Eine der besten Rückrunden aller Zeiten…

Spielbetrieb

Nordkurve beim 1:0-Sieg gegen Mainz 05 im Dezember 2016

Es ist soweit, am Samstag ist die Bundesliga-Spielzeit 2016/17 Geschichte! Und die Borussia aus Mönchengladbach wird eine große Party veranstalten! Denn mit einem Sieg gegen Darmstadt wären es in der Rückrunde 30 Punkte, eine wahrhaft »starke Bilanz«. Und Borussia hat schließlich eine »insgesamt ordentliche Saison« gespielt. Wenn das kein Grund zum Feiern ist…

Wat, »ordentliche Saison«?

Ja, verehrte Leserinnen und Leser, diese Einschätzungen lassen Sie ob der Leistungen der Fohlenelf in der nun fast beendeten Saison möglicherweise genauso amüsiert zurück wie mich. Natürlich kann von einer »ordentlichen« oder gar »starken« Saison keine Rede sein. In Wirklichkeit ist die Borussia in dieser Saison in einer bemerkenswerten Weise in das Mittelfeld einer schwachen Liga zurückgestutzt worden.

Was dann am Ende der Saison auch keine Überraschung ist, es deutete sich nach dem fast totalen Absturz in der Hinrunde schließlich schon an. Und wurde in der Rückrunde vollendet. Die Borussia brachte es fertig, am Ende wirklich jedes sportliche Ziel in der aus der Hinrunde hinreichend bekannten Art und Weise zu verspielen…

Für die verehrten Leserinnen und Leser dieses kleinen familiären Fußballblogs gab es seit dem Bericht vom grottenlangweiligen 0:0 in Darmstadt nichts mehr über Borussia zu lesen. Das ist das Gute am Bloggen: Wenn man keine Lust hat, über ein Thema zu schreiben, lässt man es halt bleiben. Aber zum Ende der Saison soll es dann doch noch einmal eine kleine Einschätzung geben.

Der Verein mit der Schönredner-DNA

Eine »Debattenkultur« über den sportlichen Weg, wie in anderen Vereinen (gerade in nicht ganz so glorreichen Zeiten) üblich, gibt es im Umfeld der Borussia nicht. In Social Media gibt es unfassbare Sachen zu lesen. Eine übergroße Mehrheit ist auf »linientreuem« Vereinskurs und weist jegliche Kritik empört zurück. Man ist sogar schon mehr als zufrieden, wenn man den Klassenerhalt geschafft hat. Jedes Gegenargument endet mit einem »was willst Du denn, 2009 wären wir über Rang 10 froh gewesen…« Und wer das nicht so sieht, hat »überzogene Erwartungen«. Das ist die Borussia-Welt 2017…

Was bei dieser »rosaroten« herrschenden Sichtweise gerne unter den Tisch fallen gelassen wird: Die Borussia im Jahre 2017 ist in jeglicher Hinsicht in einer komplett anderen Situation, als es der Verein 2009 (oder auch 2011) war. Nur weil von Mitte der 90er bis in die Nuller-Jahre hinein miese Arbeit geleistet wurde (die Fohlenelf war auch zweimal der (Beinahe-)Absteiger mit den höchsten Etats aller Abstiegsaspiranten, siehe 2007 und 2009/2011), kann das nicht die Beurteilungsgrundlage für sportlichen Erfolg oder Misserfolg bis ans Ende aller Zeiten sein!

Borussia hat seit der Saison 13/14 das sechstmeiste Geld aller Bundesligisten in Spieler investiert, mehr als 90 Mios. Alleine in der aktuellen Saison wurden Spieler für fast 40 Mio. Euro gekauft. Das hat ein Klub wie Eintracht Frankfurt in seiner gesamten Vereinsgeschichte nicht. Und Borussia war in 6 Jahren fünfmal im Europapokal. Das ist das berühmte »sehen wo wir herkommen« aktuell, und das muss dann auch die Beurteilungsgrundlage des sportlichen Erfolgs einer Saison im Jahre 2017 sein.

Eine schlechte Saison kommt vor

Natürlich kann man auch mit vielen Spielern der teureren Kategorie eine schlechte Saison spielen, so etwas passiert immer mal wieder. Das gab es in Dortmund vor 2 Jahren, und das erleben aktuell Leverkusen, Schalke und Wolfsburg ganz genauso.

Was es aber nur bei Borussia gibt, ist der Drang bei den Verantwortlichen, der Haus- und Hofpresse und dem größten Teil des Fan-Umfelds, alles trotzdem zwanghaft positiv sehen zu wollen.

