Siegloser Jugendstil zum Rückrunden-Auftakt

Spielbetrieb

Der Tag im Borussia-Park… Das war wohl nix! Wie schon der Hinrundenauftakt misslang auch der Auftakt in die zweite Hälfte der Bundesliga-Saison gegen den Ballspielverein 09 aus Dortmund. Mit 3:1 entführte die falsche Borussia (leider verdient) die Punkte aus dem Borussia-Park. Und das zum Hinrundeende eingesetzte »große Unken« über die vermuteten strukturellen Abwehrschwächen bei der Schubert-Borussia erhält neue Nahrung…

Borussia vs Ballspielverein

Für Team Ballreiter gab es den Rückrundenauftakt nur im TV zu sehen. Was im Nachhinein betrachtet nicht so furchtbar schlimm ist…

Im Winter gab es bekanntlich neues Personal bei der Borussia: Offensiv-Rechtsaußen Jonas Hofmann kam für 8 Mios von eben jenem Ballspielverein aus Dortmund. Und von RedBull Salzburg kam die österreichische Innenverteidigerkante Martin Hinteregger. Keiner von beiden durfte in die Startelf.

André Schubert setzt gegen den brandgefährlichen BVB auf eine Viererkette mit den Jungverteidigern Christensen und Elvedi in der Mitte. Durchaus überraschend, zumal neben Neuzugang Hinteregger auch der wiedergenesese Stranzl verfügbar war und auf der Bank hockte. Für den nach der Roten Karte gegen Darmstadt rotgesperrten Xhaka rückte Nordtveit auf die Doppelsechs neben Dahoud. Auch Ibo Traoré kehrte in die Startelf zurück. Die Neuen saßen neben Hrgota und Drmic auf der Bank, für den 8-Mio-Einkauf Hazard blieb nur noch ein Platz auf der Tribüne…

Von Beginn an entwickelte sich ein munteres Spielchen mit Torchancen auf beiden Seiten. Unterstützt von einem ziemlich groß aufspielenden Gündogan kam der Dortmunder »Frisurensturm« Aubameyang (neuerdings im Stile einer halbierten Kokosnuss gestylt, très chic!) und Reus ein ums andere Mal gefährlich vor das Tor von Yann Sommer. Die Fohlenelf mit den spielfreudigen Traoré und Raffael sowie dem unermüdlichen Stindl ließ sich ihrerseits nicht lumpen. Die beste Chance hatte aber Christensen in der 6. Minute, als er nach einer Ecke nur an die Latte köpfte. Das glich Gündogan in der 33. Minute mit einem krachenden Schuss ans Gebälk aus.

Nach etwa 30 Minuten begann die Fohlenelf, aus unbekannten Gründen, sich zurückzuziehen und die Angriffsbemühungen einzustellen. Angriff um Angriff rollte auf das Tor der wahren Borussia vom Niederrhein. Besonders die Doppel-Sechs mit Nordtveit und Dahoud ging dabei völlig unter. Beide wurden ständig überlaufen und gewannen fast keine Zweikämpfe und brachten die Abwehr damit ein ums andere Mal in Schwierigkeiten. So war das 1:0 für Dortmund durch den »Abtrünnigen« Reus (nach einem tollen Pass von Gündogan, der relativ unbehelligt durch das Mittelfeld spazieren konnte) nur die logische Konsequenz.

Nach der Halbzeit gab die Fohlenelf noch einmal Gas. Traoré und Stindl vergaben aber gute Torchancen zum Ausgleich. In der 51. Minute schlug dann wieder der BVB zu. Traoré verlor den Ball gegen Hummels. Der fand Gündogan, und über Reus kam der Ball zum komplett freien Mkhitaryan, der mühelos zum 2:0 einnetzte. Was die Elf vom Niederrhein aber auch noch nicht beeindruckte. In einer unübersichtlichen Strafraumsituation bediente Stindl Raffael, der vernaschte den ausrutschenden Park und verwandelte zum 1:2 in der 58. Minute.

Danach drängte die Fohlenelf auf den Ausgleich, kam zu weiteren Chancen durch Stindl und Raffael. Der BVB kam aber seinerseits zu Chancen, immer wieder brachen die schnellen BVB-Spieler durch die indisponierte Gladbacher Doppel-Sechs durch und kamen gefährlich vor das Borussen-Tor. Was in der 75. Minute zur Entscheidung führte. Dahoud verlor den Ball gegen Sokratis. Dahoud trabte nur gemächlich zurück, so dass Raffael(!) am eigenen Strafraum gegen Sokratis den kürzeren zog. Letzterer sah außen Mkhitaryan, der von der Torauslinie aus Gündogan bediente. Und der krönte seine große Leistung mit einer Direktabnahme zum 3:1-Endstand.

Und nun?

Das war eine verdiente, aber nicht übermäßig dramatische Niederlage. Insbesondere das defensive Mittelfeld war einfach zu schwach gegen eine Mannschaft mit der individuellen Klasse des Ballspielvereins. Die Kombination Nordtveit/Dahoud war (zumindest gestern) die schlechteste Doppel-Sechs seit den Tagen von Bradley und Marx. Beide erreichten gerade einmal eine Zweikampfquote von 30%, das ist auf der zentralen Mittelfeld-Position dann einfach nicht gut genug. Und dann verliert man so ein Spiel auch mal.

