Spielbetrieb

Saisonprognose Zweite Liga: Christian Beeck und der Rat der Sterne

Wildparkstadion Karlsruhe, erstes Spiel der Saison 2014/15

Packt die Fahnen aus, plündert die Stadionbierkasse, es ist endlich wieder soweit: Der Spielbetrieb im deutschen bezahlten Fußball nimmt wieder die Arbeit auf, die Zweite Bundesliga (und, nicht zu vergessen, die Dritte Liga) starten mit dem ersten Spieltag in die neue Saison 2015/16. Grund genug für kühne Saisonprognosen aus den Abgründen der Fußballweisheit.

Vorschau

Für die ritualgetriebene Sportjournaille ist das stets ein guter Grund für die jährliche »Saisonprognose«. Die Zweite Bundesliga als Durchgangsliga mit stets fluktuierender Besetzung nach oben und unten ist naturgemäß schwieriges Terrain für Prognosen. Man weiß es eigentlich nicht vor Saisonstart, und wenn die Ratlosigkeit überhand nimmt, deklariert man die kommende Saison flugs als »so spannend wie nie«.

Gerade diese Prognose des ehemaligen Nachrichtenmagazins zeigt die Tendenzen der Vorschau dieses Sommers. KSC, knapp am direkten Aufstieg vorbei und dann in der Relegation nur von Manuel Gräfe besiegt, habe über seine Verhältnisse gespielt und somit wäre eine Wiederholung schwierig. Obwohl das Team »Stand heute« genauso stark ist wie in der Vorsaison. Der FCK hingegen, letzte Saison schon nicht gut genug für den Aufstieg gewesen und vom Kader her tendenziell eher schwächer geworden, werde trotzdem oben mitspielen.

Sport1 lässt den »Experten« Christian Beeck ran, der sich zu der gewagten Prognose hinreißen lässt, dass das brausegeldgepamperte Projekt RedBull Leipzig »klar ein Kandidat für den Aufstieg« (Zitat) sei! Auch der FCK landet nach Beecks Ansicht wieder vorne. Dem KSC hingegen ging die verpasste Relegation »an die Substanz«. Den Namen Beeck merken wir uns mal kurz für später im Text!

Die Trainer der Zweitligisten gaben auch wieder ihre Prognose ab und sehen Leipzig, Freiburg, FCK, Nürnberg, Düsseldorf und Braunschweig als Mitfavoriten. Wer fehlt wieder? Genau, der KSC. Eigentlich ja eine komfortable Ausgangssituation, die des notorisch Unterschätzten…

Rückblick

Diese Prognosen werden viel amüsanter wenn man sich zum Vergleich die aus dem vorigen Jahr anschaut. Wir erinnern uns, die Zweite Liga 2014/15 endete mit Ingolstadt auf Rang 1 vor Darmstadt 98 und dem KSC.

Eingedenk dessen amüsieren wir uns als erstes über die Prognose des ehemaligen Nachrichtenmagazins, die FCN, Fürth, FCK, Union und Leipzig als Favoriten hatte und mit der Prognose für Darmstadt 98 nur haarscharf daneben lag (Zitat): »Also wird es wohl zurück in die 3. Liga gehen.«

Ähnlich treffsicher war der Sport1-Experte, wir erinnern uns, s.o., Christian Beeck im Vorjahr, der Nürnberg vor St. Pauli und Düsseldorf einlaufen sah. Besonders bei St. Pauli ein Volltreffer! Wenn Beecks fachwissengeschwängerte Prognose wieder so treffsicher ist, kann man in Karlsruhe eigentlich schon die Aufstiegsshirts drucken…

»Treffsicher« ist auch das Stichwort für die letztjährige Prognose bei ran.de, besonders der Tipp mit 1860 München unter den Aufstiegskandidaten lag nur ganz knapp daneben…

Auch bei Spox war die Kristallkugel eingetrübt, sah man dort doch die Reihenfolge FCK vor Leipzig und 1860 München voraus. Es scheint, dass regionale Vorlieben in der Sportjournaille mitunter den Realitätssinn eintrüben.

