Max Eberl und die Chemtrails über dem Nordpark, oder: 9 Thesen zum Bundesligastart

Spielbetrieb

Bild: Nordkurve im Borussia-Park.

Fähnchen raus, die Kehle geölt, den TV-Sessel abgestaubt – endlich startet nun auch die Bundesliga in die Saison. Angeregt von den Kollegen bei »Mia san rot« kommen hier 9 Thesen zur kommenden Bundesliga-Saison. Aufgestellt vor allem, aber nicht nur, aus dem Gladbacher Blickwinkel. Wir werden sehen, wie unsinnig oder schlau diese Thesen dann im Mai 2016 aussehen. Sollte dieses kleine Fußballblog dann noch existieren, werden diese an der Realität der Saison bewertet.

1. Borussia und ihr Umfeld müssen in ihre neue Rolle jenseits der »Einstelligkeit« hinein finden.

»Chemtrails« ist bekanntlich eine Verschwörungstheorie die besagt, dass Menschenmassen und das Wetter durch mit Kondensstreifen von Flugzeugen vermischte Chemikalien manipuliert werden.

Schaut man sich an, wie Max Eberls im Lichte der letzten vier Spielzeiten doch arg bescheidenes Saisonziel »Einstelligkeit« in den mit Borussia sympathisierenden Kreisen zustimmend aufgenommen wird, könnte man den Eindruck gewinnen, dass der gute Max entsprechende Chemikalien bei den Heimspielen abwerfen lässt. Schaut man sich z.B. die Umfragen im »MitGedacht-Blog« (Teil 2 dazu) an – das »Einstelligkeits-Saisonziel« ist das Statement auf fast allen Fahnen. Es dominiert immer noch eine Selbstwahrnehmung, die den Eindruck erweckt, man sähe sich eigentlich nur als kleinen bescheidenen Verein, der gerade mal eine glückliche Phase hat, aber eigentlich da oben gar nicht hingehört. Bescheidenheit aus »Borussenangst«.

Warum Eberl solche Ziele formuliert ist klar, er ist schließlich ein schlauer Bursche: Je bescheidener formuliert die Ziele, desto geringer der Druck, und desto größer ist anschließend der Erfolg.

Die Sichtweisen von außen aber ändern sich, schaut man ein wenig in die Saisonprognosen von nicht-Borussia-Medien (exemplarisch hier bei Eurosport) so finden sich überwiegend Einschätzungen zwischen Rang 2 und 5.

Und wenn Borussia diese Saison nicht vollkommen einbricht und bspw. Zwölfter wird, dann wird man solche Saisonziele auch nicht mehr raushauen können, ohne sich ein wenig lächerlich zu machen. Man muss sich dann wohl oder übel in der Selbstwahrnehmung damit abfinden, zu den etablierten Kräften in den Europapokalrängen zu gehören. Gibt aber Schlimmeres, oder?

2. Es wird schwer. Aber das wird es immer.

Eine weitere steile und weithin akzeptierte (s.o., da liegt doch was in der Luft!1!11!) Eberl-These ist: Borussia sei nur Dritter geworden, weil andere »geschwächelt« haben.

Schaut man in die Statistik seit Einführung der Drei-Punkte-Regelung, so endete man mit Borussias Ausbeute in der Vorsaison von 66 Punkten fast immer auf Rang 2 oder 3, viermal auf Rang 4, aber einmal auch auf Rang 1. Somit ist klar: Dieser dritte Rang wurde in erster Linie aus eigener Kraft geholt, selbst wenn S04 und BVB ein paar Spiele mehr gewonnen hätten, wären Borussia deshalb keine Punkte abgezogen worden.

Natürlich fängt eine neue Saison immer bei Null an, jedes Spiel muss erst gespielt werden und es wird schwer, das zu wiederholen. Aber das ist doch vor jeder Saison so, oder hat schon mal jemand gesagt: »Och, diese Saison wird einfach!« Eben.

3. Der Kader ist etwas arg jung und nicht unbedingt stärker geworden.

Der Kader sieht, wie eigentlich immer seit Max Eberl das erledigt, gut aus, wenn auch, wägt man Abgänge und Zugänge gegeneinander ab, nicht stärker als in der letzten Saison. Aber das war ja schon nicht so schlecht…

Ich hätte mir, im Lichte der neuen Anforderungen mit der CL, eine weitere Verstärkung mit Erfahrung, insbesondere im Mittelfeld, gewünscht. Das sollte, wenn an den diversen Gerüchten etwas dran war, wohl auch passieren, hat sich dann aber wohl zerschlagen und der alternative »Plan B« wurde aktiviert: Die Verpflichtung von (auch nicht ganz preiswerten) jungen Talenten.

Nun wird das Jugendprogramm als alternativloser Plan für Borussia verkauft und akzeptiert. Wäre aber einer der weiteren geplanten deutlich teureren 10-Mio-Einkäufe gelungen (bei Ginter z.B. schien das schon recht konkret), wäre das genauso als »Strategie« gefeiert worden…

Bis auf Kruse und Kramer, die natürlich Stammkräfte und Leistungsträger waren, blieb der Kader zusammen. Kruse-Ersatz Drmic ist ein anderer Spielertyp und nach den Erfahrungen mit anderen Mittelstürmern in der jüngeren Zeit ein großes Fragezeichen. Und bei den jüngeren Spielern wird sich zeigen, wie schnell sie Leistungsträger werden können. Hier liegt das größte Risiko bei Borussia 2015/16.

