Spielbetrieb

KSC: Forsche Worte, keine Punkte

Die Alte Försterei im Dezember 2014

»Wirklich gewinnen« wolle der KSC jetzt! So war es unter der Woche in den lokalen Medien aus dem KSC-Lager zu hören. Also schaute Fußball-Karlsruhe gespannt auf den gestrigen Auswärtsauftritt bei den »Eisernen« von Union Berlin. Um dann nach einer 1:2-Niederlage eine gewisse Diskrepanz zwischen den forschen Worten in den Medien und dem Gekicke auf dem Köpenicker Rasen zu entdecken…

Eisern Union vs KSC

Vor dem Spiel gab es wieder ungewohnt forsche Töne aus dem KSC-Lager. Trainer Kauczinski verkündete vor dem Spiel:

»Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem ein Zähler nicht mehr reicht, sondern an dem wir wirklich gewinnen wollen. Dafür werden wir alles riskieren und alles geben«

Was dann eigentlich im Umkehrschluss bedeutet, dass man vorher nicht »wirklich gewinnen« wollte. Aber wir wollen Trainer-Statements auch nicht auf die Goldwaage legen…

Die Gelegenheit, den Worten Taten folgen zu lassen, bot sich im Freitagsspiel in einem der großartigsten Stadien der Republik, in der Alten Försterei bei Union Berlin. Aus dem Hinspiel – einer 0:3-Heimniederlage, damals das erste Spiel von Union-Trainer Sascha Lewandowski – war sowieso noch etwas gut zu machen. Da beide Opponenten tabellarisch gut in die Rückrunde gestartet waren (Union 10 und KSC 11 Punkte aus 5 Spielen), verkündete Trainer Kauczinski das »Rückrunden-Spitzenspiel«.

Dazu wechselte er seine halbe Mannschaft aus. Neben dem gesperrten Sallahi und dem verletzten Stoll mussten Gouaida, Krebs und Hoffer ihren Startelfplatz räumen. Dafür rückten Kempe, Barry, Peitz und Diamantakos (als einzige Spitze) in das übliche 4-3-2-1 des KSC. Außerdem gab Daniel Gordon sein Comeback nach langer Verletzungspause und stand erstmals seit Ende August wieder auf dem Rasen. Yamada wurde auf der 10 durch Barry abgelöst und ging dafür auf den linken Flügel. Die Eisernen mussten auf ihren erkrankten Trainer Lewandowski verzichten und wurden von Co-Trainer André Hofschneider betreut.

Was den KSC in der Flutlicht-Atmosphäre der Alten Försterei auf nassem Rasen erwarten sollte, wurde schon nach wenigen Sekunden klar, als Kreilach den Karlsruher Gulde »wegräumte« und dafür die höchstwahrscheinlich schnellste Gelbe Karte der Zweitligasaison sah.

Nach etwa 20 Minuten, in denen nur verbissene Mittelfeldfights ohne große Torszenen zu sehen waren, kam der KSC besser ins Spiel. Auf der rechten Angriffsseite konnte Valentini machen was er wollte und marschierte in Richtung des Eisernen Tores. Auch wenn die daraus resultierenden Flanken selten einen Abnehmer in der Mitte fanden.

Aber einmal führte eine solche zum Torerfolg! In der 31. Minute lief Valentini wieder bis zur Grundlinie durch und flankte in die Mitte, wo Diamantakos verpasste. Dahinter, am langen Pfosten, lauerte aber Yamada und schob die Plastikkugel über die Linie – 0:1! Erst das zweite Saisontor für den stets emsigen Japaner.

Wenige Minuten später hatte der KSC die Chance zum 0:2, als Peitz sich nach einem Freistoß erst per Hacke(!) und dann per Drehschuß als Torschütze versuchen wollte.

Und als der Pausentee schon dampfend in der Kabine bereit stand, verteidigte der KSC nicht konsequent genug und ließ die Eisernen um den eigenen Strafraum herum spielen. Bis der Ball zu Felix »Bruder« Kroos kam und der ihn aus etwa 20 Metern via Innenpfosten in den Winkel hämmerte. Das 1:1 in der Nachspielzeit, praktisch aus dem Nichts!

