August 2015

Wir lesen Fußball: »Zeitspiel«

Ballkultur lektuere

Bild: Zeitspiel-Magazin

Wenn man keinen Fußball schaut, dann möchte man drüber lesen, klare Sache. Wer nicht nur im Kicker 1:0-Berichterstattung und nichtssagende Interviews lesen möchte, findet in »Zeitspiel, Magazin für Fußball-Zeitgeschichte« frischen Lesestoff jenseits der alltäglichen Berichterstattung.

Die Mainstream-Berichterstattung über Fußball wird mehr und mehr ein Trauerspiel. Gerüchte, irrelevante Marginalien und Fußball-Star-Klatsch sind wichtiger als das Spiel und seine Hintergründe geworden. Ein schönes Beispiel dafür ist diese Woche das Gewese um Rudi Völler und Marcell Jansen

»Zeitspiel« hingegen verspricht, tatsächlich über Fußball zu schreiben. Das Blog hat die Erstausgabe gelesen…

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Premier League - »Forever blowing bubbles«

Spielbetrieb premierleague westham saison-2015-2016

Am Wochenende startet die englische Premier League, ob des dortigen TV-Geldregens feuchter Traum der Bundesliga-Manager, in die neue Saison. Wer sich über die Lage dort vor Saisonbeginn informieren mag, findet bei twohundredpercent eine unterhaltsame Vorschau mit einer Einschätzung zu jedem Verein in vier Teilen:

Als Gladbach-Fan wird einem stets eine Nähe zum FC Liverpool unterstellt, weil einige Gladbacher eine Fanfreundschaft zu einigen Liverpool-Fans pflegen. Das freut mich für sie, mir geht Liverpools dauernde tränenselige YNWA-Atmosphäre mit dem feierlich zelebrierten Suhlen im Elend der Tragödien der eigenen Vereinsgeschichte auf die Nerven.

Sympathien habe ich in der PL für West Ham United. Da die »Hammers« nach dieser Saison in ein neues Stadion umziehen, ist die kommende die letzte im ehrwürdigen Boleyn Ground. Darum ist die kommende Saison genau die richtige für einen »Groundhopp« zu West Ham…

Die »Hammers« ziehen 2016 in das Olympiastadion von London und bewahren London damit vor dem Schicksal anderer Ausrichtungsländer von Sport-Großveranstaltungen der letzten Jahre: Nämlich eine teure gigantische Bauruine herumstehen zu haben.

Daneben beschäftigt West Ham nun mit Slaven Bilic einen Karlsruher Ex-Helden als Trainer. Außerdem hat West Ham einer der großartigsten Vereinshymnen überhaupt, »Forever blowing bubbles«:

»I’m forever blowing bubbles, pretty bubbles in the air. They fly so high, nearly reach the sky, then like my dreams, they fade and die.«

Was auch wunderschön zum englischen Fußball an sich passt. Sie mögen im TV-Geld schwimmen und unfassbare Ablösen für teilweise mediokre Fußballer ausgeben können, die Wünsche der reichen englischen Klubs nach einer dem finanziellen Aufwand angemessenen Rolle in der Champions League platzten, seit dem Sieg des Chelsea FC im »Finale dahoam«, wie die Seifenblasen. Und von englischen Auswahlmannschaften wollen wir gar nicht erst anfangen. Geld alleine macht halt auch nicht glücklich, gilt auch für den Fußball…

Die im deutschen Fußball grassierende Angst vor dem Geld der PL ist maßlos übertrieben. Auch viel Geld wird die »Stars« der Bundesliga nicht davon überzeugen, bei Stoke City oder Southampton spielen zu wollen. Und die Topklubs können auch nur mit 11 Spielern gleichzeitig antreten. Von daher ist die hysterische Reaktion auf den englischen TV-Vertrag bei deutschen Vereinsfunktionären, gepaart mit blindem Aktionismus in Sachen Spielplangestaltung, völlig unverständlich.

Zum Schluss der Tipp aus der Kristallkugel: Englischer Meister wird wieder Chelsea werden, in einem engen Zweikampf mit Manchester United. Und Bilic wird als Trainer bei West Ham ein schweres Jahr haben.

60 Jahre Wildparkstadion

Ballkultur wildparkstadion stadion ksc

Wildparkstadion in der Abenddämmerung

Als die Läufe des Lebens den »ballreiter« Mitte der Nuller-Jahre nach Karlsruhe verschlugen, fiel natürlich als Erstes dieses großartige Stadion ins Auge: Harmonisch in den Park rund um das barocke Schloss eingebettet, von vier majestätisch aus den Baumgipfeln herausragenden Flutlichtmasten umringt, steht es da mitten in der Stadt - das Karlsruher Wildparkstadion.

