Matchday

Gelungene Generalprobe: KSC vs Eintracht Braunschweig 2:1 – 15.7.2017

Testspiel KSC vs Eintracht Braunschweig 2:1

Nix gegen Radrennfahrer auf französischen Straßen und europäische Qualispiele mit Vereinen aus den kleineren Ligen, aber es wird höchste Zeit, dass es wieder mit dem »richtigem« Fußball los geht. Zum Glück startet in einer Woche die Dritte Liga in die neue Saison. Und der KSC darf in selbiger den Versuch unternehmen, die überaus desaströse abgelaufene Zweitligasaison mit dem Wiederaufstieg in den DFL-Fußball vergessen zu machen.

Traditionell gibt es in Karlsruhe eine Woche vor dem Saisonstart den Familientag und ein Testspiel als »Eröffnung« gegen einen interessanten Gegner. Nachdem wir in Karlsruhe in den letzten Jahren mit Derby County, Valencia CF oder dem FC Malaga verwöhnt wurden, war es in dieser Saison mit Eintracht Braunschweig eher ein Gegner aus der Kategorie »Naja«. Da es aber Samstag und sonst nix zu tun war, reihte sich der Blogger dieses kleinen Fußballblogs unter die 1.147 Zusehenden beim 2:1-Sieg des KSC gegen die Eintracht ein…

KSC vs Eintracht Braunschweig 2:1

Nun ist Eintracht Braunschweig sicher nicht so glamorös wie Teams aus England und Spanien. Aber als Gegner für die Generalprobe eigentlich keine schlechte Wahl. Als Spitzenteam der abgelaufenen Zweitligasaison hatte der BTSV bekanntlich deutlich an das Tor zur Bundesliga geklopft und scheiterte recht unglücklich am VfL Wolfsburg in der Relegation. Und hatte vor knapp 10 Tagen mit dem 1. FC Magdeburg ein Spitzenteam der Dritten Liga mit 6:1 geschlagen. Also durchaus ein aussagekräftiger Gegner.

Extrem gefährlich und gewaltbereit wirkender Braunschweiger Mob im Gästeblock…

Um ein Haar hätte das Spiel gar nicht stattgefunden. Ursprünglich war geplant, den Testkick beim FV Ubstadt, etwa 25 km nördlich von Karlsruhe auf dem Land gelegen, stattfinden zu lassen. Dort wurde er aber ein Opfer der grassierenden Hysterie der »Sicherheitsbehörden« und musste in den Wildpark verlegt werden, wo sich dann ca. 30 extrem gefährlich wirkende Eintracht-Fans (siehe Bild) im Gästeblock verloren…

Schade für Ubstadt, gut für mich, denn für ein Testspiel wäre ich wohl eher nicht raus auf‘s Land gefahren. So bot sich die Gelegenheit, das neue Team eine Woche vor dem Saisonstart im Wildpark anzuschauen.

Trainer Marc-Patrick Meister hatte vorher angekündigt, dass sich die Startelf vor dem Auftakt nun nicht mehr groß ändern würde. Und dass das Spiel eine Entscheidung über den Stammtorhüter bringen würde. Umso interessanter war natürlich die Startelf, die da lautete:

Uphoff
Bader, Pisot, Stoll, Föhrenbach
Camoglu, Hofmann, Bülow, Lorenz
Fink, Stroh-Engel

Der neue Stammtorwart heißt also Benjamin Uphoff, 23 Jahre, Neuzugang vom VfB Stuttgart. Der immerhin 34 Mal bei der zweiten Mannschaft des VfB in Drittligaspielen im Tor stand.

Ansonsten sahen wir hier ein äußerst routiniertes Team. Mit Pisot, Stoll, Hofmann, Bülow, Lorenz, Fink und Stroh-Engel standen gleich 7 Spieler aus der Alterskohorte 28+ auf dem Rasen. Der Plan beim KSC ist offensichtlich: Mit viel Erfahrung und bewiesener Zweit- und Drittliga-Qualität sofort den aus ökonomischen Gründen so bitter nötigen Wiederaufstieg zu schaffen.

Überraschend ist, dass Oldie und »KSC-Fossil« Stoll den Vorzug vor dem Heimkehrer Gordon bekam. Stoll ist übrigens auch der einzige übrig gebliebene Akteur aus der Startelf der Generalprobe gegen Derby in der letzten Saison

Das Testspiel ging denkbar ungünstig für die neue Nummer 1 im Tor los, nach vier Minuten schätzte Uphoff einen Aufsetzer nach einer Braunschweiger Ecke falsch ein und packte sich den Ball mehr oder weniger selbst ins Tor. Nicht gerade das, was man bei seinem Debut als Nummer 1 im eigenen Stadion erleben möchte…

Trotz der danach gelegentlich etwas hämischen Reaktionen des Publikums auf der Gegengeraden (muss ja auch nicht sein…) steckte Uphoff das gut weg und machte danach ein gutes Spiel.

Wie auch seine Kollegen auf dem Feld, trotz Rückstand wurde das Braunschweiger Tor berannt und diverse gute Chancen erspielt. Eintracht-Keeper Fejzic bekam mehr zu tun, als ihm lieb war.

Direkt nach der Halbzeit wurde der KSC belohnt, Neuzugang Stroh-Engel erzielte nach einer schönen Flanke des jungen Camoglu in der 46. Minute den Ausgleich. Nur sieben Minuten später flankte die Freiburger Leihgabe Föhrenbach scharf in den Strafraum, Baffo verlängerte ins eigene Tor zur 2:1-Führung für den KSC.

