Matchday

Das Neue ist das Alte: KSC vs Derby County 0:2 – 30.7.2016

Testspiel KSC vs Derby County 0:2

So langsam wird es wieder ernst in den Ligen des Profifußballs. Die Dritte Liga spielt schon wieder, und nächste Woche startet die Zweite Liga in die neue Saison.

Natürlich auch der KSC. Selbiger folgte der in den letzten Jahren etablierten kleinen Tradition und lud zum letzten Testspiel vor dem Punktspielauftakt einen interessanten Gegner aus dem Ausland ein. Mit Derby County kam der Fünftplazierte der englischen Championship (die zweite Liga in England) in den Wildpark.

Das waren natürlich genug Gründe für ballreiter, um zum Sommerpausenabschluss endlich mal wieder in den heimischen Wildpark zu gehen, sich ein Bild vom »neuen« KSC zu machen und einen Gegner anzuschauen, den man nicht alle Tage live im Stadion zu sehen bekommt. Neben einigen Impressionen vom Testspiel gibt es noch einen Blick auf den KSC eine Woche vor dem Saisonstart bei Arminia Bielefeld…

Derby County FC

Mit dem Derby County FC war altehrwürdiger englischer Fußballadel im Wildpark zu Gast. 1884 gegründet, gehörte Derby County zu den 12 Gründungsmitgliedern der 1888 gegründeten Football League, die, abgesehen von der Abspaltung der Premier League nach oben im Jahre 1992, seitdem unverändert existiert. Und Derby ist einer von nur 10 Klubs, die seit der Gründung immer in den ersten drei Ligen der Football League (und der Premier League) unterwegs waren. 1972 und 1975 waren »the Rams«, wie sie auf der Insel genannt werden, Englischer Meister, 1946 Pokalsieger.

Entsprechend groß ist die Anhängerschaft dieses Traditionsvereins, deshalb waren gestern im Wildpark erstaunlich viele Derby-Trikots im Publikum zu sehen und viel Englisch auf der Tribüne zu hören.

Die letzte Saison in der zweitklassigen Championship beendeten die Rams auf Rang 5 und waren damit für die in England »Play Off« genannte Aufstiegsrunde qualifiziert. In dieser scheiterten sie knapp (2:3 nach Hin- und Rückspiel) am späteren Aufsteiger Hull City und spielen somit auch kommende Saison in der Championship. Was dazu führte, dass sie nach einer Saison, in der sie schon zwei Trainer verschlisssen hatten, erneut den Trainer wechselten. Nigel Pearson, bis Sommer 2015 Trainer und damit Vorgänger von Meistercoach Claudio Ranieri bei Leicester City, trainiert die Rams in der kommenden Saison.

KSC vs Derby County 0:2

Badisches Sommerwetter mit blau-weißem Himmel

Ein blau-weißer Himmel ludt zum Testspiel zur angeblich besten Fußballzeit, nämlich Samstag 15:30 Uhr, ein. Und offiziell 1.500 Zuschauende folgten der Einladung, die Haupttribüne (nur diese war offen, deshalb ist die Gegengerade auf den Fotos gähnend leer) sah aber per Augenschein deutlich besser gefüllt aus.

Neu-Trainer Tomas Oral musste auf die angeschlagenen Diamantakos und Neu-Abwehrchef Thoelke verzichten und schickte folgende 11 auf den Rasen:

Vollath
Valentini, Stoll, Hoffmann, Sallahi
Kom, Kinsombi
Rolim, Barry, Stoppelkamp
Hoffer

Auch wenn diese Startelf, wie soll man sagen, eher »experimentell« wirkt, sollen daran mit Blick auf den ersten Spieltag lt. Aussage von Oral bei »abseits-ka« »nur kleine Dinge geändert werden«. Mangels zweitligaerfahrener Verteidiger (dazu später mehr, s.u.) musste der völlig unerfahrene Niklas Hoffmann (aus der KSC U-19) neben Routinier Stoll in die IV. Quasi-Neuzugang David Kinsombi tauchte neben Neuzugang Franck Kom auf der Doppelsechs auf. Kinsombi war bekanntlich nach seiner Verpflichtung in der Winterpause gleich an den 1. FC Magdeburg in die Dritte Liga ausgeliehen worden und spielte dort eine hervorragende Runde. Allerdings in der Abwehr…

Anpfiff KSC vs Derby County

Nach dem Anpfiff entwickelte sich eine (für ein Testspiel) erstaunlich ansehnliche Partie. Der Gast aus Derby musste sich wohl erst an das schwül-warme badische Sommerwetter gewöhnen, sie überließen dem KSC das Feld und beschränkten sich auf Abwehrarbeit.

