»Es ist nicht dort, es ist da!«

Spielbetrieb

»Arena Auf Schalke«. By Wo st 01/Wikipedia in Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0 In Eugène Ionescos absurdem Theaterstück »Die kahle Sängerin« reden die Akteure sinnvolle Dinge in einer absurd sinnlosen Weise. Und am Ende stehen alle versammelt auf der Bühne und rufen: »Es ist nicht dort, es ist da!« Was unseren Deutsch-Grundkurs vor vielen Jahren ziemlich ratlos zurück ließ…

So etwa muß sich das kickende Personal der Borussia heute fühlen, denn sie verloren ein mit 22 zu 6 Torschüssen überlegen geführtes Spiel in der Turnhalle von Gelsenkirchen-Buer mit 1:2 gegen Schalke 04, das sie niemals hätten verlieren dürfen. Und fragten sich danach: Wie konnte das passieren?

[Foto: »Arena Auf Schalke« von Wo st 01/Wikipedia auf Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0 de. Danke!]

Schalke vs Gladbach 2:1

André Schubert brachte die Elf vom glorreichen Heimsieg gegen Eintracht Frankfurt auf den Rasen Gelsenkirchens. Frohen Mutes ging man im Borussia-Lager die Mission »nach 5 Monaten mal wieder ein Auswärtsspiel gewinnen« an:

Der anderen André, Breitenreiter, ließ, wohl in einer Mischung aus Formschwäche und »Brisanz aus dem Spiel nehmen«, den Hinrunden-Übeltäter Johannes Geis auf der Ersatzbank.

Und es ging gleich gut los, das Schalker Defensivspiel ähnelte vom Start weg jenem der Frankfurter in der Vorwoche. Die Borussia erspielte sich gute Chancen, die (insbesondere von Hazard und Raffael) reihenweise vergeben wurden. Zusätzlich wurde der Fohlenelf auch ein klarer Elfmeter nach einem Schubser gegen Hazard verwehrt, der dem Spiel wahrscheinlich frühzeitig eine andere Richtung gegeben hätte.

Nach 20 Minuten verflachte das Spiel zu einem (wir wiederholen uns, aber ist halt so) »typisch deutschen« tempoarmen Mittelfeldgekicke. Borussia spielte sich im Stehen Bälle im Mittelfeld zu, die sich die Schalker oft holten und umgehend wieder verloren, woraus dann schnelle Konter für die Fohlenelf entstanden. Kurz vor der Halbzeit kam Schalke dann auch einmal zu zwei Abschlüssen, weil die Borussen beim »Stehspiel« im Mittelfeld nun auch selbst immer wieder Ballverluste erlitten.

Aber es ging, trotz 8 guter Chancen für die Borussia, mit 0:0 in die Pause zum metaphorischen Halbzeittee. 59% Ballbesitz, eine Zweikampfquote von 53% und eine Bilanz von 10 zu 5 Torschüssen waren die Zahlen der Gladbacher Überlegenheit zur Halbzeit. Aber es zählen bekanntlich die Tore, von denen gab es keine…

Nach der Pause ging es gerade so weiter, und zwar mit zwei vergebenen Großchancen von Hazard (47.) und Raffael (48.). Der von der Fohlenelf warmgeschossene Ralf Fährmann im Schalker Tor war nun in Glanzform und vereitelte beide Chancen.

Es ging auf die 60. Minute zu, Schalke hatte im zweiten Durchgang noch nicht einen Torschuss in der Statistik stehen, da vertändelte der fahrige Nordtveit den Ball im Mittelfeld gegen Leroy Sané. Der wollte erstmals an diesem Abend zeigen, dass er auch auf dem Platz steht, und rannte energiereich auf das Gladbacher Tor zu. Am Sechzehner spielte er quer vor das Tor, und dann spielten sich der Nordtveit und der tappsige Hinteregger den Ball per Doppelpass ins eigene Tor – 1:0 für Schalke! »Es ist nicht dort, es ist da!« Irgendwo war mal zu lesen, dass Ionesco Fußball-Fan gewesen sein soll. Daran hätte er dann seine helle Freude gehabt. Das Tor kann man in Worten gar nicht näher beschreiben, man muss sich das einfach anschauen, wahrscheinlich das Eigentor der Saison.

Damit war das Spiel auf den Kopf gestellt, und es folgten noch mehr Gladbacher Angriffe. Vier Minuten später traf Mo Dahoud die Latte. Es dauerte aber bis zur 79. Minute, bis Andreas Christensen nach einem Doppelpass mit Lars Stindl den (aber sowas von) überfälligen Ausgleich zum 1:1 erzielte.

In der 81. Minute gab es dann großen Applaus im Borussen-Block: André Hahn gab sein Comeback auf dem Rasen. Und das Drehbuch im Kopf der Anhänger lautete: »Der macht jetzt den Siegtreffer!«

Das Skript des absurden Theaterstücks sah aber anderes vor. In der 83. Minute hinderten Christensen und Hinteregger Sané auf dem rechten Flügel nicht daran, eine Flanke zum mitgelaufenen Goretzka zu schlagen. Der zog ab, nicht sonderlich gut, der Ball wäre wahrscheinlich eine leichte Beute für Yann Sommer geworden. Granit Xhaka drehte sich aber überflüssigerweise mit einer Art »Biellmann-Pirouette« in den Schuss hinein und fälschte die Plastikkugel unkontrolliert ab, so dass diese zum 2:1-Siegtreffer im Netz landete. Der erste Torschuss für Schalke in der zweiten Halbzeit brachte den Sieg, unglaublich!

Fazit: Ein eigentlich gutes Spiel der Borussia, das aber letztendlich kein gutes Spiel war, weil es verloren ging. »Es ist nicht dort, es ist da!«

Die Lage

Nach den Samstags-Spielen ist die Fohlenelf auf Rang 5 abgerutscht. Es ist zwar nach wie vor alles eng zusammen im Rennen der mediokren Bundesliga-Teams um die Europapokal-Positionen 3 bis 6. Borussia ist aber wg. der schwachen Auswärtsbilanz dazu »verdammt«, daheim zu gewinnen. Das hat zuletzt gegen die Kaliber Frankfurt, Stuttgart, Köln und Bremen gut geklappt, der nächste Heimgegner nach der Länderspielpause ist aber die überaus unangenehme Hertha aus Berlin.

In der Rückrundentabelle steht Borussia auf Rang 8 mit nur 4 Siegen aus 10 Spielen. Normalerweise ist das für CL-Hoffnungen zu wenig, die ebenfalls nicht sonderlich konstante Konkurrenz hält die Hoffnung am Leben.

Mit dieser unglücklichen Niederlage müssen die Gladbacher nun zwei Wochen leben. Eine Niederlage, die aufgrund ihrer Umstände das Zeug hat, zum negativen Wendepunkt der Saison zu werden. Gegen Hertha muss nun ein Dreier her, sonst wird sehr schnell wieder das unschöne Wort »Krise« kursieren. Die Fallhöhe eines Bundesliga-Dritten und CL-Teilnehmers ist halt hoch, auch daran muss man sich bei Borussia gewöhnen…

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