Borussias Schubertiade in Rheindahlen: Rekordversuch fehlgeschlagen!

Spielbetrieb

Bild: »Third movement« von Andrew Gustar auf flickr, CC-BY-ND

[Foto: »Third movement« von Andrew Gustar auf flickr, Creative Commons BY-ND 2.0 thanks!]

Ordentlich was los bei der Borussia in diesen Zeiten. In rheinischen Städten mit Bahnhofskirche liefen schon die Kinder auf den Straßen herum und sangen: »Keine Punkte, keinen Trainer: Vaueffell!«

Der dramatische Abgang von Lucien Favre überstrahlte zwar alles, aber das Grundproblem der Borussia war ja eigentlich ein anderes: Null Punkte auf dem Konto.

Deshalb waren alle gespannt auf den ersten Auftritt der Borussen unter Interimstrainer André Schubert im Heimspiel gegen den FC Augsburg. Modefans wie ich schafften es unter der Woche nicht ins Stadion. Und prompt gab die von André Schubert neu orchestrierte Fohlenelf eine wohlklingende Fußball-Serenade zum Besten. Es gab in einem denkwürdigen 4:2 den ersten Saisonsieg, die ersten drei Punkte. Und der Rekordversuch (auf Einstellung von Fortuna Düsseldorfs Rekordauftakt mit 6 Niederlagen hintereinander in der Saison 1991/92) ist gescheitert!

Borussias Auferstehungssymphonie

Was Borussia anbot war, um die nervige Spielerei mit dem Namen des Interimstrainer zur Schlusskadenz zu bringen, weniger Schubert als viel mehr Mahler. Borussia führte die eigene Auferstehungssymphonie auf. Als hätte jemand einen geheimen Schalter umgelegt, gelang plötzlich alles, was wochenlang nicht funktionierte.

Schubert hatte das Team ordentlich durchgewürfelt. Die wiederhergestellten Dominguez, Johnson und Herrmann kehrten in die Startelf zurück. Ebenso wie der zuletzt indisponierte Stindl, der den zuletzt nicht minder indisponierten Hazard im Sturm neben Raffael ersetzte.

Borussia lief vom Anpfiff weg Sturm auf das Augsburger Tor. Und es gelang einfach alles, nach 5 Minuten stand es 1:0 durch Fabian Johnsons formidablen Linksschuss. Aber statt nach der Führung, wie oft unter Favre, sich zurück zu ziehen und das Spiel zu verwalten, ging der Sturmlauf weiter. Innerhalb von 4 Minuten entschieden die Borussen durch Xhaka (17.), Stindl (19.) und Dahoud (21.) das Spiel.

In der zweiten Halbzeit gab sich Schiedsrichter Daniel Siebert alle Mühe, durch zwei Elfmeter für Augsburg das Spiel irgendwie wieder spannend zu machen. Durch diese Regelauslegung, also »alles im Strafraum ist irgendwie Elfmeter«, wird sich der deutsche Fußball und seine Schiedsrichterei früher oder später lächerlich machen.

Nachdem es dann dadurch 4:2 stand, legte Borussia noch einmal einen Zahn zu und hätte durch Traoré und Raffael (beide trafen das torstützende Aluminium) das Ergebnis problemlos auf 6:2 schrauben können. Aber auch mit »nur« 4:2 Toren war das ein großartiger erlösender wichtiger Sieg!

Mann des Spiels: Mo Dahoud

Ein Speziallob muss es an dieser Stelle für Mo Dahoud geben. Ich war nie ein großer Fan von ihm und fand die oft zu lesenden Dahoud-Lobeshymnen, bevor er auch nur eine Saison hinter sich hat, reichlich übertrieben.

