Spielbetrieb

Neues aus Schottland #8: Dundee Derby, Celtic vs Rangers und ein Flugzeug über Tynecastle

Derby in Dundee 1.1.2015 In der Premiership steuern wir auf die entscheidende Phase mit der »Teilung« der Liga zu. Celtic hält sich knapp aber konstant auf der Spitzenposition vor Konkurrent Aberdeen. Der Abstieg für ballreiter-Liebling Dundee United rückt langsam aber sicher näher. Und im Pokal steht eine Neuauflage des allseits beliebten Glasgow-Derbys Celtic vs Rangers bevor…

Der Meisterschaftskampf

Seit der letzten Betrachtung des schottischen Meisterschaftskampf ist Celtic ungeschlagen, holte aus den 4 Spielen aber »nur« 2 knappe Siege und 2 Unentschieden. Was dem Umfeld und der Presse ausreicht, um das schon die ganze Saison schwelende »Krisen-Feeling« rund um Celtic und Trainer Ronny Deila aufrecht zu erhalten. Besonders das 0:0 Anfang März gegen den Dundee FC (eine Woche nach dem 1:1-Auswärtsunentschieden bei Hamilton Accies) brachte die »Deila out!«-Fraktion in Social Media in Rage.

Beim Glasgower Stadtteilklub Partick Thistle gelang ein 2:1-Auswärtssieg, auf den ein äußerst mühsamer Last-Minute-Sieg beim Abstiegskandidaten Kilmarnock folgte, immerhin erzielt durch ein Klasse-Tor des Australiers Tom Rogic:

Celtic fehlt derzeit zweifellos die Souveränität vergangener Jahre, andererseits ist die Mannschaft in dieser Saison im Umbruch, ohne dass ein richtiger Fortschritt zur alten Dominanz erkennbar wäre. Im Grunde lebt Celtic diese Saison vorwiegend von der individuellen Klasse ihrer Spieler, besonders von Torjäger Leigh Griffiths.

Die »Schwäche« Celtics kann Konkurrent Aberdeen aber nicht richtig nutzen, da sie selbst schon die ganze Saison »patzen« wenn Celtic einmal durch Unentschieden Schwäche zeigt, zuletzt durch eine 1:2-Auswärtsniederlage in Motherwell:

So steht Celtic (mit einem Spiel weniger) aktuell mit 4 Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze, obwohl Aberdeen genug Gelegenheiten hatte, das zu ändern:

1.Celtic69 Punkte
2.Aberdeen65
3.Hearts56
4.St. Johnstone43
5.Motherwell41

Scottish Cup

Es ist schon eine seltsame Saison bei Celtic. Eigentlich besteht keine realistische Gefahr die Meisterschaft nicht zu gewinnen. Die Spielweise und die schwachen Europapokalauftritte (darüber war in vergangenen Betrachtungen zu lesen) brachten aber eine dauerhafte Atmosphäre latenter Unzufriedenheit. Da kommt ein Halbfinale im schottischen Pokal gegen den ewigen Rivalen, den Zweitliga-Tabellenführer Rangers, gerade recht, um die Reihen gegen den »wahren Feind« aus der eigenen Stadt zu schließen.

Celtic hatte im Viertelfinale leichtes Spiel gegen den Zweitligisten Greenock Morton. Die Rangers warfen den Erstligisten Dundee FC deutlich mit 4:0 heraus und gehen damit euphorisiert ins Derby.

Auf der Celtic-Seite der Stadt weigert man sich übrigens von einem »Old-Firm-Derby« zu sprechen, da mit der Insolvenz der Muttergesellschaft 2012 (und dem Zwangsabstieg in die vierte Liga) die Geschichte der alten Glasgow Rangers endete und der heutige Klub als Neugründung unter dem alten Namen betrachtet wird. Nach dem damaligen Namen der Kapitalgesellschaft, die 2012 die insolventen Reste der Rangers erwarb, nennt man auf der grünen Seite Glasgows die Rangers grundsätzlich nur noch »Sevco«…

Das Halbfinal-Derby steigt am 17. April, Team ballreiter bemüht sich um Karten, was allerdings ein schwieriges Unterfangen sein wird. Natürlich kennt die schottische Presse seit der Auslosung kein anderes Thema mehr, ganz Schottland scheint von »Celtic vs Rangers« besessen zu sein…

Und vergisst dabei, dass es auch noch ein zweites Halbfinale gibt. In diesem trifft Zweitligist Hibernian aus Edinburgh, der Titelverteidiger Inverness Caley Thistle rauswarf, auf unseren Lieblingsklub Dundee United, der Ligakonkurrent Ross County in einem dramatischen Match mit 3:2 eliminierte:

Dieses Halbfinale steigt am 16. April im Hampden-Park.

