Spielbetrieb

Null-Punkte-Super-Samstag und die Folgen: Rekordjäger Borussia und das Ende der Ära Favre

Was für Zeiten! Den zweiten Teil des Null-Punkte-Super-Samstags bestritt die Borussia beim unfassbar langweiligen Derby in Köln. Es konnte je niemand ahnen, dass dieser grausige Samstagnachmittags-Kick in Müngersdorf das letzte Spiel von Lucien Favre als Trainer der Borussia sein würde…

Borussias Rekordjagd in Müngersdorf

Während in Mönchengladbach den Hütern der Fankultur die Schulter schmerzte vor lauter selbst draufklopfen, fand in Müngersdorf in trister Atmosphäre das einstmals heiß erwartete Derby statt. In seinem letzten Spiel hatte Lucien Favre mal wieder das Team durchgemischt. Christensen, Dahoud, Drmic und Xhaka durften rein. Stindl, Hahn, Korb und Nordveit mussten raus.

Der Effzeh zog sich von Beginn an in die eigene Hälfte zurück und ließ die Borussia am Ball gewähren. Die derzeit aber nicht in der Lage ist, aus Ballbesitz heraus etwas Vernünftiges in Sachen Torgefahr zu produzieren. Ganze zwei (mäßig gefährliche) Torschüsse gab es für Borussia in 90 Minuten. Immerhin ließ die Defensive in Halbzeit 1 und in weiten Teilen von Halbzeit 2 nichts anbrennen. Was aber vor allem daran lag, dass der Effzeh unerklärlicherweise nicht sonderlich bemüht war, das Borussentor in Gefahr zu bringen.

Um die 60. Minute herum zog der 1. FC Köln dann das Tempo an, und sofort wackelte Borussias Abwehr wieder. Und so geschah, was derzeit immer passiert: Bittencourt flankt von außen, Christensen steht etwas unzweckmäßig neben Modeste, der zum 1:0-Endstand einköpft.

So stand als Ergebnis die fünfte Niederlage im fünften Spiel bei 2:12 Toren. Und der absolute Auftaktniederlagen-Bundesliga-Rekord von Fortuna Düsseldorf aus der Saison 1991/92 (6 Niederlagen hintereinander) ist nur noch eine weitere Niederlage entfernt…

Nach dem Spiel

Die tabellarische Lage hatte sich so natürlich nicht verbessert, im Gegenteil. So wurde zunächst wieder schöngeredet. Max Eberl sah »ordentliche Ansätze« und »ordentlichen Ballbesitz«, Granit Xhaka gar »ein gutes Spiel«. Steve Jobs’ berühmtes »Reality-Distortion-Field« scheint es auch im Fußball zu geben…

Im Borussen-Umfeld wurde, wie hier exzellent bei Seitenwahl, weiter nach Ursachen gesucht. Nach einer ellenlangen Liste von Problemen schloss die Seitenwahl-Analyse mit den Worten:

»Es ist aber kontraproduktiv, daraus jetzt gleich wieder den natürlichen Impuls der Schuldzuweisung abzuleiten und nach zwingenden personellen Konsequenzen zu verlangen. Zum einen haben sich Max Eberl und Lucien Favre beide in den letzten Jahren dermaßen großen Kredit verdient, dass sich eine Diskussion über ihre Person allermindestens bis zum Ende der Hinrunde von selbst verbieten sollte. Zum zweiten haben beide durch ihre überragende Arbeit der letzten Jahre bewiesen, dass sie absolute Fachmänner sind, die bereits ähnlich schwierige Situationen erfolgreich gemeistert haben und daher zum jetzigen Zeitpunkt die größte Erfolgswahrscheinlichkeit versprechen lassen, dass es ihnen auch in der aktuellen Lage wieder gelingen wird.«

Das sah wohl auch die überwiegende Mehrheit der Borussen-Fans so. Überhaupt war das, fast schon religiöse Dimensionen annehmende, Urvertrauen in die handelnden Personen mit das Erstaunlichste am ebenso erstaunlichen Niedergang des Tabellendritten Borussia. Man dachte wohl: »Ja, wir sind ja nur die kleine Borussia, was Eberl und Favre machen ist immer alternativlos, trotzdem kann auch als CL-Teilnehmer immer mal ein Abstiegskampf passieren. Das machen wir jetzt so, alle haben sich weiter lieb und irgendwann sind wir wieder gut.« Ein schöner Plan. Borussia als Biotop, in dem der Leistungssport Fußball ein bisschen weniger Leistungssport ist. Es gab dabei nur ein Problem: Einer wollte da nicht mitspielen. Nämlich Lucien Favre…

Lucien Favres ruhmloser Abgang

Sonntagabend platzte die Bombe. Lucien Favre kündigte per eigener Presseerklärung seinen Job als Cheftrainer und überraschte damit alle, inklusive Borussia. Ein »Unwürdiges Ende einer Ära« (Seitenwahl). Favre »lässt die Borussia im Stich« (Kicker). Ein Schock, damit hatte niemand gerechnet.

Plötzlich ergibt aber vieles mehr Sinn. Wenn man ehrlich ist, spielt die Mannschaft seit dem HSV-Spiel genau wie ein Team, in dem etwas im Verhältnis Mannschaft-Trainer nicht stimmt. Dinge wie »Mannschaft trifft sich ohne Trainer« stehen nun in einem ganz anderen Licht da. Wahrscheinlich sah Favre unreparierbare Probleme und wollte dem (in seinen Augen) nach mehr Niederlagen sowieso irgendwann zwangsläufig kommenden Rauswurf zuvor kommen.

Und nun?

Max Eberl sucht nun einen neuen Trainer. Zunächst darf U23-Coach André Schubert als Interimscoach ran. Nun wird es am Mittwoch im Heimspiel gegen Augsburg interessant. Spielt das Team plötzlich ganz anders, war wohl wirklich etwas kaputt im großen kuscheligen alternativlosen Biotop Borussia…

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