Aber wir wollen nicht nur über die schlechten Prognosen lachen, sondern auch mal eine treffendere loben. Ein Blog namens »AstroArena« hatte die Sterne befragt und die antworteten was? Genau, sie sahen den KSC auf Rang 3. Damit sind die Astrologen schon mal treffsicherer als Christian Beeck. Leider hat die AstroArena für diese Saison keine Prognose berechnet…

Des Ballreiters Prognose

Nun, die anderen auslachen kann jeder, also hinterlege ich hiermit meine Aufstiegsprognose für die Saison 2015/16. Ich werde, sollte dieses Blog in einem Jahr noch existieren, diese in der nächstjährigen Vorschau entsprechend würdigen.

Die kommende Saison wird ein Fest für den badischen Fußball, denn die Zweite Liga endet so:

  1. SC Freiburg
  2. Karlsruher SC
  3. RedBull Leipzig

Sie wissen schon, verehrte Leserinnen und Leser, regionale Vorlieben trüben mitunter den Realitätssinn ein…

Freiburg wird stark sein, die zahlreichen Abgänge nach dem Abstieg brachten Geld in die Kasse und mit Grifo, Kübler, Klandt, Zuck, Hedenstadt und besonders Petersen wurde der Kader mit für Zweitligaverhältnisse guten und routinierten Kräften wieder aufgefüllt. Trainer Streich bleibt auch, dazu werden Spieler aus dem traditionell hervorragenden Nachwuchskader aufrücken, trotz Abstieg bleibt man in Freiburg stets südbadisch gelassen und arbeitet stoisch weiter – Freiburg landet auf Rang 1.

Der KSC wird entgegen den Prognosen nicht lange an den Gräfe-Schäden knabbern. Das Team bleibt bis auf den zur dunklen Seite der Getränkeindustrie Österreichs gewechselten Yabo zusammen. Schwachstellen im Sturm (außer Hennings war da gar nix) scheinen mit dem Neuzugang Hoffer und den talentierten Manzon und Koepke beseitigt. In der Defensive ist der KSC sowieso über jeden Zweifel erhaben, es ist sehr schwer gegen Karlsruhe zu gewinnen. Somit gibt es keinen plausiblen Grund, warum der KSC schwächer sein sollte als in der Vorsaison. Und gerade die Relegationserfahrung wird den KSC alles daran setzen lassen, bloß nicht wieder auf Rang 3 zu landen. Bleibt der Kader bis zum Ende der Transferzeit so wie er ist zusammen (es gerüchtet latent über einen Abgang von Hennings), wird es dieses Mal der Aufstieg auf Rang 2.

Bleibt Redbull Leipzig, wo der stets bescheiden und sympathisch auftretende Ralf Rangnick keinen Übungsleiter fand, der zum einen da freiwillig hin wollte und zum anderen unter seinen strengen Augen bestehen konnte. Also macht Rangnick es einfach selbst und konnte mit einem Erstligabudget aus österreichischer Getränkeproduktion einkaufen gehen. RedBull gab mehr Geld für Transfers aus als der gesamte Rest der Liga zusammen. Die mangelnde Akzeptanz des Projekts im Rest von Deutschland (ich hoffe, dass die Dauerproteste in den Fankurven dieser Republik anhalten) und die alte Fußballweisheit, dass Geld nicht immer Tore schießt, werden der bunt zusammengewürfelten Truppe zu schaffen machen. Gut genug für Rang 3 sind sie aber immer noch.

Aber im Grunde weiß man sowieso nichts vorher, und das ist auch gut so, denn wie sagte einst Reichs-Bundestrainer und Philosoph Sepp Herberger:

»Die Leute gehen zum Fußball, weil sie nicht wissen wie es ausgeht.«

Genau. Und mein Freund ist aus Leder.

ksc saison-2015-2016 zweiteliga

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