Fehlstartrekordler: Borussia Mönchengladbach vs HSV 0:3 – 11.9.2015

Stadion

Bild: Gladbach vs HSV im Borussia-Park am 11.9.15

Drei Spiele, drei Niederlagen – Borussias Saisonstart war vor der Länderspielpause richtig schön missraten. Da schien das zweite Heimspiel gegen den aktuell wahrscheinlich unbeliebtesten Verein Deutschlands gerade recht zu kommen. Die Relegations-Glücksritter vom Hamburger SV waren für den Freitagabend als Aufbaugegner für die schwächelnden Fohlen auserkoren.

Also machten wir uns wieder auf den langen Weg an den heimatlichen Niederrhein. Und weil der Vorverkauf für dieses Spiel (von der Niederlagenserie unbeeinträchtigt) in der Sommerpause begann, war der Borussia-Park auch durchaus erwartungsfroh gestimmt und bis auf den letzten Platz gefüllt. Beides sollte sich im Verlauf des Abends ändern…

Das Spiel

Bild: Gladbach vs HSV im Borussia-Park am 11.9.15

Lucien Favre hatte die Aktion »nach jedem verlorenen Spiel die Anzahl der Jung-Spieler in der Startelf verringern« mit dem HSV-Spiel abgeschlossen. Außer Stindl (der wie einst beim KSC rechts im Mittelfeld spielen musste) standen nur Spieler aus der letzten Saison auf dem Rasen. Für den gewohnheitsmäßig gelbgesperrten Xhaka spielte Jantschke Sechser neben Nordtveit. »Defensives Bollwerk« war wohl das, angesichts der ersten drei Spiele durchaus nachvollziehbare, Generalthema dieser Aufstellung.

Dieses Thema hatte sich schnell erledigt, mit dem Anpfiff begannen die wahrscheinlich schlechtesten 20 Minuten einer Borussia-Mannschaft seit den Zeiten der Frontzeck-Klatschen. Defensiv hypernervös und offensiv vollkommen harmlos eierten die Herren in den Borussia-Trikots auf dem Rasen umher. Der HSV lungerte im Mittelfeld aggressiv herum und attackierte die Gladbacher schon in der eigenen Hälfte. So fiel nach 10 Minuten das 0:1 fast zwangsläufig: Jantschke versuchte, von zwei Hamburgern unter Druck gesetzt, einen Rückpass zu Sommer und übersah den lauernden Lasogga. Der passionierte Feinripp-Hemd-unter-dem-Trikot-Träger übernahm hocherfreut das Spielgerät, umkurvte kurz Sommer und schob den Ball locker zum 0:1 ein.

Erst Mitte der ersten Halbzeit bekam Borussia, wie man in Journaille-Kreisen so sagt, »Zugriff« auf das Spiel. Borussia wurde etwas stärker, hielt den HSV vom eigenen Tor weitgehend fern und näherte sich dem gegnerischen Tor an, ohne aber irgendwelche zwingenden Chancen zu produzieren. Kurz vor der Halbzeit nahm das vorsichtige Herantasten ein jähes Ende. Es gab eine Ecke für den HSV, unser Feinripp-Freund Pierre-Michel konnte, nur mäßig bedrängt, in aller Ruhe durch den Strafraum spazieren und den Eckball per Kopf zum 0:2 versenken.

Schockstarre zur Halbzeit, und begleitet von einem üppigen Pfeifkonzert schlichen die Borussen wie geprügelte Hunde vom Platz. Lucien Favre hatte wohl keine richtige Lust auf übermäßig lange Halbzeitansprachen, die Borussen kamen weit vor Beginn der 2. Halbzeit auf den Rasen zurück und standen minutenlang alleine auf dem Feld herum…

Bild: 11 Borussen stehen zur 2. HZ alleine auf dem Rasen

Wie immer wechselte Favre nicht zur Halbzeit, was auf der Tribüne mit einem gewissen Unverständnis zur Kenntnis genommen wurde. Bevor die (vermutlich geplante) große Aufholjagd beginnen konnte, war sie auch schon wieder vorbei. In der 52. Minute erwischte ein Abschlag von Drobny unseren Rooooooel im Sekundenschlaf, worüber sich Nicolai Müller freute, denn er konnte in aller Ruhe zum 0:3 einnetzen.

Damit war das Spiel nach 52 Minuten praktisch beendet, jetzt erst brachte Favre mit Traoré und Drmic frische Offensivkräfte, was natürlich für eine Borussia in der Verfassung dieses Abends keinerlei Wirkung mehr hatte. Vielmehr fügten sich die beiden leistungsmäßig nahtlos in den Rest ein…

Die nach der 1. HZ sowieso schon miese Stimmung im Borussia-Park kollabierte nun. Auf den Sitzplätzen begann der große Aufbruch Richtung Parkplätze, in der Nordkurve hatte niemand mehr Lust, und das selbsternannte Epizentrum der Fankultur hinter dem Tor der Nordkurve gefiel sich darin, die ganze Zeit ein fankulturgeschwängertes Spruchband bezüglich des Derby-Boykotts in Köln nach dem anderen am Zaun zu platzieren. Was eigentlich niemanden interessierte, aber der Fankultur war Genüge getan. So stellte der Gästeblock nicht ganz zu Unrecht fest: »Ohne Hamburg wär’ hier gar nix los…«

Fazit: Ein Kack-Spiel. Waren die Niederlagen gegen Mainz und Bremen noch in gewisser Hinsicht »unglücklich«, weil Borussia Chancen genug auf ein besseres Ergebnis hatten, so spielte Borussia gegen den HSV genau so, wie das Ergebnis da steht. Defensiv wackelig, offensiv harmlos, im Grunde chancenlos – und das gegen den HSV!

Der Fehlstartrekord wurde auf vier Niederlagen hintereinander ausgebaut. Wer das Spiel verfolgte, könnte auf die Idee kommen, dass das vielleicht noch nicht das Ende der Fahnenstange in dieser Hinsicht war…

Die Anderen

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Bild: Banner Derby-Boykott

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bundesliga gladbach hsv saison-2015-2016

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