Die Zuschauer hatten aber schnell ein Déjà-vu an viele Spiele der letzten Saison: Der Ball zirkulierte nett anzuschauen durch das Mittelfeld. Am Strafraum angelangt, ging dem KSC aber jegliche Torgefahr ab. So war ein Fernschuss von Neuzugang Moritz Stoppelkamp Mitte der ersten Halbzeit die gefährlichste Torchance des KSC. Sturmspitze Jimmy Hoffer agierte auf verlorenen Posten und strahlte ebenso wie Boubacar Barry keinerlei Torgefahr aus. Der weitere (Wohl-bald-aber-man-weiß-es-nicht)-Neuzugang Yann Rolim, letzte Saison mit dem FSV Frankfurt (und Tomas Oral, zumindest bis kurz vor Schluss der Saison) in die Dritte Liga abgestiegen, agierte glücklos und viel zu hektisch. Und ließ für einen Brasilianer erstaunlich viele Bälle verspringen. Ohne übermäßigen Pessimismus verbreiten zu wollen: Mit der Offensivbesatzung wird es schwer in der Zweiten Liga…

Einen besseren Eindruck machten Franck Kom und David Kinsombi im defensiven Mittelfeld. Auch wenn Kom offensichtlich noch nicht in Topform ist, trat er schon als »Chef« im Mittelfeld auf.

Auch die Abwehr ließ wenig zu, wurde aber, s.o., auch nicht übermäßig auf die Probe gestellt. Alles in allem ein durchaus ansehnliches Spiel des KSC, aber wie erwähnt, wie in vielen Spielen der letzten Saison fehlte vor dem Tor der letzte Wille selbiges zu erzielen…

Die zweite Halbzeit sah dann anders aus. Der offensive Spielfluss des KSC kam, nicht zuletzt durch zahllose Wechsel, völlig zum Erliegen. Und Derby ergriff nun ab und an die Initiative Richtung KSC-Tor, und dann wurde es gleich gefährlich.

In der 57. Minute gab es dann das nächste Déjà-vu. Ecke Derby, der Ball kam hoch in den Strafraum. Und wie bei einem 80er-Jahre-Flipper-Automaten wurde der Ball hin- und her geprellt, bis der Österreicher Andreas Weimann genug davon hatte und sehenswert aus der Drehung einschoss – 0:1. Ein eher unglückliches Gegentor aus einem Standard – das kennt man noch aus der letzten Saison…

Noch »besser« wurde es 20 Minuten später. Routinier Stoll spielte im Mittelkreis einen horrenden Fehlpass, der von Derby abgefangen und lang und hoch nach vorne Richtung KSC-Tor geschlagen wurde. Darren Bent sprintete, nur sehr halbherzig verfolgt von KSC-Verteidiger Hoffmann, dem Ball hinterher. Keeper Orlishausen, zur Halbzeit für Vollath ins Tor gekommen, kam aus dem Tor hinaus gelaufen und segelte Mitte der eigenen Hälfte formvollendet am Spielgerät vorbei, so dass Bent mühelos zum 0:2-Endstand einköpfen konnte.

Kurz danach kam Yamada zur einzigen Torchance des KSC in der zweiten Hälfte, Derbys Torhüter konnte den schwachen Schuss aber mühelos parieren.

Fazit: Eine spielerisch ordentliche erste Halbzeit ohne große Torchancen. Defensive Nachlässigkeiten und Fehler im zweiten Durchgang führten zu einer dann letztendlich verdienten 0:2-Niederlage.

Und für die Fans der Blau-Weißen aus Karlsruhe bleibt die Hoffnung auf die alte Theaterweisheit, dass auf eine verpatzte Generalprobe stets eine glorreiche Premiere folgt…

Eine Woche vor Saisonstart: Wo stehen wir?

Der KSC hatte, bedingt durch die frühzeitige Saisonentscheidung ohne Auf- oder Abstiegs-Ambitionen und die direkt nach Saisonende feststehenden Abgänge, fast drei Monate Zeit, mit dem neuen Trainer Tomas Oral eine neue Mannschaft aufzubauen. Umso erstaunlicher, wie »unfertig« die Mannschaft eine Woche vor Saisonbeginn wirkt…

Tor

Da bleibt es beim bewährten Duo Vollath und Orlishausen. Nicht zuletzt nach dem »Bock« von Orlishausen beim Spiel gegen Derby wird wohl Vollath in Bielefeld im Tor stehen. Dass Orlishausen Kapitän bleiben wird, sollte daran nichts ändern.

Abwehr und Defensives Mittelfeld

Franck Kom in Action beim Testspiel KSC vs Derby County

Das war in der abgelaufenen Saison das Prunkstück des KSC. Der KSC hatte die zweitwenigsten Gegentore kassiert, nur zwei mehr als Aufsteiger RedBull Leipzig.

