Ballkultur

Wir lesen Fußball: »Zeitspiel«

Bild: Zeitspiel-Magazin

Wenn man keinen Fußball schaut, dann möchte man drüber lesen, klare Sache. Wer nicht nur im Kicker über den multinationalen globalen »Star-Fußball« lesen möchte, findet in »Zeitspiel, Magazin für Fußball-Zeitgeschichte« frischen Lesestoff jenseits der alltäglichen 1:0-Berichterstattung.

Die Mainstream-Berichterstattung über Fußball wird mehr und mehr ein Trauerspiel. Gerüchte, irrelevante Marginalien und Fußball-Star-Klatsch sind wichtiger als das Spiel und seine Hintergründe geworden. Ein schönes Beispiel dafür ist diese Woche das Gewese um Rudi Völler und Marcell Jansen

Glücklicherweise gibt es aber noch stets Publikationen, die wirklich über Fußball schreiben, wie eben »Zeitspiel«…

Zeitspiel ist im Juni 2015 erstmals erschienen und wird vom bekannten Buchautor Hardy Grüne und Frank Willig, Gründer von »nordvier«, herausgebracht. Ich habe über Hardy Grünes Fußball-Medien-Menü bei »120 Minuten« davon erfahren und mir die Erstausgabe gleich bestellt.

Zeitspiel kümmert sich um Amateure und die Vereine im Grenzbereich zwischen Profi- und Amateur-Fußball in Dritter und Regional- und Oberliga. Schwerpunkt der ersten Ausgabe ist das Thema »Überleben im Turbokapitalismus«. Das ist eine eher schwermütige Lektüre, der seitenlange »Insolvenzticker« listet die Vereine auf, die den Überlebenskampf seit 1994 verloren haben und betrachtet prominente Pleite-Beispiele wie SSV Ulm oder Alemannia Aachen. Und fragt nach, was man tun kann, um als Verein in den höheren Amateurligen überleben zu können.

Daneben gibt es Fotos, Nachrichten aus den unteren Ligen und längere Artikel über Vereine wie Borussia Neunkirchen, Borussia Fulda oder den Berliner FC Preussen. Und eine schöne Reportage über den Fußball in Tansania. Ein historisches Thema, Fußball in Schlesien, rundet das Themenbündel ab. Eine Besprechung in der SZ zieht den Vergleich mit der »11 Freunde« aus der Anfangszeit.

Die Richtung ist in der Tat ähnlich. Ich finde Zeitspiel aber »besessener« recherchiert und klarere Positionen beziehend. Das, was ein gedrucktes Magazin noch immer besser leisten kann als das Internet, nämlich den Leserinnen und Lesern Themen in einem Interesse wachhaltenden Mix näher zu bringen, von denen sie vorher nicht wussten, dass sie interessant sind, ist in der Erstausgabe sehr gut gelungen.

Fazit: Eine klare Sache, Kaufempfehlung!

lektuere

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