Spielbetrieb

Neues aus Schottland #6: Meisterschaftskampf, Celtic-Krise und Dundee Uniteds Fast-Abstieg

Blick auf Tannadice Park, Dundee United, Januar 2015

Der schottische Winter ist dieses Jahr verdammt nass, ständig fallen Spiele aus weil es heisst: »Waterlogged Pitch«. Trotzdem geht es langsam auch in der schottischen Premiership in die heiße Phase. Meister Celtic schwächelte nach den guten Spielen im Januar erneut und spürt immer noch den Atem des Verfolgers FC Aberdeen im Nacken. Der aber seiner Linie dieser Saison treu bleibt und erneut beim Versuch einer Aufholjagd auf das Punkte liegenlassende Celtic stolperte. Trotzdem bleibt es (für schottische Verhältnisse) überraschend spannend. Und des ballreiters heimlicher Liebling Dundee United kann sich nun langsam auf den Abstieg einstellen…

Der Meisterschaftskampf

Wir erinnern uns, im letzten »Neues aus Schottland« hatte sich Celtic ein wenig von Konkurrent Aberdeen abgesetzt und wähnte nach einem guten Januar die »Krise« überwunden.

Drei Tage später verlor Celtic aber am Loch Ness gegen Ross County mit 1:3 im Halbfinale des Liga-Pokals. Und die in Fankreisen schon die ganze Saison gärende Unzufriedenheit mit der Spielweise von Coach Ronny Deila erreichte neue Höhen. Celtic war in der 1. Minute 1:0 in Führung gegangen, verlor dann aber nach 12 Minuten Verteidiger Efe Ambrose mit einer Roten Karte wg. einer Notbremse und danach das Spiel. »Deila Out!« hallte es wieder durch die sozialen Netze, und just am Tag danach kürte die schottische Liga Ronny Deila zum »Manager Of The Month« für die Siegesserie im Januar. Ein »Trainer des Monats« den ein Teil der Anhängerschaft am liebsten augenblicklich entlassen hätte – sowas sieht man auch nicht alle Tage…

Einige Tage später, am 3.2., stand dann mal wieder ein Spitzenspiel gegen Verfolger Aberdeen an. Und Celtic verlor zum zweiten Mal in dieser Saison beim FC Aberdeen mit 1:2:

Wer sich die Youtube-Filmchen mit den vielen schottischen Toren stets fleißig anschaut, erkennt ein Muster. Das Spiel ist geradezu symptomatisch für viele Celtic-Spiele in dieser Saison: Celtic kassiert stets Gegentore aus Standard-Situationen und Fernschüssen. Die Abwehr und das defensive Mittelfeld sind einfach nicht gut genug für Ansprüche über die »normalen« Spiele in der schottischen Liga hinaus. Das war das Problem in der CL-Qualifikation, das war das Problem in der EL-Gruppenphase und es ist auch das Problem für Punktverluste daheim. Die Presse spekulierte nun über die Rückendeckung Deilas im Vorstand, dieser hält bis jetzt aber still. Weil selbiger auch weiß, dass das Budget für das Einkaufen von Spielern »europäischer« Qualität einfach zu niedrig ist…

Auch wenn die Tabelle ein schiefes Bild bietet (Celtic hat noch stets ein Spiel weniger als Verfolger Aberdeen) wittert Aberdeen die Chance auf die Meisterschaft. Aber wie schon mehrmals in dieser Saison lassen sie dann die Punkte in den scheinbar »einfachen« Spielen liegen. So wie letzten Montag bei Inverness Caledonian Thistle, als die Dons nach einer 1:0-Führung noch 1:3 untergingen und nach einer Serie von 12 ungeschlagenen Spielen erstmals wieder verloren:

An dieser Niederlage hatte neben Aberdeens Abwehr-Nachlässigkeiten (man schaue sich im Video den Ausgleich an) auch der »berüchtigte« Schiri Willie Collum seinen Anteil, wenn man sich den Elfmeter anschaut. Collum wird auch bei der anstehenden Europameisterschaft pfeifen. Ihm sitzen die Karten ziemlich locker und er hat einen Hang zu seltsamen Entscheidungen, das dürfte unterhaltsam werden…

Mit dieser verpassten Gelegenheit zum Aufschließen zu Celtic bleibt Aberdeen mit 3 Punkten Rückstand auf Rang 2, Celtic hat aber ein Spiel weniger. Der Drittplatzierte, Aufsteiger Heart Of Midlothian aus Edinburgh, hat sogar zwei Spiele weniger und spielt als Aufsteiger eine exzellente Saison. So muss Aberdeen durchaus auch noch nach hinten schauen. Die Plätze 2 und 3 berechtigen im Sommer zur Teilnahme an der Europa-League-Qualifikation:

1.Celtic58 Punkte
2.Aberdeen55
3.Hearts44
4.Ross County33
5.St. Johnstone33

Der Abstiegskampf

Wir erinnern uns, nach einem glorreichen 5:1-Heimsieg gegen Abstiegskonkurrent Kilmarnock hatte der Tabellenletzte Dundee United wieder frische Hoffnung geschöpft. Seitdem hatte es wg. Spielabsagen kein Spiel mehr gegeben, so dass gestern Abend im Nachholspiel gegen den anderen Abstiegskonkurrenten aus Motherwell die »Operation Hoffnung« fortgesetzt werden sollte. Was mit einer desaströsen 0:3-Heimniederlage endete.

Nun hat United 13 Punkte Rückstand bei noch 13 ausstehenden Partien aufzuholen. Das ist zwar nicht unaufholbar, schaut man sich aber an wie die Tore fielen eher unwahrscheinlich. Als Mixu Paatelainen im Oktober den Trainerposten bei United von Jackie McNamara übernahm, betrug der Abstand zum Vorletzten nur einen Punkt…

Heute entschuldigte sich Vorstandschef Stephen Thompson für die gestrige Leistung und gestand Fehler in den letzten 18 Monaten ein. Die Leistung sei »abysmal« gewesen, und:

»The current playing squad now have thirteen matches to preserve the club’s Premiership status and redeem their own professional reputations.«

Ein weiterer Trainerwechsel zur Wahrnehmung der kleinen Chance auf Rettung erscheint durchaus möglich, auch wenn Mixu mal wieder kämpferisch verkündete: »It is not over yet as we will not give up…«

Und weiter…

Am kommenden Wochenende muss Aberdeen auswärts beim Glasgower Stadtteilklub Partick Thistle antreten, Celtic empfängt die am letzten Montag gegen Aberdeen siegreichen Highlander aus Inverness. Und Dundee United spielt zu Hause gegen den Dritten Hearts um die letzte Chance.

Bis jetzt sind für das kommende Wochenende weder bei Sport1+ noch bei Sportdigital Übertragungen angekündigt. Geplant ist wohl erst wieder Celtics Auswärtsauftritt am Freitag drauf, am 26.2. auswärts bei Hamilton Accies, um 20:45 in Sport1+.

Die schottische Liga praktiziert einen etwas seltsamen Modus. Es gibt jetzt noch 7 Spieltage (und zahllose Nachholspiele wg. des für schottische Fußballplätze überaus schädlichen nassen Winters) in der regulären Dreifach-Runde. Danach wird die Liga in eine obere und eine untere Tabellenhälfte aufgeteilt, die dann unter sich jeweils noch eine weitere Einfach-Runde mit 5 Spieltagen ausspielen. Was in der 12er-Liga dazu führen kann, dass man u.U. gegen einen Gegner 5 Spiele hatte und gegen einen anderen nur dreimal antreten musste…

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