4. Und könnte noch einen erfahrenen defensiven Mittelfeldspieler vertragen.

Sorgen macht das defensive Mittelfeld mit der vakanten Kramer-Position. Als Ersatz wurde Stindl verpflichtet, der aber eigentlich eher ein offensiverer Vertreter ist, den man auch neben Raffael in der Kruse-Rolle sehen kann. Bleiben noch Nordtveit, der in den letzten Jahren ein wenig stagnierte, und der aus »Fohlenromantik« zum Hoffnungsträger stilisierte Dahoud. Der erst eine Minute Bundesliga-Erfahrung hat. Von dem jungen Herrn nun zu erwarten, dass er von 0 auf 100 durchstartet und ein Leistungsträger wird, finde ich schon sehr optimistisch.

Der Kader ist, wie schon letzte Saison, der beste den Borussia seit langem hatte. Aber der Sturm, das defensive Mittelfeld und die zu geringe Erfahrung für die großen Schlachten in der CL könnten zum Problem werden. Wenn man mit 19-jährigen gegen Barça bestehen könnte, würden das alle so machen…

5. Borussia wird in den ersten Fünf der Tabelle landen.

Ich bin Optimist. Trotz obiger kleiner Bedenken, wie immer bei Favre wird der Kader funktionieren. Das Pokalspiel bei St. Pauli zeigt in Halbzeit 2 schon eindrucksvoll, was diese Saison gehen könnte. Vom Wiedererstarken der Ruhrpott-Konkurrenz mit ihren Trainern von Paderborn und Mainz 05 möchte ich erst einmal überzeugt werden. Und selbst wenn: Wenn es auch nur näherungsweise so weitergeht mit der Punkte-Ernte wie in der vergangenen Rückrunde, ist das auch egal.

Und sind wir doch mal ehrlich, amtliche »Einstelligkeits-Doktrin« hin oder her: Alles unter einer erneuten Qualifikation für einen der Europapokale wäre eine Enttäuschung, oder, wie es »Halbangst« ausdrückt:

»Die Borussia ist deshalb allemal ein Kandidat für Platz vier. Es ist müssig, hier auf die Finanzkraft der anderen Teams hinzuweisen – Gladbach hat aber eine Spielidee und die Ausgewogenheit des Kaders dagegenzuhalten.«

Die anderen da oben? Wolfsburg ist stark, so sie nicht de Bruyne noch abgeben müssen. Leverkusen wird immer Leverkusen bleiben, oben dabei, aber nicht ganz oben.

Und Bayern ist normalerweise nicht zu schlagen. Aber:

6. Bayern wird nicht Meister werden.

Eine innere Stimme sagt mir, dass der FC Bayern in dieser Saison nicht Deutscher Meister wird. Sie haben natürlich wieder eine tolle Mannschaft, aber man hat den Eindruck dass dort irgendetwas nicht stimmt. Zusammen mit dem ewigen Medien-Theater um Pep und der unfassbaren Medienpräsenz jeder dort geschehenden Banalität könnte ein leistungsminderndes Gesamtklima entstehen. Und Leute vergessen leicht, dass die Bayern-Niederlagen in der Rückrunde gegen Wolfsburg und Borussia nicht in der »Austrudel-Zeit« nach dem rechnerischen Gewinn der Meisterschaft passiert sind.

Also wird jemand anders Meister. Dann höchstwahrscheinlich Wolfsburg. Leverkusen ist Vizekusen, unwahrscheinlich. Schalke und Meister? Nicht einmal der Herzen. Dortmund? Wir werden sehen, ob der unfassbar gehypte Tuchel sie überhaupt wieder in die Nähe der Top 5 bringt.

Und die Borussia? Man wird doch noch ein wenig träumen dürfen

7. Technik wird uns auch 2015/16 nicht retten.

Die ebenso teure wie überflüssige Torlinientechnik wird diese Saison nicht einmal benutzt werden. Weil Technik uns nicht retten kann vor den Manuel Graefes dieser Welt.

Der Glaube an unbestechliche Objektivität und Wahrheit durch Technik ist hochgradig naiv, man muss sich nur einmal anschauen wie 5 Experten bei Betrachtung der Zeitlupe einer umstrittenen Aktion zu 6 Ergebnissen kommen. Wird aber niemanden daran hindern, trotzdem bei der ersten graefeesken Schiri-Fehlleistung »Videobeweis« in die Kameras und Mikros zu plärren.

8. Der HSV steigt endlich ab.

Denn schon im Pokal zeigte sich: »ER lebt!«. Wer? Der Fußballgott! Dieses Mal gibt es Gerechtigkeit!

9. Der Ball soll endlich rollen.

Grau ist alle Theorie, Papier und Festplatten sind geduldig. Es wird Zeit dass es los geht. mit dem Anpfiff des ersten Spiels ist sowieso jede Prognose und alle Vorrede nur noch Makulatur. Wir wissen seit Otto Rehhagel: Die Wahrheit liegt auf dem Platz.

Es geht endlich los! Mögen die Spiele beginnen, auf eine gute Saison 2015/16. Ich freue mich drauf!

bundesliga gladbach saison-2015-2016

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