Dundee Uniteds Kampf gegen den Abstieg

Womit wir beim Abstiegskampf des Tabellenletzten Dundee United wären. Dieser stellt sich auch nach dem jüngsten Hoffnungsschimmer aus dem United-Blickwinkel unverändert dramatisch dar. Aus den letzten vier Spielen gab es 1 Sieg, 1 Unentschieden und 2 Niederlagen, was für eine Aufholjagd auf den vorletzten Kilmarnock viel zu wenig ist. Hoffnung macht nur die lausige Form von Killie, die aus den letzten 8 Liga-Spielen nur einen Sieg holten und zuletzt viermal hintereinander verloren.

Am letzten Spieltag gab es mal wieder ein Derby gegen Dundee FC, bekanntlich des ballreiters Lieblingsderby. Dieses endete 2:2 nach einem 0:2-Rückstand und einem dramatischen Kampf, in dem sich United-Coach Mixu Paatelainen mit FC-Fans auf den Rängen und der Polizei anlegte. Ein Punkt war natürlich zu wenig, andererseits lässt der Spielverlauf mit einer großartigen kämpferischen Moral einen Rest Hoffnung offen (United sind die in Orange, »…it's United black and tangerine…«):

Nun hat Dundee United (mit einem Spiel mehr) noch 8 Spiele Zeit, um 7 Punkte Rückstand auf den Vorletzten Kilmarnock aufzuholen und zumindest die Play-Off-Runde gegen den Zweitligisten zu erreichen. Dazu bräuchte es jetzt aber mal ein paar Siege hintereinander, um Kilmarnocks offensichtliches Formtief auszunutzen und doch noch den dräuenden Abstieg zu vermeiden…

Das geheimnisvolle Flugzeug über Edinburgh

Kurioses gab es beim 1:0-Sieg von Aufsteiger Heart of Midlothian gegen Partick Thistle zu bewundern. Obwohl Hearts eine exzellente Saison (Hearts waren 2013 fast insolvent, 2014 abgestiegen und 2015 souverän wieder aufgestiegen) spielen, in der sie sich konstant unter den ersten drei der Tabelle halten, hatte irgendwer ein Flugzeug mit einem Spruchband gemietet, das während des Spiels über dem Tynecastle Stadium in Edinburgh auftauchte. Auf dem Spruchband stand »No Style No Bottle Neilson Out« zu lesen, war also offensichtlich gegen Hearts-Trainer Robbie Neilson gerichtet. Neilson, der gerade seinen Vertrag um zwei Jahre verlängert hat, reagierte cool und empfahl den Initiatoren, diese dafür aufgebrachten Summen doch lieber der Foundation of Hearts zu spenden. Näheres dazu kann man im Hearts-Fanblog »Maroon Tinted Spectacles« lesen. Bis heute ist aber unklar, wer eigentlich hinter dieser seltsamen Aktion steckt…

Und weiter…

Nach der Länderspielpause müssen noch flugs diverse Nachholspiele durchgepeitscht werden, denn in zwei Wochen teilt sich die Liga für die Endrunde. Nach dem 33. Spieltag wird die Liga in eine obere und eine untere Hälfte geteilt und diese spielen noch einmal eine Runde jeder gegen jeden mit 5 Spieltagen unter sich aus. Was für Dundee United den Vorteil hat, nur noch Gegner aus der unteren Tabellenhälfte zu haben.

Tabellenführer Celtic wird dadurch noch einmal gegen Aberdeen spielen. Dieses Spiel wird dann wahrscheinlich Aberdeens letzte Chance auf die Meisterschaft sein, sofern sie diese nicht vorher durch unerwartete Niederlagen verspielen.

Am kommenden Samstag spielt Celtic gegen den Dritten Hearts, dieses Spiel soll um 13:30 live in Sport1+ zu sehen sein.

Und ansonsten gilt es natürlich, Dundee United die Daumen zu drücken. Schon am Samstag beim Auswärtsspiel in Perth gegen St. Johnstone…

Schreiben über das »Scottish Game«

Da es selbst in Großbritannien keine Publikation gibt, die sich nur um den schottischen Fußball kümmert, soll mit »Nutmeg« ein diesbezügliches Magazin durch Crowdfounding an den Start gebracht werden. Selbstverständlich hat sich der ballreiter daran bereits beteiligt. Das Ziel wurde schon erreicht, aber natürlich schadet das eine oder andere Pfund mehr dieser Sache nicht…

Erfreulicherweise schreiben jetzt auch andere deutsche Blogs etwas über schottischen Fußball! »Cavanis Friseur UK« startet eine geplante Reihe über schottische Klubs mit einem »Longread« über die Berwick Rangers. Das ist ein englischer Klub an der Grenze zu Schottland, der seit 1905 im schottischen Ligensystem mitspielt. Lesenswert!

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