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Kartenrot färbte sich der schwäbische Abendhimmel…

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Es gibt Spiele, da sitzt man mit offenem Mund vor dem Fernseher und schaut einem surrealen Schauspiel zu. Die unfassbare Pokalpleite des KSC in Reutlingen in der ersten Runde des DFB-Pokals war so eines. Man wusste gar nicht wo man zuerst hinschauen sollte: Überall Ballverluste, Fouls, Elfmeter, Rote Karten nach Tritten wie einst bei Vinnie Jones…

Was im ersten Heimspiel gegen St. Pauli zu beobachten war, steigerte sich unter dem schwäbischen Abendhimmel Reutlingens ins Absurde: Gegen einen spielerisch arg limitierten Oberligisten verlor der KSC jeden Ball im Spielaufbau. Das Bällchen kam sofort zurück, als hätte man ihn gegen eine Gummiwand geschossen, und brachte die unsichere Abwehr in die Bredouille.

Die Leistungsträger des Vorjahres stecken weiterhin in einer tiefen Formkrise, Torres bekam sogar die Höchststrafe mit einer eiligen »Notauswechslung« noch in der 38. Minute, weil die ewigen Ballverluste aufhören sollten. Die Alternativen sind junge unerfahrene Spieler, von denen man realistischerweise nicht erwarten kann, dass sie auf Anhieb Verstärkungen auf Zweitliga-Niveau sind. Die wenigen erfahrenen Neuen sind bis jetzt auch keine große Verstärkung, da sie sich der Form des vorhandenen Personals anpassen.

Und dass Trainer Kauczinski immer wieder die verlorene Relegation als Erklärung für den Fehlstart heranzieht, ist auch nicht hilfreich. Beim DoPa würde man sagen: Er liefert den Spielern ein Alibi.

Nun ist schon so früh in der Saison ordentlich was los im Badnerland, lt. lokaler Monopolzeitung beorderte Präsident Wellenreuther die sportliche Führung zum Rapport. Der neuverpflichtete »Diamant« im Sturm ist gleich mal krank und fällt aus, ein Yabo-Nachfolger als Verstärkung des derzeit offensiv harmlos und defensiv desaströs auftretenden Mittelfelds ist noch immer nicht in Sicht.

Hoffnung macht alleine das Auftreten in der 2. Halbzeit, als mit 9 gegen 11 fast noch der Ausgleich gelungen wäre. Gerade in der 2. Halbzeit zeigte sich, wie spielerisch limitiert der SSV Reutlingen eigentlich ist, da darf man normalerweise niemals ausscheiden, und schon gar nicht mit einem solchen Auftritt.

Weiter geht es am Freitag beim FSV Frankfurt. Geht das auch verloren, dann entwickelt sich der Fehlstart langsam aber sicher zu dem, was die darauf stets gierende Sportjournaille ganz gerne eine »Krise« nennt…

Neues aus Schottland #1: Erstes Saison-Derby in Dundee

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Dundee United vs. Dundee FC, es war mal wieder Derby-Zeit in Dundee, das gibt es dort bis zu viermal in einer Saison. Gestern also gleich am 3. Spieltag die erste Auflage der Saison, auf der United-Straßenseite der Tannadice Street.

Nach einer torlosen ersten Halbzeit entwickelte sich nach der Pause eine furiose Partie. Der 19-jährige Blair Spittal (Video, s.o., United in »Black and Tangerine«, FC in blauen Trikots) brachte United mit 2:0 in Front. Greg Stewart, der Stürmer der aus der Ölraffinerie kam, erzielte mit einem großartigen Schuss den Anschluss für den FC, bevor in der letzten Minute der Nachspielzeit der Ausgleich fiel. Bei Dundee United stand der 21-jährige Deutsche Luis Zwick im Tor, der letztes Jahr von Hertha Zehlendorf in die U20 von United gewechselt war. Und sah beim Ausgleich nicht sonderlich gut aus, das Dundee-Derby scheint kein gutes Pflaster für deutsche Torhüter zu sein…

Im Sportjournalismus.