Fakt ist: Die Fohlenelf ist in dieser Saison nur wg. des Zwischensprint/Trainerwechseleffekts zwischen dem 17. und 23. Spieltag mit der Ausbeute von 5 Siegen und 16 Punkten nicht in akute Abstiegsgefahr geraten. Seit dem 23. Spieltag wurde in 13 Pflichtspielen noch genau dreimal gewonnen. Also wie unter Schubert in der Hinrunde nach dem 3. Spieltag. Ein guter Auftakt und dann nachgelassen.

Und letzte Saison war es auch schon ähnlich, wenn auch auf einen deutlich höheren Niveau. Da ist ein ziemlich deutliches Muster, und dieses Muster kann niemandem gefallen, »2009 wären wir froh gewesen« hin oder her.

Kaderdefizite

Borussias Kader (angeblich der beste und breiteste, auf jeder Position hochwertig vierfach besetzte der Geschichte) besteht aus brauchbaren bis (sehr) guten Fußballern. Als Gesamtheit ist die Mannschaft aber deutlich weniger, als sie in der »Summe ihrer einzelnen Teile« eigentlich sein müsste.

Es war nach der Hinrunde »offizielle Vereinsreligion«, dass André Schubert daran schuld war. Nur zeigt die Rückrunde (30 Pkt hin oder her), dass die Probleme so einfach nicht gelagert sind. Besonders die Art und Weise, wie gegen mittelmäßige Mannschaften die Europa League, der DFB-Pokal und am Ende sogar der europäische Strohhalmplatz 7 verspielt wurden, war schon ziemlich ernüchternd. Und was Gegentore angeht – Abwehrschwäche war stets einer der Hauptvorwürfe in Richtung Schubert – stehen wir einen Spieltag vor Schluss fast auf dem gleichen Niveau (22 Gegentore in der Rückrunde gegen 25 in der Hinrunde).

»Die Fohlenelf ist Durchschnitt, nicht mehr und nicht weniger, und ihr fehlt jeglicher ›Killer-Instinkt‹.«

Und man sollte auch nicht außer acht lassen, dass die Mannschaft seit Sommer 2015 mittlerweile den dritten Trainer hat. So viele haben in der Zeit nicht mal Schalke oder der HSV verbraten…

Fazit

Borussia ist in einer für die Möglichkeiten, die sie im Jahre 2017 hat, ziemlich schwachen Saison dank des »Trainerwechseleffekts« noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Mit dieser Saison kann man nicht zufrieden sein, dazu wurde zu viel zu leicht verspielt. Wer nur die (wg. des Zwischensprints/Trainerwechsel, s.o.) Rückrunden-Punktebilanz anschaut, macht sich selbst was vor.

Die Qualität der Mannschaft sinkt seit Sommer 2015 (2014/15 66 Punkte, 205/16 55 Pkt., 2016/17 44 oder 47 Pkt.) kontinuierlich. Und das war nicht zufällig der Zeitpunkt, an dem Eberl mit dem Wechsel seiner Transferstrategie begonnen hat. Nämlich: Ein Gerüst von Bundesliga-Kickern des (gehobenen) Durchschnitts zusammenzustellen und ansonsten darauf zu setzen, dass eines/mehrere von in ganz Europa zusammengekauften Talenten, die gerade das Kindesalter verlassen haben, den Durchbruch schafft/schaffen. Die »Wundertüte« als Kaderplanungsstrategie. Aber, wie Eberl sagt, »alternativlos«…

Eberl steht jetzt in der Pflicht, das Gesicht der in dieser Saison in dieser Zusammenstellung offensichtlich nicht gut funktionierenden Mannschaft zu ändern. Und das erfordert dann auch, dass der eine oder andere verkauft wird, da ohne Europapokal kein Kader von 35 Spielern gebraucht wird. Und das durchaus vorhandene Geld (bei der MV holte man sich bekanntlich die Ovationen für das wirtschaftliche Rekordergebnis ab) in den primären Geschäftszweck der Unternehmung Borussia gesteckt wird. Man darf gespannt sein, was in der Hinsicht im Sommer passieren wird.

Diese Mannschaft, seit 2015 weitestgehend zusammen geblieben, ist »satt«. Sie spielt nie so, dass man von »offener Arbeitsverweigerung« reden müsste. Aber gibt auch nur selten das gewisse »Extra«, um mal über die berühmten 100% hinaus zu gehen. Diese Mannschaft braucht einen Umbruch! Sonst wird die Saison 17/18 ein ähnlich enttäuschendes Ende nehmen wie die abgelaufene Spielzeit…

gladbach bundesliga saison-2016-2017

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