Auf der Jagd nach dem Hinrunden-Rekord, oder: Der leere Rückrunden-Punktebecher

Spielbetrieb

Leerer Becher auf einem nummerierten Stehplatz im Gästeblock der Mainzer Arena, 2013 Das war wieder nix, ein Abwärtstrend nimmt seinen Lauf! Borussia verlor 0:1 bei Mainz 05. Die im Umfeld in den letzten Tagen lautstarke Abteilung »Defensiv-Fanatismus« denkt sich dabei wahrscheinlich ein »nur« hinzu, das ändert aber nichts: Verloren ist verloren. Es scheint, als wolle die Borussia den Hinrundenverlauf mit anderer Besetzung nachspielen, bei 2 von 5 sind wir immerhin schon angekommen…

Mainz 05 vs Borussia

Die meisten Unfälle passieren bekanntlich zu Hause. So auch bei Mo Dahoud, dessen öffentlich nicht weiter ausgeführte Begegnung mit haushaltstypischen Schneideutensilien zu einer Hand-OP und damit zum Ausfall von 100% der Stamm-Doppel-Sechs-Besatzung (Kollege Xhaka ist bekanntlich nach der Roten Karte im Darmstadt-Spiel noch stets gesperrt) führte. Dieses und die ausufernde Kritik an der nach Meinung mancher Beobachter zu offensiven Ausrichtung führte wohl dazu, dass André Schubert das Spiel gegen Mainz mit einer veränderten und deutlich defensiveren Spielanlage anging.

Somit war Nordtveit, trotz der schlechten Leistung gegen Dortmund, im defensiven Mittelfeld alternativlos. Um Dahouds Verlust (war auch schlecht gegen Dortmund, aber mehr Sechser gibt der Kader ja nicht her…) auszugleichen, setzte Schubert auf ein verändertes System, das, je nachdem wen man fragt, ein 4-1-4-1, ein 4-4-2 oder ein 4-3-3 war…

Für Dahoud rückte Neuzugang Jonas Hofmann in die Startelf. Der (IMHO fälschlicherweise) nach dem Spiel gegen den Ballspielverein allgemein zur Schwachstelle auserwählte Elvedi musste raus aus der Innenverteidigung und wurde durch den anderen Neuzugang, Jäger-Bub Martin Hinteregger, ersetzt.

Vom Personal her stand die Fohlenelf so eigentlich offensiver auf dem Rasen, in der Realität agierte Borussia aber vorsichtiger, als man das von der Schubert-Borussia gewohnt ist. Es war wohl, soweit man das im TV erkennen konnte, ein 4-1-4-1 mit Nordtveit als einzigem Sechser, zu dessen Unterstützung sich aber wahlweise Stindl oder Johnson aus der zweiten Viererreihe zurück fallen ließen.

Mainz wurde zunehmend stärker, war mit Malli, Baumgartlinger und Latza im Mittelfeld »der Babo«, weil sie fast alle Zweikämpfe gewannen. In der 21. Minute wurde dann Traoré von Nordtveit angespielt, verlor im Zweikampf gegen eine Mainzer Überzahl den Ball an Jairo. Das kann in der Offensive mal passieren. Danach begleiteten dann aber Traoré, Nordtveit und Stindl jenen Jairo über 30 Meter, ohne richtig anzugreifen. Jairo konnte in aller Ruhe mittig vor dem Sechzehner den völlig freien (weil Christensen irgendwohin in den freien Raum rausgerückt war) Clemens anspielen. Hinteregger und Wendt sahen das Unheil auf sich zukommen, standen aber nur unschlüssig auf der Sechzehnerlinie herum, so dass Clemens (»ausgerechnet« der Ex-Kölner!) unbedrängt aus 20 Metern abziehen und Yann Sommer zum 1:0-Endstand überwinden konnte. Das erste Mainzer Tor nach 300 torlosen Minuten, Aufbaugegner Borussia. Und ein Lehrfilmbeispiel für ein Gegentor aus zu zaghaftem Zweikampfverhalten…

