»Suffer little Borussen«, oder: Mönchengladbachs Manchester-Menetekel

Spielbetrieb

Auf, auf, auf… »Oh Manchester, so much to answer for« sang einst Manchesters berühmte Band »The Smiths« in einem Song, der passenderweise »Suffer little children« heisst. Und leiden musste die Fohlenelf! Denn im wg. des Wetters um 24 Stunden verschobenen ersten Gruppenspiel der Champions League bei Manchester City setzte es für die chancenlose Borussia in einer erneut schwachen Auswärtsleistung eine 0:4-Niederlage…

»Suffer little Borussen, Part I« – Das Unwetter

Das Spiel stand von Beginn an unter einem schlechten Stern. Oder, präziser gesagt, unter einem Schlechtwettergebiet. Ein Unwetter mit viel Wasser machte ein Dienstag-Spiel unmöglich und brachte ein »Suffer little Borussen« auf die Tagesordnung. Denn natürlich können normale Fans auf Auswärtsreise nicht kurzfristig »einfach so« einen Tag länger dableiben, um das Spiel zum mittwöchlichen Nachholtermin zu schauen.

Während es die mitgereisten Fans eher locker nahmen, sah sich die offizielle Borussia bei der Festlegung des Nachholtermins als Opfer des Einflusses des bösen reichen Scheichklubs ManCity. Um irgendwie früher zurückfliegen zu können, wollte Borussia um 18:00 Ortszeit spielen, aus nachvollziehbaren organisatorischen Gründen bestand ManCity aber auf (Ortszeit) 19:45. Was dann zu Anti-ManCity-Tiraden in Social-Media führte, exemplarisch:

Als ob diese 1:45 h früher für die Fans etwas ändern würden, und als ob nicht bis zum nächsten Spieltermin am Samstag 18:30 Zeit genug wäre. Umgekehrt hätte man das Geheule hören mögen, wenn das Spiel in Gladbach abgesagt und Mittwoch um 18:00 neu angesetzt worden wäre und alle heimischen Zuschauer das Problem gehabt hätten, frühzeitig an einem Werktag nachmittags ins Stadion zu kommen. Dann hätte es wohl geheißen »na toll, damit der Scheichklub früher heim kann muss ich nun einen halben Tag Urlaub nehmen«. Tri Tra Trullala…

Der Verein Borussia bekam dann aber wieder die Kurve, ersetzte den Fans in einer noblen Geste den Eintrittspreis und vor dem Spiel am Mittwoch abend bedankte sich Max Eberl medienwirksam bei einigen der etwa 300 verbliebenen Borussen im Auswärtsblock:

»Suffer little Borussen, Part II« – Manchester City vs Borussia Mönchengladbach 4:0

Danach ging es dann aber endlich um Fußball. André Schubert hatte des ballreiters Aufstellungswünsche nach dem Freiburg-Spiel berücksichtigt. Dahoud, Hahn und Johnson rückten für Jantschke, Traoré und Hazard in die Startelf, Strobl ging in der Dreierkette und machte Platz für Dahoud im defensiven Mittelfeld.

Nun kann man realistischerweise nicht unbedingt mit einem Auswärtsdreier rechnen, wenn die Fohlenelf in der Champions League auswärts bei der mit millionenschweren Superstars gespickten Truppe von Meistertrainer Pep Guardiola antritt. Mehr als eine weitere blutarme und kämpferisch schwache Auswärtsvorstellung, die sich nur zu gut in die lange Reihe schlechter Auswärtsspiele seit fast einem Jahr einreihte, kann man indes durchaus erwarten.

Zu spät im Handeln und Denken, zu zaghaft in Zweikämpfen, zu weit weg vom Gegner standen die Borussen, dem aggressiven Pressen von Peps Truppe fast schon hilflos ausgeliefert. Schon das 1:0 in der 9. Minute zeigte die Probleme der Fohlenelf gnadenlos auf. Nach einem Einwurf behauptete Sterling den Ball gegen drei Borussen und konnte auf den völlig frei stehenden Kolarov ablegen, dessen scharfe Hereingabe der vor dem Tor von Christensen allein gelassene Kun Agüero mühelos zur Führung verwandelte.

ManCity zog ein Pressing-Spiel auf, das die Borussia kaum mehr die eigene Hälfte verlassen und schön leiden ließ. Nach Balleroberung spielte City scharfe Pässe auf die agilen Sterling, de Bruyne und Gündogan. Die Fohlenelf kam damit gar nicht zurecht. Das defensive Mittelfeld wurde praktisch überlaufen, Kramer (Zweikampfquote 29%) stand völlig neben sich. Dahoud, ohne Xhaka an seiner Seite nur die Hälfte wert, wusste gar nicht so recht, wo er hinlaufen sollte. Dazu eine wackelige Abwehr (Strobl, Zweikampfquote 23%) – die nächsten Tore waren nur eine Frage der Zeit. 23:3 Torschüsse waren es am Ende, und Torhüter Yann Sommer bester Borusse…

Für das 2:0 musste aber Kramer mithelfen. In der 28. Minute haute er Gündogan auf der Strafraumlinie um, den fälligen Elfer verwandelte wieder Kun Agüero.

Danach hatte Schubert genug, Kramer bekam die Höchststrafe und wurde noch in der 38. Minute ausgewechselt. Julian Korb wurde zur Verstärkung der Abwehr auf‘s Feld beordert und diese auf eine Viererkette umgestellt.

Nach der Pause ließ es ManCity ruhiger angehen, ohne dass Borussia dadurch besser ins Spiel gekommen wäre. Entsprechend mühelos fielen die weiteren Tore. Sterling ermöglichte in der 77. Minute mit einem die ganze Borussia-Defensive aushebelnden Pass Kun Agüero einen (britischen) Hattrick. Und zu allem Überfluss durfte dann auch noch kurz vor Schluss ausgerechnet der ex-Schalker Leroy Sane zaubern und Iheanacho den 4:0-Endstand auflegen

Fazit: Mit 0:4 ging die Fohlenelf verdient unter und präsentierte eine weitere Auswärtsleistung, die Fragen aufwirft. Suffer, little Borussen…

Die Lage

Zweite Auswärtsniederlage hintereinander – zum Glück wartet am Samstag im so genannten »Top-Spiel« ein Heimspiel und mit Werder Bremen ein dankbarer Gegner. Wenn Skripnik-Werder so auftritt wie bisher, dann sollte ein Heimsieg zur Beruhigung der Nerven und zur Beibehaltung des gewohnten »Daheim hui – auswärts pfui«-Rhythmus drin sein. Es folgt dann eine englische Woche mit dem Auswärtsspiel bei RB Leipzsch unter der Woche. Das wird die wahre Nagelprobe sein, der Auswärtsauftritt dort wird dann zeigen, ob Freiburg nur ein Ausrutscher und ManCity einfach nur zu stark war oder ob das Auswärtsproblem tatsächlich weiter lebt und die beiden Auswärtsspiele ein Menetekel für das was kommt sein werden…

Was die Champions League angeht, so wird es wohl mit Celtic ein Duell um Rang 3 geben. Celtic wurde beim FC Barcelona mit 0:7 abgebürstet, eine Begegnung, wie Scotzine schreibt, »Men against Bhoys«. Ein Heimsieg gegen Celtic sollte drin sein, auswärts wartet aber wieder eine Situation wie bei Freiburg, Ingolstadt und Co. Wir werden sehen, wie die Auswärtsform bis dahin aussieht…