Matchday

»A German Team« had to fight: Borussia Mönchengladbach vs Celtic FC 1:1 – 1.11.2016

Borussia Mönchengladbach vs Celtic FC 1:1

Zum Abschluss der »schottischen Wochen« im Hause ballreiter gab es natürlich das passende Rückspiel zum Hinspiel in Glasgow in der Champions League gegen Celtic. Den Widrigkeiten, die ein Abendspiel mit öffentlichen Verkehrsmitteln im Borussia-Park mit sich bringt, wurde tapfer getrotzt, um die Bhoys aus Glasgows East End im Einsatz bei der Fohlenelf vom Niederrhein zu sehen. Belohnt wurde die Mühe mit einem durchaus spannenden Europapokal-Fight ohne Sieger…

A German Team in der Infrastruktur-Provinz

Zwischen Borussia und Celtic hat sich nach dem Hinspiel auf allen Ebenen ein großartiges Verhältnis entwickelt. Tausende Celtic-Fans fanden sich zum Rückspiel in Mönchengladbach ein, ohne dass es irgendwelche Probleme gab. Es war ein großes Fußballfest zum gemeinsamen Feiern, Bier trinken und Fußball schauen. So muss das sein, und das war natürlich ob der bekannten Schottland- und Celtic-Affinität im Hause ballreiter ein besonderer Grund zur Freude…

Ein großer »Fail« war natürlich wieder, wie stets bei Spielen unter der Woche, der öffentliche Nahverkehr. Nicht nur, dass es wieder einmal ewig dauerte, nach dem Spiel mit dem Shuttlebus vom weitab jeglicher Zivilisation gelegenen Borussia-Park zur Mönchengladbacher Bahnhofs-Ruine zu gelangen. Nein, die Bahn hatte auch beschlossen, das Problem »Hunderte Celtic-Fans wollen nach Düsseldorf zum Flughafen« zu ignorieren und beließ es beim wg. Feiertag sowieso ausgedünnten Standard-Fahrplan mit genau 2(!) S-Bahnen Richtung Düsseldorf in anderthalb Stunden. Die erste war so überfüllt, dass die Türen von der Polizei abgeriegelt wurden und diese dann trotz eines Bahnsteigs mit Hunderten von Leuten abfuhr. Für den Rest gab es keinerlei Informationen, Menschen von der Bahn ließen sich keine blicken. Irgendwann wurde ein verranzter Zug aus Schrottwaggons kommentarlos bereit gestellt, der wohl nach Düsseldorf fuhr. Und gegen 1 Uhr kam dann auch noch einmal eine S-Bahn. Für eine Strecke von nicht ganz 20 km brauchte man bis 1:20 in der Nacht. Dauer der Bahnfahrt: 17 Minuten. Eine wahrhaft blamable Regionalliga-Infrastruktur am stolzen Champions-League-Standort Mönchengladbach…

Borussia vs Celtic 1:1

Draußen in der Pampa Rheindahlens war die Stimmung rund um das Spiel natürlich hervorragend. Der Gästeblock hatte seinen Spaß mit Jünter, und mit einem gepflegten »YNWA« wurde vor dem Spiel für Stimmung gesorgt…

Mit dem Anpfiff rückte dann der sportliche Aspekt näher. Mit dem Sieg im Hinspiel hatte sich die Fohlenelf in der CL-Gruppe C eine gute Ausgangsposition geschaffen. Im Heimspiel gegen Celtic war natürlich ein Sieg fest eingeplant, der zum einen den Rang 3 (Überwintern in der EL) klar machen sollte, und zum anderen die Chance auf Rang 2 und die CL-KO-Runde offen halten sollte.

Brendan Rodgers Celtic brauchte hingegen einen Sieg, um die Chancen auf Rang 3 offen zu halten. Das Problem dabei: Celtic ist in der CL-Gruppenphase notorisch auswärtsschwach, in 25 Versuchen wurden nur ein Sieg (2012 ein 3:2 bei Spartak Moskau) und ein Unentschieden geholt. Somit war die Fohlenelf schon durchaus Favorit…

Wenn da nicht die zuletzt auch daheim zu sehenden Schwächen gewesen wären (mit der tristen Bundesliga-Realität wollen wir uns beim Thema Europapokal sonst nicht weiter beschäftigen). Als Verstärkung für die lahmende Offensive kehrten Thorgan Hazard in die Startelf und Raffael auf die Bank zurück.