Das wollten die Braunschweiger nicht auf sich sitzen lassen, die durch eine gewisse Unzufriedenheit gespeisten lauter werdenden Kommandos von Braunschweigs Coach Lieberknecht hallten durch den Wildpark…

Es entwickelte sich bis zum Schluss ein (für einen Testkick) durchaus lebhafter Kick mit Torchancen auf beiden Seiten. Das Offensivspiel des KSC wirkt wie ausgewechselt, auch wenn natürlich noch nicht alles klappt.

Das in der Vorsaison so wackelige Flügelspiel hat deutlich an Qualität gewonnen, die beiden Außenverteidiger Bader und der starke Neuzugang Föhrenbach standen hoch und gingen immer wieder mit nach vorne. Auf der linken Seite sah das Zusammenspiel Föhrenbach – Lorenz schon gut aus. Die Bälle gehen nicht mehr sofort in halbgaren Dribbelversuchen auf den Außenpositionen verloren, sondern wurden behauptet und landeten (für KSC-Zusehende fast schon irritierend oft) bei den Mitspielern in der Mitte.

Mit Anton Fink steht im Bereich zwischen offensivem Mittelfeld und Sturmspitze ein Mann auf dem Rasen, der auch mal einen Ball halten und vernünftig weiterverteilen kann. Im zentralen Mittelfeld machten die beiden »großen starken« Routiniers Bülow und Hofmann einen kampfstarken und souveränen Eindruck.

Auch wenn man so ein Testspiel nicht überbewerten sollte: Nach diesem Spiel kann man als Karlsruher mit einem gewissen Optimismus in die neue Saison gehen. Dafür, dass dieses Team praktisch komplett neu zusammengestellt wurde und erst seit vier Wochen zusammen spielt, sieht das schon sehr ordentlich aus.

Entsprechend wurde das Team mit einem optimistischen Applaus von den 1.147 Zusehenden verabschiedet…

Dritte Liga ante portas!

Und am kommenden Freitag wird es dann auch schon ernst, der KSC eröffnet die Saison der Dritten Liga um 20:30 gegen den VfL Osnabrück. Dann werden wir sehen, wie weit das neu formierte Team ist und ob der Optimismus nach der Generalprobe angemessen war. Das wird übrigens das erste live übertragene Drittligaspiel beim neuen Anbieter »Telekom Fußball«, der erfreulicherweise alle Spiele der Dritten Liga live überträgt. Was gerade für KSC-Fans sehr schön ist, zeigt sich doch der lokal zuständige ÖR-Sender schon zum Auftakt von seiner in Sachen KSC hinreichend bekannten Seite. Der Wildpark steht halt nicht in Bad Cannstatt…

Zur Vorbereitung auf die Saison der Dritten Liga ist der Podcast drüben im Magdeburg-Blog »Nur der FCM« sehr zu empfehlen. Alex und Thomas haben sich die Mühe gemacht, sich für jedes Team der Dritten Liga die Ab- und Zugänge anzuschauen und eine Einschätzung zu den Teams in den drei Kategorien »Aufstiegsaspirant«, »Mittelfeldteam« oder »Abstiegskandidat« abzugeben. Hört man sich auch noch den (recht langen ;-)) Podcast-Rückblick auf die letzte Saison der Dritten Liga bei 120minuten an, so hat man als Karlsruher Fußballfreund(in) ein gutes Rüstzeug zur Einschätzung der Gegner in der für Karlsruhe »neuen« (obwohl, so lange ist der letzte Drittligabesuch ja noch nicht her…) Liga im Kopf.

Vor der Saison muss man natürlich einen Tipp abgeben. Ich erwarte KSC, Würzburg, Magdeburg, Aalen und ein bis jetzt noch unbekanntes Überraschungsteam im Aufstiegsrennen. Letzteres gibt es in der Dritten Liga eigentlich immer, vielleicht wird das Hansa Rostock. Oder der SC Paderborn legt einen »Darmstadt-Stunt« (sportlich absteigen, wg. Lizenzkalamitäten anderer Klubs doch drin bleiben und aufsteigen) hin…

Generell zeichnete sich die Dritte Liga in den letzten Jahren dadurch aus, dass es über weite Phasen der Saison ausgesprochen eng zuging. Letzte Saison lagen zwischen dem Sechsten Osnabrück und dem 16. Fortuna Köln nur 8 Punkte.

Für den KSC muss es darum gehen, sich möglichst schnell einzuspielen und die Favoritenrolle anzunehmen. Mit den beiden Drittligatormaschinen Fink und DSE auf dem Rasen werden es die meisten Gegner, gerade im Wildpark, ziemlich defensiv angehen lassen.

Wir werden es sehen. Alles ist bereitet, es kann wieder losgehen!

Impressionen

Der neue Stammtorwart Benjamin Uphoff. Der Gästeblock war nicht gar so voll. Was aber für »Sicherheitsbedenken« allemal ausreichte… KSC - Braunschweig 2:1 Trotz Testspiel ging es mitunter durchaus zur Sache. Das erste Stadionbier der Saison! Aufwärmübungen der KSC-Spieler vor der zweiten Halbzeit. Neue Zeiten! The Huddle bei der Eintracht… Anstoß zur zweiten Halbzeit. 1147 Zusehende. Ein verdienter Applaus nach dem Spiel.

ksc braunschweig saison-2017-2018 dritteliga

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