Stunde hingelegt, wie es sich jeder vorstellt, emotionaler, mit Zweikämpfen. Irgendwann war ein Blitz über der Anzeigetafel, vielleicht war das das Zeichen für meine Jungs. Sie haben es hinten raus gut gemacht.«

Vielleicht zeigte das Spiel auch, dass in der Dritten Liga gegen tiefstehende Gegner mehr Kreativität in die Mittelfeldzentrale muss. Die beiden defensiv orientierten Bülow und Hofmann hinter Fink und Stroh-Engel zu stellen ist gegen diese Gegner etwas arg vorsichtig. Als Burak Camoglu (kam von der zweiten Mannschaft des BVB, ein feiner Fußballer) in der zweiten Halbzeit die »Zehn« übernahm, wurde das Angriffsspiel gleich präziser und druckvoller. Und mit Marvin Wanitzek hat Meister noch einen zweiten Aspiranten für das offensive Mittelfeld auf der Bank.

Und man darf bei allem örtlich bedingten Hang zum Bruddeln auch nicht vergessen, dass die Mannschaft in dieser Zusammensetzung vor gerade mal einem Monat das erste Mal gemeinsam auf dem Rasen stand. Das ist ein Totalumbruch, wie ihn normalerweise kaum ein Verein freiwillig durchführt. Der wird noch seine Zeit brauchen. Deshalb sollte man die ersten 10 Spiele abwarten, bevor man in den Chor der badischen Bruddler einstimmt…

Am Freitag kann man beim Auswärtsspiel bei Aufsteiger Unterhaching den ersten Dreier einfahren!

Impressionen

Flutlicht-Freitag…

Vor dem Spiel sah es noch freundlicher aus… Dritte-Liga-Eröffnungstanz… Gut gefüllte Gegengerade… Choreo vor dem Spiel.

Ein Himmel, so düster wie der Spielstand zur Halbzeit…

Gegengerade Gästeblock mit der üblicher Botschaft… Spielszene 0:2 zur Halbzeit

KSC vs VfL Osnabrück 2:2

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