Aber diese Leistung gegen Augsburg – Chapeau! Dahoud rannte wie Kramer in seinen besten Zeiten (12,7 km), hatte eine Passquote wie Xabi Alonso (91%) und rackerte unermüdlich nach vorne und nach hinten. Folgerichtig schaffte er es hochverdient, gemeinsam mit Raffael, Stindl und Johnson, in die Kicker-Elf des Spieltags. Das erste Mal in dieser Saison, dass Borussen dort auftauchten. Und dann gleich vier Stück…

Und nun?

Bleibt die Frage, wie das alles eigentlich möglich ist. Was hat André Schubert in zwei Tagen anders gemacht (und machen können) als Lucien Favre?

Natürlich sieht man das oft in der Bundesliga, dass ein Team nach einem Trainerwechsel wie ausgewechselt spielt. Schon André Schuberts Auftreten und Ansprache in der PK vor dem Spiel war grundlegend anders. Die erste PK seit langem, in der niemand vor allem die Stärken des Gegners mit einem abschließenden »es wird schwer« referierte…

Das Spiel stützt aber den Verdacht, den man auch schon beim Anschauen der Spiele haben konnte. Und auch Straftrainings und »Aussprachen ohne Trainer« sind dafür klare Indizien. Nämlich dass etwas »in der Chemie« zwischen Trainer und Mannschaft nicht mehr stimmte. Und Lucien Favre das gemerkt hat und für irreparabel hielt. Alvaro Dominguez sagte im Interview nach dem Spiel auch erstaunlich offen, dass der Trainerwechsel der Mannschaft »gut getan« habe. Genaueres wird man dazu wohl nie erfahren (es gibt in Gladbach halt keine Informanten der Boulevardpresse in der Kabine), außer einer der Beteiligten schreibt irgendwann ein Enthüllungsbuch…

Am Samstag geht es weiter im »Spitzenspiel von unten« gegen das uneingeschränkte Lieblingsteam aller Karlsruher, dem nicht minder schlecht gestarteten VfB Stuttgart. Danach werden wir wissen, ob Augsburg nur ein Strohfeuer war oder ob sich tatsächlich etwas geändert hat…

Die Anderen

bundesliga gladbach augsburg saison-2015-2016

Abonniere die ballreiter »Blogpost«!
Nie mehr einen neuen Artikel verpassen: Die »Blogpost«, der ballreiter-Newsletter, informiert (während der Saison) ein- oder zweimal (wenn es Spiele unter der Woche gab) pro Woche per E-Mail über neue Artikel im ballreiter.

Mit der Registrierung bestätigst Du die Kenntnis der Datenschutzhinweise. Kurzfassung: Deine E-Mail-Adresse wird gespeichert, um Dir den Newsletter zu schicken. Das Abonnement kann natürlich jederzeit über den »Unsubscribe / Abbestellen«-Link in jeder E-Mail beendet werden, dann wird die Adresse wieder gelöscht.

Creative Commons Lizenzvertrag Hinweise: Alle Bilder können durch einen Klick (oder »Touch«) auf das Bild in einer vergrößerten »Slideshow« angeschaut und durchgeblättert werden.
Sofern nicht anders vermerkt, stehen Texte und Bilder dieses Beitrags unter der Creative Commons BY-SA 4.0 International Lizenz. Was bedeutet das? Bilder und Texte ohne weitere Herkunftsangabe stammen von mir und können unter den Regeln der verwendeten CC BY-SA 4.0 International Lizenz benutzt werden. Eingebettene Medien (Tweets, Youtube-Videos, flickr- und Getty-Bilder etc.) und Bilder mit ausdrücklicher Herkunfts -und Copyright-Angabe stehen natürlich unter der Lizenz, mit der sie von ihren Urhebern erstellt wurden. Deshalb können diese nicht »einfach so« übernommen werden, sondern man muss die Lizenzbedingungen der Urheber beachten.

Bei der Betrachtung von Seiten mit eingebetteten Medien wird die IP-Adresse an den jeweiligen Anbieter übertragen (so funktioniert das Internet), näheres dazu verrät die Datenschutzerklärung.