Nach der obligatorischen Champions-League-Hymne (böse UEFA hin oder her, immer wieder ein großer Moment, denn gemäß des obersten Borussen-Mantra muss man ja schließlich immer sehen wo man her kommt und den Moment genießen…) ging es in einer großartiger Atmosphäre los. Borussia begann gut und druckvoll, hatte aber wieder vom Beginn an die in den letzten Wochen zu beobachten Schwierigkeiten im Abschluss. Und es war schnell zu sehen, dass die wg. Verletzungen von Kieran Tierney und Kolo Touré (der somit als Helfer für die Borussen-Offensive nicht verfügbar war…) umformierte Celtic-Abwehr einen guten Tag erwischt hatte.

Nach etwa 20 Minuten wagte sich auch Celtic nach vorne, vor allem die schnellen Moussa Dembélé und Scottie Sinclair (mit seinem Pfostenschuss nach einem Ballverlust von Stindl in der 24. Minute) sorgten für Gefahr. Celtic wurde dadurch aber defensiv anfälliger. Was dann nach einem schönen Angriffszug für das 1:0 durch Stindl nach einer gelungenen Kombination mit Kramer und Hazard sorgte…

Mit dieser Führung ging es in die Pause. Im Parallelspiel zwischen ManCity und Barça stand es 1:1 (und mit einem Sieg für die katalanische Maschine kann man ja immer rechnen), so sah die Tabelle gut aus und der CL-Himmel am Niederrhein leuchtete rosarot. Bemerkenswert war, dass Celtic in der ersten Halbzeit mehr Ballbesitz hatte.

In der zweiten Hälfte entwickelte sich das Spiel zu einem offenen Kampf. Beide Teams kamen zu ihren Gelegenheiten, und im Laufe der zweiten Halbzeit entwickelte Celtic Druck in Richtung Gladbacher Tor, denn man brauchte den Sieg. Es fehlte den Bhoys aber die Präzision in den Abschlüssen.

Für Abhilfe sorgte Julian Korb. Der riss Dembélé beim Torschuss im Strafraum um und sah deshalb regelkonform die Rote Karte. Dembélé verwandelte den fälligen Elfer zum 1:1-Ausgleich.

In der Folge witterte Celtic Morgenluft und es entwickelte sich ein spannendes und offenes Match. Beide hatten ihre Chancen, Celtic hätte mit besserer Chancenverwertung durchaus gewinnen können. Was auch nicht wirklich unverdient gewesen wäre. So blieb es beim 1:1.

Fazit: Ein spannendes und interessantes Spiel, dass in der 2. Halbzeit nach dem Ausgleich mit offenem Visier geführt wurde und das Publikum bestens unterhielt.

Borussia Mönchengladbach vs Celtic FC 1:1

Die Lage

Durch das Remis bleibt Borussia in der besseren Position im Kampf um Platz 3. Da ManCity gegen Barça gewann, ist der Kampf um Platz 2 wohl beendet. Denn wer traut Borussia in der aktuellen Form einen Sieg gegen ManCity oder gar Barça zu?

Im Stadion schaut man (zumindest macht man das im Hause ballreiter so) auf den Rasen und nicht ins mobile Endgerät. Selbiges öffnete man dann nach dem Spiel mit der eigenen »zwar nicht gewonnen, aber war doch ein gutes Spiel gegen ein heute wirklich gutes Celtic«-Meinung und war dann beim Nachlesen ob der heftigen Reaktionen auf dieses Spiel in Social Media überrascht. So als müsste man Celtic, die wohl in der Wahrnehmung ihrer Spielstärke irgendwo knapp über Drochtersen/Assel liegen, eigentlich haushoch schlagen…

Es scheint, als würde da die Enttäuschung über die bisherige Saison, insbesondere in der Bundesliga, auf dieses Spiel projeziert. Und die Geringschätzung für die Leistung Celtics ist schon ärgerlich, das haben die wackeren Bhoys nach diesem Spiel nicht verdient…

Impressionen

gladbach celtic championsleague schottland saison-2016-2017

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