Zum Blonden Engel – »Unglaubliche Bilder«: »Im Hintergrund ein Moment echter Emotion: Man sieht, wie Favre erschrickt, die Augenbrauen hochzieht, sich fragend umsieht und betroffen auf eine Antwort wartet. Daneben steht, der offenbar schon besser informiert ist, Ewald Lienen, der Favre zwei drei Worte sagt und eine wegwerfende Handbewegung macht: naja, die machen gerade wieder ein Fass auf, Du weißt doch, wo Du hier bist. Im Sportjournalismus.« (Via Fokus Fußball)

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Wende? FSV Frankfurt vs KSC 1:2 – 14.8.2015

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Bild: FSV Frankfurt vs KSC 14.8.15, Volksbank Stadion

Fehlstart in der Liga, eine peinliche Pokalschlappe in Reutlingen, den besten Stürmer auf die Insel vertickt und alle gelernten Außenverteidiger verletzt – die Voraussetzungen für das Auswärtsspiel des KSC beim FSV Frankfurt waren schon großartig und vielversprechend. Also ging es auf die nicht ganz so weite Reise nach Frankfurt um zu schauen, wie sich die Blau-Weißen in dieser nicht ganz einfachen Lage, in der manche Schreiberlinge lokaler Anzeigenblättchen schon eine Trainerdiskussion vom Zaune brechen möchten, schlagen. Es sollte sich lohnen!

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Arbeitssieg: KSC vs MSV Duisburg 2:0 – 22.8.2015

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Bild: KSC vs MSV Duisburg 2:0, 22.8.15

Ein sonniger Samstag in Karlsruhe, optimales Fußballwetter, ein Traditionsduell mit insgesamt 52 Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit auf dem Spielplan – da gibt es doch nichts anderes als »Raus in den Wildpark«! Sollte man meinen, aber das zum Ende der Saison aufgeflammte Karlsruher Fußballfieber hat sich wieder auf das Kernpublikum, also die 12.000 bis 15.000 die immer kommen, reduziert.

Gespielt wurde trotzdem, die Stimmung war auch im nur halb gefüllten Wildpark gut. Denn der KSC »veredelte« den Auswärtssieg beim FSV Frankfurt mit einem ungefährdeten 2:0-Heimsieg gegen den MSV Duisburg und kann nun, mit Rang 7 und 6 Punkten, wieder deutlich entspannter auf die Tabelle schauen.

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Schweden, Schweine und Kinder: Celtics mühsamer Weg zurück in die Champions League

Spielbetrieb schottland saison-2015-2016 celtic

Celtic Park, Glasgow, August 2013

Wir stehen bekanntlich mitten in den entscheidenden Play-Off-Spielen zur Qualifikation für die Gruppenphase der Champions League 2015/16. Neben den Dritten und Vierten der reichen und berühmten Ligen in Spanien, England, Deutschland oder Italien, müssen sich die Meister der kleineren Ligen durch die Qualifikation kämpfen. Für diese ist das ein mühsamer Weg. Vereinen wie dem FC Basel oder dem Celtic FC, die über Jahre hinweg eine gute Rolle in der CL spielten, kann so der niedrige Stellenwert der Liga ihres Landes zum Verhängnis werden.

So kämpft sich derzeit auch der schottische Serienmeister Celtic FC aus Glasgow, immerhin 1967 Sieger des Europapokals der Landesmeister (wie die CL in der guten alten Zeit bekanntlich hieß), durch die Qualifikation und möchte im Rückspiel am morgigen Dienstag in Malmö die Rückkehr in die CL klarmachen.

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Null-Punkte-Zug: Borussia Mönchengladbach vs Mainz 05 1:2 – 23.8.2015

Stadion bundesliga gladbach mainz05

Bild: Gladbach vs. Mainz 1:2, Blick ins Stadion

Das war ein hartes Wochenende: Nach dem samstäglichen Stadionbesuch vor der Haustür stand tags darauf das erste Heimspiel der Elf vom Niederrhein gegen Mainz 05 im heimatlichen Westen auf dem Programm. Die DFL musste das natürlich auf den 17:30-Termin am Sonntag legen, was im Infrastrukturentwicklungsland Deutschland, in dem die Fußballstadien in diesen Zeiten gentrifizierend vergreisender Ruhebedürftigkeit nur noch in der Pampa an der Autobahn errichtet werden können, einen ziemlich langen Tag im Zug mit sich bringt.

Aber gut, oder wie wir Fußballer sagen, ja gut, wir machen das ja freiwillig. Und nach einem schönen Spiel, mit einem Dreier in der prall gefüllten Punktetasche, macht man sich auch gerne auf den langen Heimweg in der Hölle deutscher Personenbeförderungsunternehmen…

Das Problem war nur: Es gab keinen Dreier. Und auch kein schönes Spiel…

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Auf in die Champions League! Aber nicht alle…

Spielbetrieb saison-2015-2016 gladbach celtic

Die Würfel sind gefallen, die Play-Offs sind beendet und die Gruppenphase der Champions League wurde ausgelost!