Diese starke Defensive wurde auf dem Transfermarkt ordentlich gefleddert. Mit Gulde, Meffert, Gordon und Peitz verließen vier Stammkräfte den Verein, insbesondere der Verlust von Gulde und Meffert wiegt schwer.

Neu kamen für das defensive Mittelfeld Franck Kom, diverse Nachwuchskräfte aus U23 und U19 sowie die Leihgabe Kinsombi. Offensichtlich fehlte da noch ein routinierter Verteidiger.

Als dieser wurde dann letzte Woche der spanische »Wandervogel« Jordi Figueras verpflichtet. Der 29jährige war seit Ende seines Vertrags bei Eskisehirspor ohne Anstellung und hatte im Fitnessstudio trainiert. Dementsprechend fehlte er auch noch im Kader gegen Derby.

Problematischer ist ein in Spanien noch laufendes Verfahren wg. Spielmanipulation gegen Figueras, das durchaus in einer langen Sperre enden könnte. Trotz dieses Risikos hat Sportdirektor Todt den Spieler verpflichtet. Präsident Wellenreuther hingegen wusste nach Presseberichten davon nichts

Fazit: Die Abwehr ist eine große »Wundertüte« geworden. Der aktuell noch verletzt fehlende Thoelke soll der neue Abwehrchef werden, daneben stehen noch Routinier Stoll und Figueras (s.o.) zur Verfügung. Und ansonsten nur Nachwuchskräfte. Kinsombi kann auch in der IV spielen, bei ihm bleibt abzuwarten wie er den Sprung von der Dritten in die Zweite Liga verkraftet. Auf den defensiven Außen bleibt hingegen alles beim Alten, mit Valentini und Sallahi sind diese Positionen gut besetzt.

Im defensiven Mittelfeld sollte Kom eine Verstärkung sein. Er ist aber auch der einzige »fertige« Spieler, der für die Abgänge Gulde und Peitz geholt wurde. Bleibt die Hoffnung auf Kinsombi und dass eine Nachwuchskraft den Durchbruch schafft…

Offensives Mittelfeld und Angriff

Moritz Stoppelkamp beim Testspiel KSC vs Derby County

Die Offensive ist schon länger eine Problemzone des KSC. Man lässt schön den Ball rollen, aber erzielt viel zu wenige Abschlüsse und Tore. Nur die 5 letzten der letztjährigen Abschlusstabelle erzielten weniger Tore als der KSC. Dieses Problem zieht sich schon durch die letzten zwei Jahre und wurde von der großartigen Defensive und Rouwen Hennings Galasaison 14/15 übertüncht.

Groß was dran ändern möchte man aber auch in dieser Transferperiode nicht. Für die Abgängen Nazarov und Gouaida kam der routinierte Moritz Stoppelkamp, das ist zweifelllos eine Verstärkung für den offensiven Flügel. Die Problemzone »Zehner« und Mittelstürmer bleiben dagegen unverständlicherweise so wie sie sind.

Was bedeutet: Außer Diamantakos verfügt der KSC auch in der kommenden Saison über nur einen zweitligatauglichen Stürmer. Dazu kommt das torungefährliche offensive Mittelfeld. Wehe den Blau-Weißen, wenn sich Diamantakos mal länger verletzt…

Fazit: Wundertüte

Somit scheint der KSC zum Saisonstart die berühmte »Wundertüte« zu sein. Schaut man sich den Kader eine Woche vor Saisonstart an, so wäre man mit einer Wiederholung der Position der letzten Saison, also »langweiliges Mittelfeld« ohne Ambitionen nach oben und Gefahr nach unten, wohl ziemlich gut bedient. Dazu kommt das »Fragezeichen« Tomas Oral, der bei seiner letzten Station FSV Frankfurt den Abstieg in die Dritte Liga und reichlich »verbrannte Erde« hinterließ.

Von daher scheint ein Schielen auf die höheren Ränge, auch angesichts von (zumindest mit dem »Vor-der-Saison-Blick«) besser aufgestellten Konkurrenten wie Hannover oder dem VfB, aber auch Klubs wie Nürnberg, St. Pauli oder Union Berlin, ziemlich utopisch. Aber entscheidend ist ja auf dem Platz. Da geht es am Sonntag, 15:30, auswärts bei Arminia Bielefeld los…

Impressionen vom Testspiel

Vor dem Anstoß – KSC vs Derby County Vor dem Anstoß – KSC vs Derby County Strafraum-Action Eine Wechselorgie in der Zweiten Halbzeit Zum Saubermachen kam beim KSC in der Sommerpause niemand… Offiziell 1.500 Zuschauende auf der Haupttribüne

ksc saison-2016-2017

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