Die zweite Halbzeit begann wie die erste, nämlich mit einer Gelben Karte für Unions Damir Kreilach. Diesmal ließ er sich immerhin 2 Minuten Zeit, um Yamada von hinten abzuräumen, was ihm das vorzeitige Ende seiner Rasen-Aktivitäten in Form von Gelb-Rot einbrachte.

Die Unterzahl tat seltsamerweise den Eisernen gut, sie kamen deutlich besser ins Spiel und zerstörten mit den typischen »Eisernen Tugenden« Kämpfen und Rennen das KSC-Spiel schon im Mittelfeld. Was eine Spielweise ist, die dem KSC bekanntlich gar nicht schmeckt, wir erinnern uns an das ähnliche Spiel in Sandhausen. Und erspielten sich dabei auch noch zunehmend Torchancen.

In der 55. Minute gab es dann beim KSC eine folgenschwere Auswechslung. Gordon musste in seinem Comeback-Spiel (s.o.) raus, und da bekanntlich in der Winterpause der Kader ausgedünnt wurde, war kein Innenverteidiger mehr verfügbar. Traut kam ins Spiel und spielte außen, der unsichere Kempe musste dafür in die Innenverteidigung rücken.

In der 60. Minute vertändelte Yamada den Ball vor dem eigenen Tor. Unions Angreifer Bobby Wood nahm den völlig unsortiert herumstolpernden Gulde und Kempe den Ball ab und zog an der Strafraumgrenze ab. Von Traut unhaltbar abgefälscht zischte die Kunstlederkugel ins Tor – 2:1 für Union.

1:2-Rückstand in Unterzahl, noch eine halbe Stunde zu Spielen. Und in der 68. Minute nahm Kauczinski in seinem letzten Wechsel den Sechser Peitz heraus und brachte mit Gaetan Krebs den anderen Sechser! Ein erstaunlicher Wechsel, eigentlich hatte jede(r) mit der Umstellung auf einen Sechser und der Einwechslung eines weiteren Angreifers (Hoffer) gerechnet. So war es mit dem zwar stets fleißigen aber offensiv harmlosen Krebs nicht gerade das Signal zur totalen Offensive, »alles riskieren und alles geben« sieht anders aus…

Die Eisernen hatten relativ wenig Mühe, die bis auf einen Schuss von Yamada (76.) und einer umstrittenen Aktion im Strafraum (86., KSC forderte einen Handelfmeter) harmlosen Angriffsbemühungen des KSC unter Kontrolle zu halten und behielten die 3 Punkte in der Alten Försterei…

Die Lage

Die forsch angekündigte Karlsruher Offensive Richtung Aufstiegsplätze dürfte damit bereits nach dem ersten von drei Spielen in der englischen Woche ein jähes Ende gefunden haben. Wenn Kauczinski jetzt »wirklich gewinnen« hätte wollen, hätte er wohl bei Überzahl und Rückstand ein deutlicheres Zeichen Richtung Offensive setzen müssen. Zumal Diamantakos (1 Torschuss in 90 Minuten als Mittelstürmer!) ebenso komplett abgemeldet war wie Torres und Barry (und auch dessen Vertreter Nazarov in der 2. Halbzeit). Gefahr ging lediglich von Valentini und (dem besten Karlsruher) Yamada aus, und das war zu wenig.

Nach den Freitagsspielen hat der KSC 12 Punkte Vorsprung Richtung Abstiegsplätze und deren 11 Rückstand auf die Aufstiegsplätze. Somit wird die Saison nun wohl im Niemandsland des Mittelfelds auslaufen. Das und die zuletzt wenig attraktive Spielweise werden wohl im kommenden Heimspiel am Dientag (17:30 Uhr) gegen den abstiegsbedrohten SC Paderborn das Stadion nicht übermäßig füllen…

ksc fcunion saison-2015-2016 zweiteliga

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