Spielbetrieb

KSC: Köpenicker Katastrophenkick

Die Alte Försterei beim letzten Besuch dort im Jahre 2014

Die Alte Försterei in Köpenick ist ein wirklich schönes Fußballstadion. Für den KSC ist sie aber keine Reise wert. Ein einziges Mal, in der Saison 2001/2002, konnte der KSC beim 1.FC Union Berlin gewinnen. In den letzten Jahren war dort nichts zu holen, und diese unrühmliche Serie setzte sich auch gestern fort. Die auch in der Höhe verdiente desaströse 0:4-Packung war aber eine Niederlage, die Redebedarf hinterlässt…

 

1.FC Union Berlin vs KSC 4:0

»Aus Gründen« hat der ballreiter in dieser Saison erst ein Spiel des KSC live gesehen, dabei aber alle in der aktuellen Zweitligasaison erzielten Tore des »Superteams aus Baden« bewundern dürfen, nämlich den 1:1-Ausgleich von Diamantakos. Dass das offensiv ein bisschen zu wenig ist, hatte zum Ende der Transferperiode dann tatsächlich auch Sportchef Jens Todt erkannt und mit dem Schweizer Florian Kamberi und dem Griechen Charalampos Mavrias in letzter Minute gleich zwei neue Offensivkräfte verpflichtet. Von denen bei Union noch keiner zum Einsatz kam…

Trainer Tomas Oral schickte nominell eine offensive Mannschaft auf den Rasen, erstmals bot er mit Diamantakos und Hoffer zwei Angreifer auf. Was überhaupt nicht funktionierte. Offensiv harmlos, ohne erkennbare Spielidee und defensiv haarsträubend anfällig bot der KSC eine Leistung, die an die desaströse Abstiegssaison 2011/2012 erinnerte und verlor auch in der Höhe verdient 0:4 bei den in jeglicher Hinsicht überlegenen Eisernen.

Die Unioner konnten sich von Beginn an fast nach Belieben den Ball zuspielen, und schon in der 22. Minute klingelte es folgerichtig im Karlsruher Kasten. Ein von Thoelke abgefälschter Schuss schlug hinter dem weit vor seinem Tor stehenden René Vollath im Netz ein. In der Folge spielten fast nur die Eisernen, gingen aber fahrlässig mit ihren Torchancen um.

Der KSC blieb so unverdient im Spiel und hatte sogar durch zwei Freistöße von Stoppelkamp Torchancen auf den Ausgleich. Aus dem Spiel heraus lief aber gar nichts. Es gab keinen erkennbaren Ansatz im Spielaufbau zu sehen. Wann immer in der Abwehr ein Ball erobert wurde, wurde er spätestens im Mittelfeld wieder verloren. Bei Hoffer und Diamantakos kamen keine Bälle an, und wenn Hoffer mal einen Ball hatte, endete es mit einem miserablen Anspiel in die Spitze. Die Außen blieben wirkungslos, Sallahi rannte mit dem Ball am Fuß ohne zu gucken buchstäblich in die Gegenspieler hinein. Dazu kamen ständige leichtsinnige Ballverluste in der eigenen Abwehr - es war ein Graus!

Nach einem Ballverlust des komplett indisponierten Figueras (fraglich ob den jemand vom Scouting mal vor der Verpflichtung spielen gesehen hat) gab es in der 44. Minute das 2:0 für Union durch den groß aufspielenden Colin Quaner. Wie Figueras den Ball verdaddelte, reklamierte, und dann ganz gemächlich zurücktrabte, als der Angriff aufs eigene Tor zurollte – unsereins wäre dafür früher in der Jugend gleich ausgewechselt worden…

Nach der Halbzeit ging es gerade so weiter. Das 3:0 (nach einem von Vollath an Quaner verursachten Foulelfmeter) in der 61. und das 4:0 durch Quaner nach einer Ecke in der 76. Minute rundeten die Niederlage nur noch ab.

Fazit: Der KSC ging chancenlos bei Union unter und war mit dem 0:4 sogar noch gut bedient. Chancen, um das Ergebnis in Richtung Zweistelligkeit zu treiben, hatten die Eisernen genug…

Weekly Vollath

»Das war eine Katastrophe, wie wir heute aufgetreten sind. […] Da muss man zeigen, dass man Eier hat und das war heute bei uns nicht der Fall.«

Sagte Vollath in »der SONNTAG« vom 11.9.2016. Und hat damit zweifellos Recht…

Die Lage

Nun rutscht der KSC langsam aber sicher in die Abstiegszone ab. Kein Wunder, mit einem geschossenen Tor in 4 Spielen kommt man halt nicht weit. Es ist eher erstaunlich, dass man damit immerhin 3 Punkte auf dem Konto hat…

Schwierige Phasen gab es in der letzten Saison auch, z.B. nach der 0:6-Pleite in Braunschweig in der Hinrunde. Markus Kauczinski war es aber immer gelungen, Krisensymptome zu erkennen und zu beheben. Die Frage wird sein, ob das Tomas Oral auch gelingt. Zumal sich Kaucze immer auf sein Prunkstück, die Defensive, verlassen konnte.

Diese wurde aber ihrer Stützen beraubt und durch Akteure neu besetzt, die bisher noch nicht beweisen konnten, dass sie dieselbe Qualität wie die Abgänge auf den Rasen bringen können. Das »defensive Sicherheitsrisiko« Figueras ist dafür nur das spektakulärste Beispiel. Dazu kommt die gewohnt schwache Offensive, die in letzter Minute vor Ende der Transferperiode mit Akteuren von der internationalen »Reste-Rampe« verstärkt wurde. Obwohl der KSC früh Planungssicherheit und damit monatelang Zeit hatte…

Am nächsten Wochenende kommt es dann im Wildpark zum Kellerduell gegen den FC St. Pauli. Weil die Heimspiele im Jahre 2016 bekanntlich so glorreich waren, dass sich das Wildparkstadion bis auf die 12.000, die immer kommen, geleert hat, erdachte sich der KSC ein neues Preismodell. Welches die Kartenpreise für Spiele wie gegen St. Pauli erhöht und gegen Aue senkt. Und statt dankbar zu sein, dass sich am Spieltag trotz allem noch Zuschauer entschließen, in den Wildpark zu kommen, werden diese dann noch mit einem 2-Euro-Zuschlag bestraft.

Der Verein gibt derzeit wahrlich auf vielen Ebenen ein unglückliches Bild ab. Zumindest das sportliche Bild könnte durch einen Heimsieg gegen St. Pauli etwas freundlicher erscheinen…

ksc fcunion saison-2016-2017 zweiteliga

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