Ballkultur

Tradition ist keine Tugend: Ältester spanischer Klub Recreativo de Huelva in Not!

Nuevo Colombino Stadium. Huelva, Spain. By Calapito on Wikimedia Commons, CC-BY 3.0

Wir wissen es ja: Die im Fußball vielbeschworene »Tradition« ist im Grunde nur eine Funktion der vergangenen Jahre seit der Gründung. Und Alter ist keine Tugend. Jüngstes Beispiel: Der älteste Fußballklub Spaniens, Recreativo de Huelva, steht vor dem Aus. 18 Millionen Euro Schulden sollen es sein, die den spanischen Traditionsverein und Drittligisten nun in Schwierigkeiten bringen. Deshalb wird nun in dramatischen Worten zum möglicherweise finalen Match in das Estadio Nuevo Colombino gerufen.

[Foto: »Nuevo Colombino Stadium. Huelva, Spain.« auf Wikimedia Commons von Calapito, CC-BY 3.0. Gracias!]

Real Club Recreativo de Huelva

Huelva ist eine andalusische Industriestadt an der Atlantikküste, zwischen Sevilla und der portugiesischen Grenze gelegen. Ende des 19. Jahrhunderts beutete ein englischer Konzern die Minas de Riotinto aus, was zu einer britischen Prägung der Stadt führte. Entsprechend wollten die anwesenden Briten auch das »englische Spiel« Fußball spielen und deshalb gründeten zwei Schotten am 23. Dezember 1889 den »Huelva Recreation Club«, der später (spanisch) zum »Club Recreativo de Huelva« wurde. Der Klub war der erste Fußballklub Spaniens, der das Spiel nach den »englischen Regeln« spielte.

Am 8. März 1890 spielte der kurz »Recre« genannte Klub gegen den wenige Wochen später (ebenfalls von Briten) gegründete Sevilla FC das erste Fußballspiel nach den englischen Regeln auf spanischem Boden. Während Sevilla bekanntlich einer der spanischen Spitzenklubs wurde, spielte Recre stets in den zweiten und dritten Ligen des Landes. 1978 und in den »Nullerjahren« spielte Recre sporadisch in der Primera Division, ohne sich dort etablieren zu können. Aber gewann in einer der Erstligasaisons 2007 immerhin einmal auswärts bei Real Madrid:

Krise

Nach einer schwierigen und wechselvollen Geschichte steckt Recre 2016 in herben wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Angestellte haben seit Monaten kein Geld gesehen, die Spieler in der laufenden Saison noch gar keins. Eine Gruppe lokaler Geschäftsleute wollte mit dem Supporters Trust dem Besitzer Pablo Comas seine Anteile abkaufen und den Klub retten, der wollte aber nicht. So steuert der Klub nun auf eine Insolvenz zu und die Vereinsführung rief dazu auf, am morgigen Samstag im Spiel gegen die zweite Mannschaft von Granada das Stadion zum »möglicherweise letzten Spiel der Vereinsgeschichte« zum symbolischen Eintrittspreis von 1 Euro ein letztes Mal zu füllen.

Was ja, der Schlange an den Ticketschaltern nach zu urteilen, zumindest in Sachen »Mobilisierung des Publikums« zu klappen scheint:

Wahrscheinlich hofft man, durch die öffentliche Dramatisierung irgendwie eine Rettung zu Stande zu bringen. Besitzer Comas will wohl nun doch aussteigen und beziffert die Schulden auf 18 Mios. Und 300.000 würden reichen um erst einmal die Angestellten zu bezahlen…

Was lernen wir daraus? Die (auch in Deutschland immer mehr werdenden) Freunde des Investorenfußballs bekommen mal wieder vor Augen geführt, das selbiger nicht so ganz risikolos ist und im Falle des Scheiterns existenzbedrohende Ausmaße annehmen kann. Und dass die glorreiche »Tradition« keine Rechnungen bezahlt…

spanien recre

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