Gladbacher Todesgruppe

Borussia wird in Gruppe D auf Juventus Turin, Manchester City und (schon wieder) auf den FC Sevilla treffen. Stellenweise ist deshalb auf Twitter und in den üblichen Foren ein garstiges Gejammer über die Grausamkeit dieser Gruppenauslosung zu lesen. Seitenwahl gibt gewohnt informativ einen Überblick und kommt zu dem Schluss:

»Zum jetzigen Zeitpunkt ist es jedenfalls viel zu früh, um den Kopf in den Sand zu stecken. Borussia hat jahrelang hart dafür gearbeitet, um in dieser Champions League mitspielen zu dürfen. Jetzt ist dies geschafft und wurde mit einer Gruppe vierer echter Champions belohnt. Anstatt jetzt schon bittere Niederlagen vorherzuorakeln, sollten sich die Fans auf 6 hochkarätige Europacup-Partien freuen, die sie genau wie der Verein unbeschwert und in vollen Zügen genießen sollten.

So ist es. Man hat immer eine Chance. (Gut dass es hier kein Phrasenschwein gibt.) Ich für meinen Teil freue mich drauf, vor allem Sevilla ist dieses Mal fällig. Und gegen Juve, mit Torwartlegende Gigi Buffon, der bekanntlich einmal Gladbach als einen seiner Sehnsuchtsvereine bezeichnete. Und als Sahnehäubchen das geldstarrende, aber europäisch notorisch erfolglose Superstarensemble von Manchester City…

Celtics Ausscheiden

In jene Gruppenphase wollten auch einige andere. Für Celtic endete der vor zwei Tagen skizzierte »mühsame Weg zurück« in Malmö mit dem erneuten Ausscheiden mit einem, vor allem in der 2. Halbzeit, furchtbaren Auftritt. Trainer Ronny Deila diagnostizierte ein »furchtsames Auftreten« als Ursache. Einige Kommentatoren, wie jener hier im Guardian, sehen hingegen Deilas falsche Entscheidungen und schlechte Transfers als Grundübel. Der BBC-Schottenfußball-Chefkommentator Tom English sah Celtics Schwäche in Malmö grausam offenbart und kommt zu dem Schluss:

»Malmo got what they deserved on Tuesday - and so did Celtic. They had their chance - and they blew it.«

Die Fans sind etwas ratlos, wie ein Statement im Supporters-Forum zeigt:

»Last night was at times embarrassing, we looked like a team with no fight in it, a total lack of conviction; we were bullied by a team of inferior players.«

Das fasst es ganz gut zusammen. Und einer zerriss gleich sein Trikot vor Wut

Nun gibt es also ein weiteres Jahr Europa League und Dominanz in der Schottischen Meisterschaft für Celtic, und die CL findet erneut ohne schottische Beteiligung statt.

Basels Ausscheiden

Etwas überraschend ausgeschieden ist auch der kürzlich besuchte FC Basel gegen Maccabi Tel Aviv. Das ist für Basel weniger ein finanzielles Problem, als vielmehr eines für das eigene Selbstverständnis, so die NZZ:

»Ohne Champions League bricht ein Teil seines Selbstverständnisses und seiner Träume weg; in diesen Spielen setzt er die grossen Emotionen frei, hier bekommt er die Anerkennung, die ihm in der Schweiz immer öfter versagt bleibt.«

Ganz anders sehen das die »Stehplatzhelden«:

»Ein Glück, dass der Verein die erneute Qualifikation für die UEFA Champions League nicht geschafft hat. Ansonsten wäre die wirtschaftliche Dominanz des FCB im Schweizer Fussball erdrückend geworden.«

Wie auch immer. Im Gegensatz zu Celtic, für die die Rückkehr mit jedem Jahr »draußen« immer schwieriger wird, wenn die Besitzer nicht Geld in eine für den heimischen schottischen Fußball völlig überdimensionierte Mannschaft stecken wollen, lacht dem FC Basel eine glorreiche Zukunft. Denn ab der kommenden Saison braucht der Schweizer Meister nicht mehr durch die mühsame und gefährliche Qualifikation, sondern kommt direkt in die Gruppenphase. Und wer anders als die »Bebbi« soll diese Saison Schweizer Meister werden?