Treue Leserinnen und Leser erinnern sich, dass im ballreiter das Fehlen eines Sechsers nach Kramers Abgang bereits vor Saisonbeginn angemerkt wurde. Dieses Problem besteht immer noch und es verwundert, dass Eberl in der aktuellen Wintertransferperiode einen weiteren offensiven Außen kauft, aber das Personal für die Sechs so dünn bleiben soll.

Und nun ist Xhaka gesperrt. Dahoud ist jung und Nordtveit eher ein Innenverteidiger als ein guter Sechser. Und jener Nordtveit musste, mangels weiterer Sechser im Kader, nun zwangsläufig aus der Innenverteidigung raus. Dadurch fehlte da jemand. Aus durchaus nachvollziehbaren Gründen sah Schubert Hinteregger und den wiedergenesenen Stranzl nicht als Option für die Startelf, so dass Elvedi zwangsläufig neben Christensen ran musste. Beide Youngster kamen dann gegen den hochklassigen »Frisurensturm« der Dortmunder im Spiel ab und an in Schwierigkeiten. Insbesondere, wenn die gegnerischen Angreifer ständig durch die Doppel-Sechs durchbrechen.

So weit, so nachvollziehbar. Mit drei Neunzehnjährigen in den wichtigen defensiven Positionen kann man auch einmal ein Spiel gegen den BVB verlieren, ohne dass das gleich ein Drama oder gar ein »Strukturproblem« ist.

Damit könnte man es dann für dieses Spiel auch gut sein lassen, wäre da nicht etwas anderes. Die Borussen-Fanszene in Social Web, Webmagazinen und Foren, jahrelang geübt in »sektenähnlicher« kritikloser Über-Affirmation gegenüber Eberl und Favre, entdeckt plötzlich innerhalb kürzester Zeit gegenüber Schubert ihre kritische Seite. Da wird z.B. rumgenörgelt dass die Neunzehnjährigen spielen. Ja, siehe oben, wer denn sonst?

Dieselben, die zu Saisonbeginn bei von Woche zu Woche katastrophaler werdenden Spielen (die jede Woche mehr »Trainerwechsel notwendig« schrien) sogar die »Krise« verneinten und jede personelle Konsequenz in Sachen Trainer für absurd hielten, sind plötzlich überkritisch. Und das nach ein paar Wochen und nunmehr 29 Punkten aus 13 Spielen. Wegen einer (aus nachvollziehbaren Gründen) defensiv schwachen Woche vor der Winterpause wird bei Borussia ein defensives »Strukturproblem« diagnostiziert. Für mich ist dieses »Strukturproblem« eher ein durch Verletzungen verschärftes Qualitätsproblem. 19-jährige Spieler können nicht so gut sein wie die fehlenden erfahrenen Spieler.

Und außerdem: Man kann in diesem Spiel nicht die fehlende Erfahrung in der Defensive beklagen, wenn man vorher monatelang das hohe Lied von Eberls angeblich für Borussia »alternativlosen« Einkaufspolitik gesungen hat. Wenn man, statt Erfahrung und Qualität einzukaufen, auf junge Nachwuchskräfte setzt, dann stehen u.U. (so wie gestern) auch einmal drei von diesen auf dem Rasen. Das ist die Konsequenz.

Am Freitag geht es dann zu Mainz 05. Da wird man dann sehen, wo Borussia in der Rückrunde steht. Vielleicht ist dann ja auch Hinteregger oder Stranzl einsatzbereit und gibt der Defensive mehr Erfahrung.

Der ersehnte Bundesliga-Rückrundenstart gab Freitag und Samstag-Nachmittag außerordentliche sportliche Magerkost. Erst »unser« Borussen-Duell brachte Spannung. Und heute zeigten dann Wolfsburg und Schalke mit Niederlagen in Frankfurt und gegen Werder, dass man seinen Rückrundenauftakt durchaus (auch gegen schwächere Gegner als den BVB) einmal verlieren kann. Oder haben die etwa auch ein »Strukturproblem«…?

bundesliga gladbach ballspielverein saison-2015-2016

Creative Commons Lizenzvertrag Hinweise: Alle Bilder können durch einen Klick (oder »Touch«) auf das Bild in einer vergrößerten »Slideshow« angeschaut und durchgeblättert werden.
Sofern nicht anders vermerkt, stehen Texte und Bilder dieses Beitrags unter der Creative Commons BY-SA 4.0 International Lizenz. Was bedeutet das? Bilder und Texte ohne weitere Herkunftsangabe stammen von mir und können unter den Regeln der verwendeten CC BY-SA 4.0 International Lizenz benutzt werden. Eingebettene Medien (Tweets, Youtube-Videos, flickr- und Getty-Bilder etc.) und Bilder mit ausdrücklicher Herkunfts -und Copyright-Angabe stehen natürlich unter der Lizenz, mit der sie von ihren Urhebern erstellt wurden. Deshalb können diese nicht »einfach so« übernommen werden, sondern man muss die Lizenzbedingungen der Urheber beachten.

Bei der Betrachtung von Seiten mit eingebetteten Medien wird die IP-Adresse an den jeweiligen Anbieter übertragen (so funktioniert das Internet), näheres dazu verrät die Datenschutzerklärung.