Danach kontrollierten die Mainzer mit ihrer Mittelfeldüberlegenheit (Nordtveit z.B. hatte zur Halbzeit eine Zweikampfquote von 20%, als Sechser!) locker das Geschehen. Beide Teams hatten bis zur Pause noch jeweils eine gute Torchance durch Raffael und Malli. Und einen schönen »Diver« von Hofmann gab es auch noch, ob der darauf einsetzenden »Elfer-Proteste« lachten sich zufällig zuschauende Schiris aus Spanien oder England einen Ast…

Nach der Halbzeit verflachte das Spiel und ähnelte dem Hinspiel. Mainz verwaltete relativ ungefährdet die Führung, ohne große »offensive Akzente«, wie das dann immer so schön heißt. Borussia mühte sich zunächst ab, es lief aber nicht viel in der Offensive.

Erst mit den Einwechslungen von Hazard und Hrgota änderte sich das. Borussia spielte nun wieder mit deutlich mehr Risiko und Vorwärtsdrang und erarbeitete sich gute Torchancen. Die größte in der 72. Minute, als nacheinander Stindl und Raffael an Torwart Karius scheiterten.

Wie schon im Hinspiel wollte der Ball aber einfach nicht ins Tor gehen. Glück und ein glänzend aufgelegter Torwart Karius retteten den Mainzern einen knappen, aber letztendlich hochverdienten, 1:0-Sieg.

Und nun?

Borussia ist auf dem besten Weg, das Hinrunden-Drama nachzuspielen. 2 von 5 Niederlagen haben wir schon wiederholt. Aus den letzten acht Pflichtspielen holte Borussia nur zwei Siege (gegen Bayern und Darmstadt). Als es in der Hinrunde, in der Zeit des »Interims-unschlagbar«, darum ging, ob Schubert fest verpflichtet werden solle, bemängelten die Skeptiker, dass man ja noch nicht erlebt habe, wie Schubert auf eine Krise reagieren würde. Nun, das erleben wir dann in den nächsten Tagen und Wochen…

Selbiger Schubert scheint die Winterpause für einen Blitzkurs an der Mönchengladbacher »Nordpark-Akademie für fußballbezogenes Schönreden« genutzt zu haben. Der Trainer befand im Kicker: »Wir haben heute ein sehr gutes Spiel gemacht.« Und negierte im besten Gladbacher Hinrunden-Stil die »Krise«: »Wenn wir heute die Chancen nutzen, dann fragt niemand danach.« Haben wir aber nicht, Trainer!

Das Problem in der Rückrunde ist die Zweikampfschwäche im Mittelfeld und in der Defensive. Schon gegen Dortmund bestach die Mittelfeldbesatzung durch unterirdische Zweikampfquoten (Nordtveit 38%, Dahoud 30%, Johnson 33%), das wiederholte sich gegen Mainz (Nordtveit 38%, Johnson 33%, Stindl 36%, Hofmann 11%(!)). Gegen pressing- und mittelfeldstarke Teams wie Dortmund oder Mainz sieht man so defensiv zwangsläufig irgendwann schlecht aus und kassiert das Tor.

Generell scheint es so, dass Schubert durch das seit der letzten Woche vor der Winterpause aufgekommene Gerede vom »defensiven Strukturproblem« seine Linie aus der erfolgreichen »interims-unschlagbaren« Phase verliert. Borussia hat kein »Strukturproblem« in der Defensive, sondern aktuell ein »Qualitätsproblem«. Natürlich durch Verletzungen (Abwehr) und Sperren (Xhaka). Aber auch hausgemacht, wie bei der dünnen Personaldecke im defensiven Mittelfeld. Mit dem aktuell verfügbaren Defensivpersonal wird Borussia in absehbarer Zeit kein Spiel zu Null spielen können, deshalb wäre eine Rückkehr zum erfolgreichen »Hurra«-Offensivstil der Hinrunde wohl der erfolgsversprechendere Weg…

Am kommenden Freitag gibt es den nächsten Versuch zur Beendigung der aufkommenden Krise. Und das »ausgerechnet« gegen Werder Bremen, die in dieser Saison alles andere als ein dankbarer Gegner waren. Dazu kommt der »Freitagsfluch«: 5 der 6 letzten Freitagsspiele verlor die Elf vom Niederrhein. Das wird wohl ein spannender Freitag werden…

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