Spielbetrieb

KSC: Die Nichtverlängerung

Das war der Hammer am Tag nach dem badischen »Derby«: KSC-Trainer Markus Kauczinski gab bekannt, dass er seinen am Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. So weit, so normal. Nach 14 Jahren KSC und 3 Jahren Arbeit als Cheftrainer kann man zweifellos den Wunsch entwickeln, auch mal woanders arbeiten zu wollen.

Wenn da nicht die seltsamen Randaspekte wären…

Das Geschehen

Noch am Sonntag war in der Kolumne eines gewöhnlich (zu) gut informierten Journalisten in einem lokalen Anzeigenblättle zu lesen, dass am darauf folgenden Montag die Vertragsverlängerung bekannt gegeben würde, da nur noch Kleinigkeiten zu klären seien. Statt dessen gab es die Bekanntgabe der Nichtverlängerung, wovon sich dann auch das Präsidium in einer Pressemitteilung hochoffiziell »überrascht« zeigte…

Nach und nach kommen nun Mosaiksteinchen ans Licht. So war in der Lokalzeitung BNN am 7.10. zu lesen, dass Kauczinski und Sportdirektor Jens Todt schon am 9.9. gegenüber BNN-Redakteuren bestätigten, dass die schon länger sich hinziehenden Vertragsverlängerungsgespräche auf Wunsch des Präsidium auf Ende September verschoben worden waren, wahrscheinlich wg. des schlechten Saisonstarts. Was Präsident Wellenreuther im selben Artikel als »dummes Gewäsch« bezeichnete. Schon nach dem desaströsen Pokalauftritt in Reutlingen waren Kauczinski und Todt zum Rapport ins Präsidium einbestellt worden. Folgerichtig vermutet auch der Kicker von heute (8.10.15) eine von Kauczinski wahrgenommene mangelnde Wertschätzung seiner Arbeit als Grund für die Nicht-Verlängerung. Und eine in den neuen Vertrag auf Vereinswunsch einzubauende hohe Ausstiegsklausel von (nach kicker-Angaben) weit über 2 Millionen Euro. Was Wellenreuther und Kauczinski öffentlich alles dementierten.

Und nun?

Alle Beteiligten beteuern öffentlich, die Saison trotz des frühen Zeitpunkts der Bekanntgabe gut zu Ende spielen zu wollen. Die ganzen Umstände und Widersprüche der Entscheidung lassen das aber alles nicht so »normal« erscheinen, wie der Verein das jetzt gerne präsentieren möchte.

Die sportliche Lage ist nicht sowieso nicht gut, nur 2 Siege in 10 Spielen, die drittwenigsten Tore geschossen, die drittmeisten kassiert. Dass es dafür gerade in den von Fußballfunktionären oft und viel beklagten Zeiten des Internets nicht nur Beifall für alle Beteiligten gibt, liegt auf der Hand. Vom Aufstiegs- zum Abstiegsaspiranten in wenigen Wochen ist halt auch eine enorme Fallhöhe, die von C. Ruf in der SZ als Grund für Kauczinskis Nichtverlängerung diagnostizierten »überzogenen Ansprüche« sehe ich nicht. Ganze zwei Siege, teilweise desaströse Auftritte, lt. Kicker Spieler die sich nicht »immer professionell« verhalten – mehr als das kann man schon erwarten, ohne gleich »überzogene Ansprüche« zu haben.

Bedenklich erscheint auch der offensichtliche Dissenz zwischen Präsidium und Sportdirektor, wie Liga2-Online treffend feststellt:

»Die Tatsache aber, dass die geplante Vertragsverlängerung schon einmal verschoben wurde und aus den Händen von Sportdirektor Jens Todt vom Präsidium übernommen wurde, ist ein Anzeichen dafür, dass Kompetenzen verschoben wurden, wo sie nicht unbedingt hingehören.«

Prognose

Ich würde keinen hohen Betrag darauf wetten, dass Kauczinski das Ende der Saison als KSC-Trainer erlebt. Zum einen müsste sich die sportliche Lage entspannen, denn drei Unentschieden hin oder her: Langsam müsste mal wieder ein Sieg her, sonst macht die Plattitüde vom »Trainer der den Abschied bekannt gegeben hat und seine Spieler nicht mehr erreicht« die Runde und das Präsidium wird panisch.

Und da Kauczinski in seiner Amtszeit beim KSC gute Arbeit geleistet hat, dürfte er automatisch ein Kandidat für einen Bundesliga-Posten werden, wenn bald der Herbst richtig losbricht, die Tage und die Geduldsfaden der Bundesliga-Verantwortlichen kürzer werden und die ersten Bundesliga-Trainer fliegen.

Auch auf einen längerfristigen Verbleib von Jens Todt würde ich keine hohen Summen wetten, auch da scheint das Verhältnis zum Präsidium leicht gestört. Und wenn Wellenreuther wieder selbst Trainer sucht, kann es lustig werden. Mit Grausen erinnert man sich an Rapolder, Scharinger oder Andersen…

Somit bleibt zu hoffen, dass sich der sportliche Erfolg langsam wieder einstellt und Kauczinski den Abschied bekommt, den er sich verdient hat. Und die Saison ohne Abstiegsgefahr zu Ende gespielt wird und der Verein keinen Rückfall in noch gar nicht so lange zurückliegende chaotische Zeiten erlebt…

ksc saison-2015-2016 zweiteliga

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